„Die Flüchtlingsaufnahme wird ein Marathon, kein Sprint“

Hunderte Geflüchtete trafen in den vergangenen Tagen und Wochen insbesondere in Bad Fallingbostel ein

„Die Flüchtlingsaufnahme wird ein Marathon, kein Sprint“

Hunderte Geflüchtete trafen in den vergangenen Tagen und Wochen insbesondere in Bad Fallingbostel ein. Als die Situation am vergangenen Wochenende zu eskalieren drohte, ist es Hilfsorganisationen, Ehrenamt und Verwaltung gemeinsam gelungen, Unterkunft und Verpflegung für alle Ankömmlinge sicherzustellen, die im Ankunftszentrum nicht mehr aufgenommen werden konnten. Die Verantwortlichen weisen darauf hin, dass die Aufnahme von Geflüchteten direkt vom Bahnhof oder aus Notunterkünften in Eigeninitiative unbedingt zu vermeiden sei. Die Verteilung auf Unterkünfte werde vom DRK organisiert. Die Anspannung der vergangenen Tage und Wochen war Landrat Jens Grote und Rolf Schneider als Bürgermeister der Stadt Bad Fallingbostel jüngst beim Pressegespräch in Bad Fallingbostel noch ins Gesicht geschrieben. Die Herausforderung der spontanen Unterbringung und Verpflegung von 550 unangekündigten Flüchtlingen am vergangenen Samstag hat Ehrenamt, Hilfsorganisationen und Verwaltung gewaltig gefordert. Dennoch betont Grote, „dass unsere Herausforderung hier nur andeutungsweise spüren lässt, was sich in Berlin oder Hannover-Laatzen abspielt.“

Doch wie kommt es zu dieser angespannten Lage? Fehlende Absprachen im Verteilersystem auf Landesebene hätten die Situation am Bahnhof in Bad Fallingbostel eskalieren lassen, hieß es im Pressegespräch. Vor rund 14 Tagen seien die ersten Vertriebenen über das zentrale Drehkreuz in Hannover-Laatzen im Heidekreis angekommen. Innerhalb weniger Stunden habe die Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit den Kommunen Verpflegung, Transport und Unterbringung organisiert. „Das hat funktioniert. Die Abläufe für angekündigte Verteilungen sind klar“, so Grote.

Für Probleme sorgte allerdings das separate Verteilsystem der Länder. Nach erfolgter Registrierung wurden von diesem automatisch generierte Anlaufbescheinigungen ausgedruckt, die sowohl aus Berlin als auch aus Hamburg direkt an das Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel-Oerbke verwiesen. Das führte dazu, dass Personen in unbekannter Anzahl auf vielfältigen Wegen ungeordnet in Bad Fallingbostel eintrafen und aktuell noch eintreffen. Seit dem gestrigen Mittwoch sei dieser Fehler im Verteilersystem behoben und Bad Fallingbostel zunächst aus dem System genommen, berichtete Grote. Doch eine „vollständige Entwarnung“ mochte noch niemand geben.

Da die Anlaufbescheinigungen im Rahmen der Registrierung ausgehändigt werden, kann aktuell niemand sagen, wie viele noch im Umlauf sind. Wann sich wer auf den Weg in den Heidekreis macht, bleibt vollkommen unklar. Es gibt keine zeitlichen Vorgaben, bis wann die Personen im Ankunftszentrum sein müssen. Wer also zunächst noch eine Unterkunft hat, vielleicht krank ist, Familie oder Freunde besucht, der macht sich womöglich erst Tage nach der Ausstellung auf den Weg. Dennoch ist die Stimmung insgesamt auch von Stolz, Hochachtung vor dem Ehrenamt und Zuversicht geprägt. Schneider betonte: „Heute freue ich mich, dass wir mit einer jetzt aufgestellten Struktur in die nächsten Tage gucken können.“

Und die Struktur kann sich sehen lassen: Neben der Bereitstellung der Heidmark-Halle als Überlauflösung für das Ankunftszentrum haben Stadtverwaltung und Heidekreis für weitere Unterbringungsmöglichkeiten gesorgt. Diese Notlösungen decken jedoch keinesfalls den Bedarf an Unterbringung, der noch vor den Menschen auch aus dem Heidekreis liegt.

„Die Aufnahme der Flüchtenden wird kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf sein. Wir brauchen nach und nach Unterkünfte, um die Menschen, die bei uns bleiben wollen unterzubringen“, unterstrich Grote und appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger, „weiterhin Wohnraum an die Kommunen zu melden.“ Der Platz werde gebraucht, nur eben nicht für die Unterbringung der Menschen, die eigentlich nur zufällig im Heidekreis gelandet seien und nicht vorhätten, hier zu bleiben. Alle Beteiligten wiesen aus diesem Grund mit Nachdruck darauf hin, dass Flüchtlinge nicht in Eigeninitiative aus den Einrichtungen oder vom Bahnhof abgeholt und untergebracht werden sollten.

Übereinstimmend stellten Vertreterinnen und Vertreter des DRK, der Johanniter Unfallhilfe sowie auch Landrat und Bürgermeister fest, dass alle Involvierten gezeigt hätten, dass sie in der Lage seien, solch kritischen Situationen mit Menschlichkeit zu begegnen. Ehrenamt, Hilfsorganisationen und Behörden hätten Hand in Hand dafür gesorgt, dass alle Menschen untergebracht und versorgt werden konnten.“ Mirco Schröder, Vorstand DRK Walsrode, brachte es auf den Punkt: „Da haben wir alle zusammen super gut funktioniert.“

Trotz des gelungenen Zusammenspiels in dieser Ausnahmesituation wurde deutlich, dass Beteiligten gehörig Respekt vor den weiterhin anstehenden Herausforderungen haben. Sie sprachen sich daher einhellig für „Entscheidungen auf Sichtweite“ aus. Auch wenn die Heinrich-Kemner-Halle des Geistlichen Rüstzentrum Krelingen aktuell wieder leergeräumt sei, so werde diese neben der Heidmark-Halle zumindest über dieses Wochenende in Bereitschaft gehalten.

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