„Keiner soll verlorengehen“

Neue Jugendberufsagentur im Heidekreis soll Informationen vereinen

„Keiner soll verlorengehen“

„Was die Jugendlichen nicht hören wollen, ist ‚Du bist hier an der falschen Adresse‘“, betont Manfred Ostermann. Und genau damit trifft der Landrat den Kern des Projektes, das am vergangenen Dienstag in Bad Fallingbostel vorgestellt wurde: Die neue Jugendberufsagentur (JBA) im Heidekreis, die seit Schuljahrsbeginn ihre Arbeit aufgenommen und ihre Sprechstunden in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Soltau und Walsrode anbietet, soll keine Fragen offenlassen. Sie will Anlaufstelle für junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren in allen Fragen rund um Job, Beruf und Ausbildung sein.

Wie Ostermann berichtet, sei die Initiative für das Projekt von der Agentur für Arbeit Celle ausgegangen. Deren Geschäftsführer, Sven Rodewald, erläutert: „Uns soll kein Jugendlicher verlorengehen. Deshalb wollen wir sie mit einem niederschwelligen Angebot dort abholen, wo sie stehen.“ Ein Projekt, dessen Umsetzung einige Zeit gebraucht hat, denn dazu musste zunächst einiges unter einen Hut gebracht werden. Was auf den ersten Blick ganz einfach aussieht, ist es nämlich nicht: Um den Jugendlichen Antworten auf möglichst alle Fragen liefern zu können, ist eine sogenannte rechtskreisübergeifende Beratung nötig. Das heißt, eine Beratung, die nicht dort an ihre Grenzen stößt, wo die Kompetenzen des Beraters enden.

Und genau deshalb kooperieren in der JBA Jobcenter, Agentur für Arbeit und Jugendberufshilfe unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen“. Diese Einrichtungen sind bei den JBA-Terminen dann mit je einer Fachkraft vertreten und ersparen den jungen Leuten unter Umständen den wiederholten Gang zu verschiedenen Behörden. Entsprechend groß ist das Spektrum, das Ausbildungsvermittlung, Berufsorientierung, individuelle Beratung, Studienberatung, Hilfestellung bei persönlichen und familiären Problemen, Unterstützung bei der Suche nach Arbeitsplätzen und Aufzeigen von realistischen Bildungswegen umfasst. Wie Ralf Trosin, Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis Heidekreis, ergänzt, „sind diese Themen auch mit den schulischen Angeboten auf diesem Sektor vernetzt.“

Wahrnehmen können Interessierte dieses Angebot an den Berufsbilden Schulen. Das heißt aber nicht, dass sie auch BBS-Schüler sein müssen. Die BBS sind Anlaufstelle, die JBA ist für alle aus der genannten Altersgruppe offen: „Die Berufsbildenden Schulen stellen dazu extra Räume zur Verfügung. An den BBS in Soltau hat die JBA montags von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr Sprechstunde, in Walsrode dienstags zur selben Zeit. Darüber hinaus sind wir derzeit dabei, eine Homepage aufzubauen und eine kostenfreie Rufnummer einzurichten, über die die JBA dann täglich telefonisch erreichbar ist“, kündigt Martina Tödtmann, Prozesskoordinatorin des Heidekreises, an.

Für Gaby Tinnemeier, Leiterin der BBS Soltau, ist die JBA „das Ziel, auf das wir dreieinhalb Jahre hingearbeitet haben. Wir brauchen diese multiprofessionellen Teams, um zu lange Wege abzukürzen. Wir können zwar darüber stöhnen, dass manche Jugendliche da nicht so agil unterwegs sind, aber wir müssen uns dieses Problems annehmen.“

Auch André Kwiatkowski, Leiter der BBS Walsrode meint, „die Verzahnung der Rechtskreise ist ein Quantensprung.“ Er wünsche sich, dass durch die Zusammenarbeit der Behörden die Beratungssituation für die Schülerinnen und Schüler verbessert werde. Mit diesem Angebot sei der Landkreis Heidekreis „gut unterwegs“, auch was den Landesdurchschnitt solcher Leistungen betreffe.

Mit den schon bisher laufenden Berufsorientierungs- und -beratungsmaßnahmen, wie sie etwa durch die Agentur für Arbeit umgesetzt werden oder beispielsweise auch bei der Messe „Work & Life Heidekreis“ vom 19. bis 21. September in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel im Mittelpunkt stehen, und der neuen JBA versuchen die Beteiligten, möglichst alle Bereiche abzudecken. Und so meint denn auch Ostermann: „Die Entscheidung über ihren beruflichen Weg müssen die jungen Leute selbst treffen. Aber bis dahin sollen für sie keine Fragen offenbleiben.

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