„Was die Schüler hier geleistet haben, kann sich sehen lassen“

Geschichts- und Erinnerungstafel an der Kriegsgräberstätte Soltau-Ahlften aufgestellt

„Was die Schüler hier geleistet haben, kann sich sehen lassen“

Das Projekt hat die Schülerinnen und Schüler lange beschäftigt: Im Rahmen des Wahlpflichtkurses Geschichte haben die Zehntkläßler der Oberschule Soltau im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr zur Geschichte der Kriegsgräberstätte Soltau-Ahlften recherchiert. Sichtbares Ergebnis ist die Geschichts- und Erinnerungstafel, die jetzt am Areal in der Gemarkung Ahlften auf die Kriegsgräberstätte hinweist und die wichtigsten Informationen zusammenfaßt. Die Beteiligten kamen am Freitag, dem 14. Juni, dort zusammen, um die Tafel offiziell vorzustellen.

Das Lager Soltau war das größte Kriegsgefangenenlager in Deutschland im Ersten Weltkrieg. Mehr als 60.000 Kriegsgefangene waren dort interniert. 859 Verstorbene fanden ihre letze Ruhestätte auf der Kriegsgräberstätte Soltau-Ahlften. Im Wald verborgen liegt sie zwischen Friedrichseck und dem Heide-Park. Wer dort vorbeikam, suchte bisher vergebens nach vertiefenden Informationen. Dank des Projektes, an dem neben der Oberschule der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) und auch - mit einer Spende für die Herstellung der Tafel - die Kreissparkasse Soltau beteiligt war, sind die wichtigsten Daten nun vor Ort nachzulesen.

„Es steckt mehr dahinter, als ein bißchen Material zusammenzutragen“, lobte Manfred Ostermann - in doppelter „Funktion“ als Landrat und Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge - das Engagement der Soltauer Oberschüler. Er wolle, kündigte Ostermann an, sich auch noch auf eine derzeit noch offene Art und Weise bei den Schülerinnen und Schülern bedanken.

Es sei spannend gewesen, sich im Projektunterricht (PU) mit der Geschichte Soltaus und Wietzendorfs auseinanderzusetzen, betonte Jörg Busack, der gemeinsam mit seinem Kollegen Patrick Pfaff das Vorhaben an der Schule umgesetzt hatte. Der Projektunterricht werde - dann mit dem nächsten Jahrgang - weiterlaufen, kündigte Busack an.

Sie seien „stolz, die Tafel nun hier präsentieren zu dürfen“, machten die beteiligten Schüler deutlich. Alle Informationen sollen auch in einem Internetblog veröffentlicht werden, an dem im nächsten Schuljahr der nächste PU-Kurs weiterarbeiten werde. Für die Erstellung der Tafel hatten die Schüler unter anderem im Stadtarchiv und im Museum Soltau recherchiert, verschiedene Veröffentlichungen gesichtet und schließlich alle Ergebnisse zusammengefaßt.

„Gerade in der heutigen Zeit“, betonte Oberschulleiterin Karin Spreckelsen, sei es wichtig, die Geschichte aufzuarbeiten. Sie hoffe, daß an der Schule noch weitere Projekte in diesem Sinne durchgeführt werden. Die Tafel aber sei etwas besonderes, nämlich etwas bleibendes, unterstrich die Schulleiterin.

Für die Stadt Soltau sprach Ingolf Grundmann. „Wir müssen die Mahnung annehmen, die uns dieser Ort entgegenruft“, machte der zweite stellvertretende Bürgermeister der Stadt Soltau deutlich. Er zitierte den französischen Philosophen Gabriel Marcel: „Weil die Toten schweigen, beginnt alles wieder von vorn.“ Die Stille führe ins Vergessen, daher „müssen die Lebenden die Stimme erheben, damit nicht alles von vorn beginnt.“ Grundmann verwies auch darauf, daß vor dem Volkstrauertag in jedem Jahr der serbische Konsul an dieser Kriegsgräberstätte - auf der auch 70 serbische Gefangene beerdigt wurden - eine Andacht halte.

Karl-Friedrich Boese, Bildungsreferent des VDK, erläuterte das Projekt „Geschichts- und Erinnerungstafeln“, das der Volksbund seit 2005 betreibt und in dessen Rahmen die Oberschüler das Vorhaben in Soltau umgesetzt haben. „Es gibt noch viele Friedhöfe, für die Tafeln erstellt werden müssen“, betonte Boese. Er selber sei vor 40 Jahren auf die Realschule in Soltau gegangen, habe aber - obwohl „Geschichte eines meiner Lieblingsfächer“ war - „nie etwas über diese Vergangenheit erfahren.“ Im Laufe der Jahrzehnte sei in der geschichtlichen Aufarbeitung aber „ein großer Schritt nach vorn“ gemacht worden. Und der Bildungsreferent lobte: „Was die Schüler hier geleistet haben, kann sich sehen lassen!“

Dr. Matthias Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Soltau, unterstrich, die Tafel stelle „viel Inhalt anspruchsvoll dar“, so daß die Besucher „mit neuem Wissen von der Gedenkstätte weggehen.“ Stätten wie diese vermittelten „ein beklemmendes Gefühl. Es muß damals furchtbar gewesen sein.“ Umso wichtiger sei es, eine Lehre daraus zu ziehen. Bergmann betonte die Bedeutung, daß die Menschen heute „in einem so freiheitlichen Land leben“ könnten.

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