„Krankenhaus ist ein ‚Anker‘ in der medizinischen Versorgung“

Sonderparteitag in Bad Fallingbostel: Kreis-SPD entwirft „Gesundheitskonzept 2025“

„Krankenhaus ist ein ‚Anker‘ in der medizinischen Versorgung“

„Seit 2006 bin ich nun Vorsitzender der Heidekreis-SPD, doch einen Sonderparteitag habe ich noch nicht erlebt“, so Lars Klingbeil. „Das zeigt, wie wichtig dieses Thema ist, das wir hier behandeln und das viele Menschen im Heidekreis berühren wird.“ Und mit dem Thema meinte der Kreisvorsitzende und SPD-Generalsekretär die Diskussion zum Neubau des Heidekreisklinikums. So nahm dieser Bereich, zu dem die Sozialdemokraten ein Positionspapier entwickelt haben, bei der Veranstaltung am vergangenen Freitagabend im Kursaal Bad Fallingbostel viel Raum ein. Neben dem Beschluß zu diesem „Gesundheitskonzept 2025 - Gesundheitsversorgung im Heidekreis zukunftsfest machen“ standen auf der Tagesordnung einige Nachwahlen zum Vorstand, und in seiner Rede ging Klingbeil außerdem auf die aktuelle Lage der SPD und deren laufenden Erneuerungsprozeß ein.

Bedeutende Umschwünge gebe es nicht nur im Heidekreis, sondern auch bei der SPD selbst und zwar auf Bundesebene, so Klingbeil. Er sprach von einem weitreichenden Umbau der Partei, einer organisatorischen und inhaltlichen Erneuerung. Nach einer Analyse, was falsch gelaufen sei, solle nun die Konzentration auf wichtige Themen folgen. Doch die Partei neu aufzustellen, „das dauert“, betonte der SPD-Generalsekretär. Im vergangenen Jahr sei die Partei auf der Suche nach neuen Schwerpunkten gewesen.

Als eines der wichtigen Themen sprach Klingbeil dabei die Grundrente an: „Diese wollen wir in Deutschland einführen, und wir sind froh, diesen Vorstoß gemacht zu haben“, hob der hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete hervor. Dabei gehe es keineswegs um „Almosen“, sondern um die Anerkennung von Lebensleistung. Außerdem müsse Hartz IV überwunden werden: „Es darf niemand aufgrund von längerer Arbeitslosigkeit aus seiner Wohnung fliegen.“ Ferner appellierte Klingbeil in Hinblick auf die im Mai bevorstehende Europawahl, daß es dabei darum gehe, ein Wertegerüst zu verteidigen, das andere einreißen wollten: „Es geht um viel: Wir werden Europa gegen Rechtspopulisten und Hetzer verteidigen müssen.“

Der Generalsekretär kam auch auf Reibungspunkte im Heidekreis zu sprechen: So wolle er darauf hinwirken, daß es keine Erdgasbohrungen in der Region geben solle, bis eindeutig nachgewiesen werden könne, daß damit verbundene Gesundheitsgefährdungen ausgeschlossen seinen: „Wir lehnen nicht die Erdgasförderung per se ab, aber der Schutz von Mensch und Natur hat oberste Priorität. Im Heidekreis darf es keine Ergasförderung geben, solange nicht geklärt ist, was im Nachbarlandkreis Rotenburg zu erhöhten Fallzahlen bei der Krebsrate geführt hat.“

Nach den Vorstandsnachwahlen, bei denen Aynur Coloan zur neuen Schriftführerin sowie Beate Heitmann und Marco Bussler zu Beisitzern gewählt wurden, ging es um das Hauptthema bei diesem Kreisparteitag, nämlich um das vom SPD-Unterbezirk Heidekreis gestaltetet Papier „Gesundheitskonzept 2025 - Gesundheitsversorgung im Heidekreis zukunftsfest machen“, das sich vor allem mit der Zusammenführung der beiden Häuser des Heidekreisklinikums und dem Neubau eines zentralen Krankenhauses befaßt: „Das ist das Thema, das in den vergangenen Jahren sicherlich am stärksten in der Kreispolitik diskutiert worden ist“, betonte Sebastian Zinke. Der SPD-Landtagsabgeordnete erinnerte zudem daran, daß die Prämisse dabei in den vergangenen Jahren gelautet habe, beide Standorte zu erhalten - „nun ist ein Umdenken erforderlich: Das Ziel ist eine gute medizinische Versorgung für alle Menschen im Heidekreis, egal, wo sie leben, ob in Lindwedel oder in Bispingen. Ein Krankenhaus ist dabei so etwas wie ein ‚Anker‘ in der medizinischen Versorgung. Einen solchen ‚Anker‘ brauchen wir und daher sollten wir die Chance zum Neubau eines zentralen Krankenhauses unbedingt ergreifen.“

Die Zusammenführung der Standorte der Heidekreisklinikums an geeigneter Stelle ist aber nur einer von insgesamt fünf Schwerpunkten, die im „Gesundheitskonzept 2025“ festgehalten sind: Darin geht es außerdem um Transparenz bei den dazu erforderlichen Prozessen, um die Einrichtung von Primärversorgungszentren für ambulante Behandlungen in Soltau und Walsrode als erweiterte Erstanlaufstellen sowie um die Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum durch digitale Technologien, nicht-ärztliches Personal und bessere Patientensteuerung und schließlich um Nachnutzungskonzepte für die heutigen Gebäude des Heidekreisklinikums. Das zentrale Krankenhaus solle „eine der modernsten Kliniken Norddeutschlands werden, so Zinke, und nur als solche können die Einrichtung entsprechende Kräfte aus verschiedenen Medizin-Bereichen anziehen. „Die Gesundheitswirtschaft ist im Heidekreis auch einer der größten hiesigen Wirtschaftszweige“, so der Landtagsabgeordnete. Die bisherigen Krankenhäuser in Soltau und Walsrode sollen zu Primärversorgungszentren umgestaltet werden: „Dort, wo heute Medizin angeboten wird, soll sie auch zukünftig angeboten werden - dann vielleicht auch in Form von Reha-Maßnahmen, Alten- oder Kurzzeitpflege.“

Mit einigen wenigen Änderungen wurde das Positionspapier, das vorab an alle Ortsvereine versandt worden war, schließlich mit einigen Enthaltungen gebilligt.

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