„Es kann nur Standort F4 sein“

Bürgermeisterin Karin Thorey: In Dorfmark kein geeignetes Areal für HKK-Neubau

„Es kann nur Standort F4 sein“

Eigentlich könnte es Karin Thorey egal sein, ob der Standort für den Neubau des Heidekreis-Klinikums (HKK) in Bad Fallingbostel oder Dorfmark liegt, denn das ist schließlich auch eine Bad Fallingbosteler Ortschaft. Doch die Bürgermeisterin legt sich fest und hat das auch am vergangenen Donnerstag der Presse gegenüber erklärt. Sie sei mit der Entscheidung des Kreistages für den Standort F4 (Bad Fallingbostel) und gegen D4 (Dorfmark) zufrieden: „Ich glaube, es ist die richtige Entscheidung.“

Die Auseinandersetzung um den Standort eines HKK-Neubaus ist bekanntermaßen noch nicht zu Ende: Zwar gibt es die Kreistagsentscheidung für F4, doch die wird von vielen insbesondere im Nordkreis nicht akzeptieren. Deshalb wird ein Bürgerbegehren angestrebt, an dessen Ende im Rahmen eines Bürgerentscheides die Wahlberechtigten im Heidekreis über einen Standort in Dorfmark befinden sollen. Dort könnte das neue HKK an wirklich zentraler und kreisweit konsensfähiger Stelle stehen, so meinen die Verantwortlichen für das Bürgerbegehren, Otto Elbers, Adolf Köthe und Werner Salomon (HK berichtete).

Ob das Bürgerbegehren zulässig ist, entscheidet der Kreisausschuss am 10. August. Sollte dem so sein, müssten dann bis zum 5. Oktober die Unterschriften von mindestens 8.620 Kommunalwahlberechtigten aus dem Heidekreis zusammengetragen werden, die es anschließend auf ihre Korrektheit zu überprüfen gilt. Auch das wird schließlich vom Kreisausschuss festgestellt. Danach beginnt eine Vierteljahresfrist, innerhalb deren die Wählerinnen und Wähler wie bei einer Kommunalwahl zur Abstimmung eingeladen werden. Dieser Bürgerentscheid stünde dann nach Auskunft von Landrat Manfred Ostermann möglicherweise am 17. Januar 2021 auf dem Plan.

Wie zahlreiche Kreispolitiker und Landrat Ostermann sieht auch Thorey dem mit Sorge entgegen. Allgemein zu vernehmendes Argument: Sollte der Bürgerentscheid tatsächlich stattfinden und mit der erforderlichen Mehrheit für Dorfmark ausfallen, könnten Landkreis und HKK nicht mehr den Zeitplan einhalten, um die nötigen Fördermittel von 130 Millionen Euro vom Land zu bekommen. Damit wäre am Ende gar kein HKK-Neubau mehr möglich.

Das sieht Thorey genauso, führt aber noch einen weiteren Grund an, wonach der Weg an F4 nicht vorbeiführe: Wie die Bürgermeisterin betont, eigne sich keine der drei in Dorfmark zunächst als potentielle Standorte eingestuften Flächen. „Die Stadt Bad Falingbostel hat mit einem gewissen Vorbedacht schon 2018 das Areal des ehemaligen Schönberger Baumarktes gekauft. Doch diese Fläche kann nicht zum Standort werden. Sie ist zu klein, und man müsste noch mindestens zehn Hektar dazukaufen, die sich aber in verschiedenen Händen befinden. Weiteres Problem ist der hohe Grundwasserstand. Dort zu bauen wäre zwar möglich, aber mit erheblichen Mehrkosten verbunden“, so die Bürgermeisterin.

Auch die Dorfmarker Flächen D2 und D3 fielen im Grunde weg: „Das ist direkt vor dem Grundstück, das das Unternehmen Vermilion Energy für Gasprobebohrungen gepachtet hat. Wie will man jemandem ein Krankenhaus an diesem Standort schmackhaft machen?“ Auch Dorfmark D4 in Düshop sieht Thorey nicht als Alternative: Die Fläche habe elf Eigentümer, und nicht jeder würde verkaufen wollen. Außerdem sei der Standort sehr hüglig: „Das Areal ist also topographisch sehr anspruchsvoll. Auch das würde den Bau erheblich verteuern.“ Insgesamt, so Thorey, „haben wir festgestellt, dass Vollerwerbsbauern ihr Land im Grunde nicht verkaufen wollen. Und sie wollen auch nicht, wie eine Eigentümerin sagte, in die Mühlen der Auseinandersetzungen um den HKK-Neu­bau geraten.“

Wie die Bürgemeisterin weiter ausführt, habe Dorfmark mit seinen 3.149 Einwohnern zwar eine gute Infrastruktur unter anderem mit anständiger Feuerwehr, Bahnhof und Autobahnanschluss. Doch in Sachen HKK-Projekt schieden sich dort die Geister: „Einige fänden einen Neubau in Dorfmark sicherlich gut, weil er eine Weiterentwicklung bedeuten würde. Die Mehrheit der Einwohner will das aber nicht. Sie verweisen auf die schon jetzt erheblichen Belastungen durch Schießlärm und Autobahnlärm sowie mögliche Gasförderungen durch Vermilion und die Auseinandersetzungen darum. Noch mehr Verkehrsbelastung und zusätzlichen Hubschrauberlärm durch das HKK wollen sie nicht.“

Die infrastrukturelle Lage in Bad Fallingbostel mit 8.886 Einwohnern sei entsprechend besser, zudem stehe Bauland zur Verfügung, falls sich das Personal ansiedeln wolle. Hier die Fläche F4 zu sichern, „das war bei drei Grundeigentümern auch nicht einfach, aber wir haben es geschafft“, so Thorey. Sie halte das Areal, das über zwei Straßen erreichbar sei, für das geeignetere: „Meiner Ansicht nach kann der Standort nur F4 sein - und nicht irgendwo in Dorfmark.“

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplans Nr. 79 „Klinikum am Helmskamp“ sei bereits am 13. Juli gefasst worden, und „zur Zeit wird der städtebauliche Vertrag erarbeitet, den die Stadt Bad Fallingbostel und das Heidekreis-Klinikum im September unterzeichnen werden“, kündigt Thorey an.

Die Vorbereitungen laufen also erwartungsgemäß und ungeachtet des geplanten Bürgerbegehrens zunächst weiter. Für Thorey sei dies ein Déjà-vu: Vor einem Jahr gab es in Bad Fallingbostel ein Bürgerbegehren mit erfolgreichem Bürgerentscheid gegen den Rückbau des Kurhauses und die dortige Ansiedlung eines Vollsortimenters. „Von den Befürwortern hieß es, ein Investor stelle einen kleineren Lebensmittelmarkt an anderer Stelle in Aussicht. Eine Bauanfrage gibt es bis heute nicht.“ Thorey weiter: „Ich stehe für ein Gesamtklinikum, das den Bedarf der Bürger im ganzen Heidekreis abdeckt. Sollte der Bürgerentscheid erfolgreich sein, dann, so glaube ich, werden wir kein neues Heidekreis-Klinikum bekommen - und das wäre sehr, sehr bitter.“

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