Auch Heidekreis will „Trumpfkarte“ spielen

Urlaubsgäste sollen ab 2020 kreisweit Rabatte genießen können

Auch Heidekreis will „Trumpfkarte“ spielen

„Fast jede Tourismusregion hat eine - nur wir nicht“, meint Landrat Manfred Ostermann. Doch damit soll nun Schluß sein: 2020 wird es auch im Heidekreis eine Gästekarte geben, die den Urlaubern den Aufenthalt in hiesigen Gefilden mit Rabatten auf attraktive Leistungen versüßt und die Heide für sie so noch anziehender macht. Was damit verbunden ist, erläuterten am Montag neben Ostermann Björn Gehrs, Aufsichtsratsvorsitzender der Erlebniswelt Lüneburger Heide GmbH, Hjördis Fischer, Geschäftsführerin der Erlebniswelt, sowie Heiko Bockelmann vom Verein Bispingen-Touristik und Dr. Almut Willenbockel, Leiterin der Fachgruppe Kreisentwicklung und Wirtschaft.

Daß der Landkreis der Entwicklung hin-terherhinkt, hat seinen Grund: „Wir haben uns schon lange dafür eingesetzt. Bereits seit vier bis fünf Jahren haben wir versucht, hier mit der Lüneburger Heide GmbH (LHG) übereinzukommen. Denn eigentlich wollten wir eine Karte für den gesamten LHG-Raum, zu dem noch andere Landkreise und einzelne Städte gehören. Das ist leider nicht gelungen. Deshalb führen wir die Karte jetzt nur für den Heidekreis ein“, berichtet Ostermann. Gesellschafter und Aufsichtsrat der Erlebniswelt Lüneburger Heide, also der touristischen Dachorganisation im Heidekreis, haben dazu schon ihren einstimmigen Segen gegeben.

Bei diesem Projekt muß der Landkreis allerdings nicht bei Null anfangen, sondern kann vom Erfahrungsschatz der Bispingen-Touristik profitieren. Dieser Verein war nämlich im Heidekreis seiner Zeit voraus und hat 2012 die „BispingenCard“ eingeführt: „Wir möchten auf das draufsatteln, was dort bereits erfolgreich läuft“, kündigt Ostermann an. Und er würdigt gleichzeitig die große Kooperationsbereitschaft der Bispinger, die den Landkreis mit seinem Ansinnen nicht haben abblitzen lassen: „Am 6. Februar hat sich die Mitgliederversammlung einstimmig dazu entschieden, die Ausweitung der Karte auf den gesamten Landkreis mitzutragen.“

Mit dem Fachplanungsbüro AVS aus München wurde ein entsprechendes Konzept erarbeitet, wobei die Karte weiterhin in Händen der Bispinger, genauer gesagt, Heiko Bockelmanns vom Verein Bispingen-Touristik bleibt, denn dort ist das Know-how: „Wir sind mit unseren Erfahrungen gut aufgestellt, werden aber bei einer Ausweitung mehr Personal brauchen“, so Bockelmann. Dabei funktioniert die Karte ganz einfach: Vermieter von touristischen Unterkünften zahlen einen Euro pro Nacht und Person für Gäste ab 16 Jahren bei längerer Verweildauer, bei „Einnächtern“ 50 Cent und finanzieren damit die Karte, die kostenfrei an die Gäste ausgegeben wird. Diese Abgabe ist im Zimmerpreis inbegriffen und fließt in einen Topf. 60 Prozent dieser Einnahmen sind für das Marketing gedacht, 40 Prozent gehen an die Tourismus-Informationen der Kommunen zur weiteren Verwendung. Die Gäste wiederum profitieren von den Rabatten, die ihnen sogenannte Leistungsträger - also Einrichtungen von den hiesigen Parken bis hin zum Restaurant - bei Vorlage der Karte gewähren.

Die Einführung der „BispingenCard“ war von Anfang an ein Erfolg. Dazu Bockelmann: „Schon 2012 haben 74 Prozent der Übernachtungsgäste die ‚BispingenCard‘ von ihren Vermietern bekommen. Heute sind es 85 Prozent, die Übernachtungen im Center-Parc nicht mitgerechnet.“ Und weiter: „Unsere Leistungsträger befinden sich nicht nur in Bispingen, und die Gäste nehmen dieses Angebot an: Unter Nutzung ihrer Karte haben mehr als 3.000 Gäste das Panzermuseum in Munster, 5.000 den Wildpark Lüneburger Heide und 20.000 das verrückte Haus besucht. Wir konnten außerdem festellen, daß sich die Übernachtungszahlen erhöht haben und mehr Gäste wiederkommen.“

Was für Bispingen und umzu mit seinen 50 Leistungsträgern bestens funktioniert, sollte auch im Heidekreis insgesamt kein Problem sein, „schließlich haben wir mit jährlich rund 3,5 Millionen die meisten Übernachtungen und auch die meisten Attraktionen in der Lüneburger Heide“, betont der Landrat. So versprechen sich die Beteiligten von der Karte eine Attraktivitätssteigerung und - damit verbunden - die Bindung von Stammgästen und die Gewinnung neuer Besucher ebenso wie die Erhöhung der Aufenthaltsdauer und die Belebung von Vor- und Nachsaison.

„Dies ist ein Angebot, das uns bisher gefehlt hat. Und da ist es ausgesprochen positiv, daß wir dies als landkreisweites Gemeinschaftsprojekt angehen. Jeder ist gut beraten, dabei mitzumachen“, unterstreicht Gehrs. Auch Fischer betont, „ich freue mich über das einstimmige Ergebnis, denn gemeinsam geht es besser.“ Und aus Sicht der Wirtschaftsförderung, so Willenbockel, „ist dies ein Projekt, von dem nicht nur eine Branche profitiert. Deshalb leistet der Landkreis auch eine Anschubfinanzierung.“ Die, so Ostermann, solle 80.000 Euro umfassen - 50.000 für die Ausdehnung auf den Landkreis und 30.000 an Bispingen für die Entwicklung der BispingenCard als Basis dafür.

Jetzt geht es noch darum, daß die Kommunen, auf die im übrigen keine Kosten zukommen, ihren Segen geben, was zwar nicht wirklich erforderlich ist, aber eine förderliche Geste wäre. Und die Vermieter und toruistischen Leuchttürme müssen ebenfalls noch mit ins Boot geholt werden, damit auch eine gute kreisweite Angebotsverteilung erreicht wird. Hierzu soll es Informationsveranstaltungen vor Ort geben. Dazu Bockelmann: „Das alles ist modular aufgebaut, es müssen also nicht alle auf einmal mitmachen.“

Vielleicht können Gäste dann ab Ostern 2020 in den Genuß der Kartenvorteile kommen. Bis dahin ist dann sicherlich auch der Name festgelegt. Der soll eigentlich „HeideCard“ lauten, doch Ostermann befürchtet hier unter Umständen rechtliche Probleme. Deshalb gibt es mit „SchnuckenCard“ und „HeidjerCard“ noch zwei Alternativen: „Die Frage ist also noch in der Diskussion“, so der Landrat.

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