HKK-Neubau-Projekt: Vier Kuben, viel Grün und „Geborgenheit“

HKK-Architektenwettbewerb: Jury kürt Siegerentwurf einstimmig

HKK-Neubau-Projekt: Vier Kuben, viel Grün und „Geborgenheit“

Er ist beendet, der Architektenwettbewerb zum geplanten Neubau des Heidekreis-Klinikums. Zwei Tage diskutierte die aus 25 Mitgliedern bestehende Jury über die insgesamt 16 erarbeiteten Pläne und Modelle, die im Kursaal in Bad Fallingbostel präsentiert wurden. In Corona-Zeiten erfolgte der Austausch teilweise auch per Videokonferenz über das Internet. Am ersten Tag waren die am Abstimmungsverfahren Beteiligten fast zwölf Stunden auf den Beinen, am folgenden Tag stand gegen 14 Uhr das Ergebnis fest. Bemerkenswert ist, dass es ein einstimmiges Votum der 17 Preisrichter gab. Gewonnen hat der Entwurf „1122“ der Architektengruppe Schweitzer und Partner aus Braunschweig mit der „Haschler Jehle Objektplanung GmbH“ aus Berlin und der „nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock“ mit Sitz in Hannover.

Zu den Fach- und Sachpreisrichterinnen und -richtern gehörten unter anderem Guido von Benken, Architekt und Referent für Krankenhausbauplanung und Finanzierung im Niedersächsischen Sozialministerium, Baudirektorin und Architektin Elisabeth Meyer-Pfeffermann, Leiterin des Referats Krankenhausbau beim Niedersächsischen Landesamt, Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper, die Bürgermeisterinnen Karin Thorey (Bad Fallingbostel) und Helma Spöring (Walsrode) sowie der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Heidekreis-Klinikums (HKK) Hermann Norden, HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge und Landrat Manfred Ostermann.

Nach einer europaweiten Ausschreibung hatten sich mehr als 30 Büros beworben. 16 davon schafften es in die engere Auswahl, darunter laut Projektmanager Uwe Drost „die Créme de la Créme“ der auf Krankenhausbauten spezialisierten Unternehmen. Der Diplom-Architekt ist geschäftsführender Gesellschafter der „D & K drost consult GmbH“, die als interdisziplinäres Team aus Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern private und öffentliche Auftraggeber bei der Durchführung von Wettbewerben, Workshops und Vergabeverfahren berät und begleitet. Das Abstimmungsverfahren war anonymisiert. Die Fach- und Sachpreisrichterinnen und -richter wussten also allesamt nicht, welche Büros sich hinter den Beiträgen verbergen. Letztlich entschied sich die Jury einstimmig für den Entwurf „1122“ - und der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Jörg Aldinger, sprach im Namen des gesamten Gremiums die Empfehlung aus, diesen Vorschlag umzusetzen. „Ein Krankenhausneubau ist ein hochkomplexes Planungsprojekt. Es gibt nur rund 35 Büros in Deutschland, die das entsprechende Know-how haben“, unterstrich Aldinger. Im Wettbewerb habe es ein Reihe von Bewertungskriterien gegeben. „An erster Stelle stand eine Kombination aus Freilandplanung und städtebaulicher Planung“, so der Preisgerichtsvorsitzende. Die Fläche bei Bad Fallingbostel sei „agrarisch geprägt“. Deshalb sei viel darüber diskutiert worden, „wie sich ein solch großes Bauvorhaben mit der Landschaft auseinandersetzt.“

Wie wirkt der Gebäudekomplex aus der Ferne? Strahlt er Sympathie aus? Neben Fragen wie diesen sei es auch um „harte Kriterien“ gegangen, etwa eine sinnvolle Erschließung. Wie erreichen die Rettungsfahrzeuge das Krankenhaus, wie die Patienten und Mitarbeiter sowie Versorger? „Die Verkehre müssen entflochten werden“, so Aldinger. Darüber hinaus seien Funktionalität, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit sowie Erweiterungs- und Veränderungsmöglichkeiten wichtige Aspekte. Last but not least müsse sich das Personal im Hause wohlfühlen. „Das Raumprogramm war sehr komplex. Die hohe Kunst des Teams war es, dieses auf eine einfache Lösung herunterzubrechen“, lobte der Professor den Siegerentwurf. Hinsichtlich der Dimensionen des geplanten Neubaus habe „eine der kleinsten Arbeiten gewonnen - bei hundertprozentiger Erfüllung des Raumprogramms.“

Die gesamte Anlage ist in U-Form angelegt: Von der zentral gelegenen, zweigeschossigen und lichtdurchfluteten Eingangshalle aus entfaltet sich eine Magistrale zu beiden Seiten und führt lauffähige Patientinnen und Patienten zu den Untersuchungs- und Behandlungsbereichen - und zwar auf übersichtlichen und kurzen Wegen. Beim Blick auf das Siegermodell fallen sofort die vier Kuben ins Auge. Drei sind zwei- bis dreigeschossig, nur einer hat vier Geschosse. Sie sind durch flache Gebäudeteile miteinander verbunden. „Durch die moderate Geschossigkeit und die Staffelung der Kubatur fügt sich das neue Heidekreis-Klinikum harmonisch und selbstverständlich in den umgebenden Landschaftsraum“, beschreiben die Planer ihren Entwurf. Das Gebäudeensemble werde zentral auf dem Wettbewerbsgebiet platziert, so dass eine gute Erreichbarkeit des Klinikums sowohl von der Düshorner Straße als auch von der Walsroder Straße gegeben sei.

HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge: „Dieses Modell hat besonders viele Anforderungen, die wir in unserem Betriebsorganisationskonzept festgehalten haben, erfüllt.“ Es seien lediglich Kleinigkeiten zu ändern. So müsse der Hubschrauberlandeplatz noch verlegt werden, auch in Sachen Optik der Fassaden sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Die jetzige ist eine Vorschlagsfassade, die so nicht zum Tragen kommen wird“, betonte Rogge.

„Wichtig waren die Anordnung der einzelnen Bauteile und die innere Struktur“, erklärte HKK-Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Norden: „Wir freuen uns sehr, dass wir eine Planung gefunden haben, die es uns ermöglicht, jetzt die nächsten Schritte zu gehen. Der Siegerentwurf hat unsere hohen Erwartungen an die Funktionalität und Wirtschaftlichkeit zum einen und zum anderen unseren großen Wunsch, ein Klinikum für Patienten, Mitarbeitende sowie Besucher zu entwerfen, das auch Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, erfüllt.“ Zum Abstimmungsprozess erklärte der Aufsichtsratschef: „Es war eine gemeinsame Entscheidung aller, die mit dem Krankenhaus zu tun haben. Es stehen alle dahinter, die in das Projekt involviert sind.“

„Es war eine intensive Diskussion. Ich habe sehr großen Wert darauf gelegt, dass es das Modell wird, das im Kostenrahmen bleibt, zu hoher Akzeptanz in der Bevölkerung führt und das Medizinern und Pflegepersonal optimale Rahmenbedingungen bietet“, hob Landrat Manfred Ostermann hervor. Seitens des Personals habe es das Feedback gegeben, hinter diesem Entwurf zu stehen. „Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich auf die Realisierung“, so der Landrat.

„Das Krankenhaus wird auf der Fläche nicht als Fremdkörper stehen, sondern gut integriert. Da kommt ein schönes, tolles Gebäude zu uns in die Stadt“, sagte Bad Fallingbostels Bürgermeisterin Karin Thorey und sprach von einem „gelungenen Projektentwurf.“ Begeistert zeigte sich Thorey von der Lösung der Parkplatzsituation. Es soll ein begrüntes Parkdeck mit Tiefgarage entstehen, das zirka 600 Stellplätze bieten wird. Apropos begrünt: Der Vorplatz des Krankenhauses soll einen parkartigen Charakter erhalten und als Erholungs- und Aufenthaltsbereich für Patienten, Besucher und Personal dienen. Außerdem werden Wege und Ruhezonen angelegt, denn, so Professor Aldinger, „Architektur und Landschaft können auch einen heilenden Charakter haben.“

Keine Antwort gab es auf die Frage, was das Ganze letztlich kosten wird. Mit dem Siegerentwurf bewege sich das Projekt „in einem adäquaten Kostenrahmen“, erklärte Baudirektorin Elisabeth Meyer-Pfeffermann. Investitionskosten seien das eine, „ebenso sind aber auch die Betriebskosten ein wichtiger Faktor in der Förderung.“ Noch befinde sich das Projekt in der Vorplanung, nun solle diese „so schnell wie möglich durchgearbeitet werden“, um zu prüfen, was gegebenenfalls noch optimiert werden könne. „Uns ist daran gelegen, alle kostenrelevanten Ausgaben frühzeitig abbilden zu können“, betonte Meyer-Pfeffermann. Sie verwies zudem auf die Baukostensteigerung von etwa drei bis vier Prozent pro Jahr: „Die muss man im Gepäck haben.“ Rogge hob die enge Abstimmung mit der Fördermittelbehörde und dem Sozialministerium hervor. In Sachen Kosten verwies der HKK-Geschäftsführer auf die 200-Millionen-Euro-Vorgabe. „In diesem Rahmen diskutieren wir alles und wollen das Gesamtvolumen auf keinen Fall reißen.“ Einen Überblick über die Kosten werde es erst geben, wenn baugenehmigungsreife Planungen vorlägen.

Laut Projektmanager Uwe Drost sei bei Bauvorhaben dieser Art die Geschossfläche im Verhältnis zur Nutzfläche ein wichtiger Indikator. Und dieses Verhältnis sei beim Siegerentwurf „am allerbesten. Es ist das Modell, das zur Zeit als am kostengünstigsten definiert werden kann.“ Im weiteren Prozess werde es nun um die Feinabstimmungen und Verbesserungswünsche des Heidekreis-Klinikums gehen. Drost: „Das nach europäischem Recht notwendige Vergabeverfahren wird mit den notwendigen Bietergesprächen fortgeführt.“

In Abstimmung mit dem Landkreis wird nun geklärt, wo beziehungsweise wie Siegermodell und -pläne künftig unter Pandemiebedingungen öffentlich ausgestellt werden können, damit sich Interessierte selbst ein Bild machen können.

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