„Alles Schnee von gestern“

Ausfall von Astrazeneca sorgt für Rückschlag bei der Impfplanung

„Alles Schnee von gestern“

Eigentlich wollte Landrat Manfred Ostermann eine positive Perspektive in Sachen Corona-Impfung aufzeigen, als er für vergangenen Dienstag ins Impfzentrum nach Bad Fallingbostel geladen hatte. Doch der Stopp für den Impfstoff von Astrazeneca einen Tag zuvor hat den Plänen von Landkreis und Hilfsorganisationen am Montag einen kräftigen Dämpfer verpasst: „Wenn wir hätten weitermachen können, hätten wir eine Impfquote von elf Prozent erreicht“, so Ostermann. Jetzt allerdings ist dies wohl erst einmal hinfällig.

Seit dem ersten Lockdown vor einem Jahr am 15. März 2020 „sind wir von einem Lockdown in den nächsten gerasselt mit geschlossenen Geschäften, geschlossenem Tourismus und geschlossenen Schulen. Deshalb waren wir froh, als wir am 4. Januar 2021 mit den Impfungen starten konnten“, blickt der Landrat zurück.

Tatsächlich haben bis jetzt mit Biontech 7.664 Personen eine Erstimpfung und 4.797 eine Zweitimpfung erhalten. Von den „Erstgeimpften“ waren 7.098 über 80-Jährige und 566 Personen aus dem medizinischen Bereich. Mit Moderna hat es 320 und Astrazeneca 1.214 Erstimpfungen gegeben. Für zirka 3.200 weitere über 80-Jährige sind bereits Impftermine vereinbart. Rund 2.000 Personen haben einen unbekannten Status, also wollen sich beispielsweise nicht impfen lassen oder wissen nicht, was zu tun ist.

Impfangebote wurden beispielsweise auch Rettungsdien­sten, Pflegepersonen auf Intensivstationen oder Palliativärztinnen und -ärzten gemacht: Was Arzt- und Zahnarztpraxen betrifft, so wurden 41 Praxisteams bereits geimpft, 35 haben Termine und weitere 52 sind in Bearbeitung. Lehrkräfte von Grund- und Förderschulen sowie Kita-Personal sollten im April folgen.

Nach recht erfolgreichem Impfauftakt, so der Landrat, „waren wir guter Dinge, alles lief gut.“ Bis jetzt: Die vier Impfstrecken in der Heidmarkhalle sollten weiter hochgefahren werden, um bis 20 Uhr, Samstage inklusive, arbeiten und 8.000 Menschen pro Woche impfen zu können. Um das zu ermöglichen, sollten nicht nur, wie schon bisher, DRK-Kreisverband Bad Fallingbostel, Johanniter-Unfallhilfe, Feuerwehren und Bundeswehr helfen, sondern auch zusätzlich der DRK-Kreisverband Soltau. „Das ist jetzt alles Schnee von gestern“, so Ostermann enttäuscht.

Tatsächlich ist im Moment nicht viel los im Impfzentrum, denn der bis einschließlich 14. Kalenderwoche verplante Impfstoff ist durch das Astrazeneca-Verbot erheblich geschrumpft. Von diesem Hersteller hat der Landkreis nämlich noch 4.521 Impfdosen am Lager und darf sie nicht nutzen. Dazu der Landrat: „Wir dürfen und werden den Stoff auch nicht verimpfen. Auch dann nicht, wenn es Leute unbedingt wollen. Das ist schlichtweg verboten. Erst wenn das OK von ganz oben kommt, darf dieser Impfstoff wieder verwendet werden.“ Jetzt seien erst einmal bereits vereinbarte Termine abgesagt worden.

Wer eine Erstimpfung mit dem Stoff von Astrazeneca bekommen hat, der kann zumindest darauf hoffen, dass es vielleicht doch noch grünes Licht gibt: Da die Zweitimpfung erst nach drei Monaten erfolgt und der Impfstoff sechs Monate haltbar ist, besteht noch die Möglichkeit, dass das Vakzin rechtzeitig „entlastet“ wird. Sollte das so sein, „so besteht jedoch die Sorge, dass dieser Impfstoff bei einer Wiederfreigabe nicht mehr so gut angenommen wird. Wir werden da Überzeugungsarbeit leisten müssen“, meint der Landrat. Neben diesen momentan nicht nutzbaren 4.521 Dosen Astrazeneca sind aber noch 738 Dosen Biontech vorrätig. Damit werden die noch verbliebenen über 80-Jährigen geimpft. Schließlich stehen in dieser Altersgruppe noch einige Impfungen an. Die nächstfolgende Gruppe - die über 70-Jährigen - kann sich deshalb erst einmal nur auf die Warteliste setzen lassen.

Genauere Perspektiven kann der Landrat da nicht aufzeigen: „Wir können nicht verimpfen, was wir nicht haben, denn wir bekommen den Impfstoff zugeteilt. Was zu welchem Zeitpunkt geliefert wird, wird uns vom Land Niedersachsen vorgegeben.“ Und Dennis Protz vom DRK-Kreisverband Bad Fallingbostel ergänzt: „Alle Impfstoffe, die wir noch haben, sind bereits verplant. Wir haben Impfsicherheit bis eine Woche nach Ostern.“

Auch anderes ist noch nicht geklärt, etwa die mögliche Einbeziehung von Arztpraxen in den Impfbetrieb: „Die Impfungen sind so gesteuert, dass im Impfzentrum ein kontinuierlicher Betrieb laufen kann. So wird vermieden, dass es an einem Tag unter Umständen auf Hochtouren läuft und am anderen nichts zu tun ist. Wir können die Arztpraxen gern ins Boot holen, aber dann muss auch die Planung stimmen.“

Was Schnelltests betreffe, so nehme die Nachfrage gerade wieder zu: „Der Landkreis hat deshalb die Verträge für die Testzentren der beiden DRK-Kreisverbände in Soltau und Schneeheide bis September verlängert. Wer möchte, kann sich dort einen Termin holen“, berichtet Ostermann.

Mit Blick auf wöchentliche kostenlose Schnelltests meint der Landrat: „Ich hätte mir vorstellen können, dass wir die Orte abfahren, um dort kostenlose Schnelltests zu bieten, aber das ist nicht gewollt.“ Statt dessen gibt es einen neuen Erlass der Landesregierung, wonach etwa Ärzte, Zahnärzte und Apotheken oder Labore, die dazu bereit sind, aufgerufen werden sollen, sich zu melden, um mit dem Landkreis Verträge über die Durchführung von kostenlosen Schnelltests zu schließen. So gebe es durchaus schon Anfragen nach wöchentlichen Schnelltests, und auch die Schulen stünden Gewehr bei Fuß. Wer aber am Ende für die Tests zuständig sei, sei auf Landesebene zu klären.

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