Landrat: „Corona ist noch nicht vorbei“

Ostermann gibt Überblick über die aktuelle Lage im Heidekreis

Landrat: „Corona ist noch nicht vorbei“

„Die Null muss stehen“ - das, was für erfolgshungrige Fußballmannschaften gilt, haben „Jogis Jungs“ am vergangenen Mittwochabend nicht in die Tat umsetzen können, duselte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im EM-Spiel gegen Ungarn doch mit Hängen und Würgen zu einem 2:2-Remis. Besser machte es da am folgenden Tag der Landkreis Heidekreis, allerdings auf einem ganz anderen Feld. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie vermeldete das Robert-Koch-Institut (RKI) für den Heidekreis eine 7-Tage-Inzidenz von „Null“. Das freut den „Teamchef“ des Heidekreises, Landrat Manfred Ostermann. In einem Pressegespräch im Bad Fallingbosteler Kreishaus zog er in Sachen Corona Bilanz. Und weil nicht nur er damit rechnet, dass die Pandemie in die Verlängerung gehen wird, gab er einen Überblick über den Stand der Dinge und die taktische Marschroute: „Es gibt Corona noch. Wir müssen alle gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die gute Inzidenz nicht wieder hochschnellt“, betonte Ostermann. Bundestrainer Löw hätte an seiner Stelle wohl „Högschde Dischziplin“ eingefordert.

Etwas verwundert zeigte sich Ostermann, dass das RKI bereits am Donnerstag eine solche Inzidenz vermeldet habe. „Nach unseren Berechnungen hätte es noch ein bis zwei Tage dauern müssen, bis dieser Wert erreicht ist“, so der Landrat. Offenbar werde beim Robert-Koch-Institut „anders gerechnet.“

Gerade bei der Fußball-EM sei zu sehen, dass sich etwas geändert habe: „Man sieht wieder Fußball mit Fans, die sehr eng beieinander sitzen. Das sind dann Szenen, wo ich mich manchmal noch erschrecke“, sagte der Landrat. Er warnte inständig davor, das Ganze zu schnell auf die leichte Schulter zu nehmen. Beim Landkreis habe sich der personelle Aufwand im Zuge der Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie „nur marginal verändert.“ Ostermann: „Wir machen weiterhin sehr intensive Kontaktverfolgung. Es gibt nach wie vor vier Scouts vom RKI, und wir haben auch weiterhin Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die Kontaktnachverfolgung machen - und machen müssen, zum Beispiel bei Reiserückkehrern.“ Zudem sei es wichtig, die gültigen Abstands- und Hygieneregeln weiterhin zu beachten. „Das gilt auch für das Tragen eines Mundschutzes“, betonte Ostermann. Auf dem Außengelände des Kreishauses gebe es zwar keine Maskenpflicht mehr, in den Räumen jedoch müsse weiterhin Mundschutz getragen werden.

Weiterhin ging der Landrat auf die 1.340 zusätzlichen Dosen des Impfstoffes „AstraZeneca“ ein, die das Impfzentrum im Heidekreis in Bad Fallingbostel aus einem Sonderkontingent des Landes Niedersachsen erhält (HK online berichtete). „Es ist ein Sonderangebot für unsere Bevölkerung und ich bitte darum, rege davon Gebrauch zu machen. Das entlastet auch unsere Arztpraxen“, konstatierte Ostermann: „Bislang ist die Nachfrage nicht sonderlich groß. Es sind erst rund 300 Interessierte, die nachgefragt haben.“ Der Impfstoff sei für Bürger im Alter ab 25 Jahren sowie ab 60 Jahren vorgesehen. Erstere erhielten den Pieks allerdings erst nach Aufklärung durch Ärzte. Geimpft werde am 1. und 2. Juli. Dieser Termin müsse gehalten werden, da die Heidmarkhalle, in der sich das Impfzentrum befinde, bislang nur bis zum 30. September angemietet sei. So sei die Zweitimpfung gesichert.

„Ob wir die Anmietung verlängern, ist noch nicht geklärt“, berichtete der Landrat. Es gelte, zunächst die Entscheidungen von Bund und Land abzuwarten. Der Verpächter habe bereits signalisiert, dass er bei Bedarf bereit wäre, die Vermietung bis zum Jahresende zu verlängern. Und wie ist die Lage im Impfzentrum? „Mit unseren vier Impfstraßen könnten wir pro Tag 1.000 Impfungen vornehmen. Es sind aber nur zwei geöffnet, denn wir bekommen zu wenig Impfstoff für Erstimpfungen“, berichtete Ostermann. Bei der Produktion laufe es nicht rund. Weiterhin betonte der Landrat, dass kein Impfstoff weggeworfen werde: „Bislang haben wir immer kurzfristig jemanden gefunden, falls jemand seinen Impftermin nicht wahrgenommen hat.“ Insgesamt gehe es im Impfzentrum weitaus ruhiger zu als in den ersten Tagen: „Die Hektik der Anfangszeit haben wir nicht mehr.“

Neu ist, dass Interessierte jetzt auch im Impfzentrum ihr digitales Impfzertifikat erhalten können. Dazu wurde laut Karsten Mahler, Fachbereichsleiter Ordnung, in der Ruhezone, in der die Geimpften 15 Minuten warten müssen, die Möglichkeit geschaffen, sich den „digitalen Impfpass“ auf das Mobiltelefon zu laden. „Die Besucher müssen also nicht mehr extra in die Apotheke gehen. Und im Impfzentrum ist kein weiteres Anstellen in einer Warteschlange nötig“, so Ostermann.

Immer wieder gibt es im Impfzentrum Anfragen von Eltern, die ihre Kinder impfen lassen wollen. Der Landkreis weist darauf hin, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 17 Jahren gibt, sondern nur für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit einem besonderen Risiko beziehungsweise einer Vorerkrankung. Weil bei der Schutzimpfung dieser ein Kinderarzt präsent sein muss, gibt es im Impfzentrum einen Aktionstag - und zwar am 10. Juli. Dazu sind Voranmeldungen erforderlich, die per E-Mail unter izhk@heidekreis.de entgegengenommen werden. Es muss eine ärztliche Bescheinigung vorliegen, zudem müssen Name, Vorname, Geburtstaum, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse angegeben werden.

„Aktuell gibt es keine Quarantänemaßnahmen in Schulen und Kitas im Landkreis, im Heidekreis-Klinikum gibt es auf der Intensivstation keine Corona-Patienten“, fasste Ostermann die Lage zusammen. „Die aktuelle Lage ist fantastisch“, pflichtete ihm Dr. Andreas Happersberger, Fachbereichsleiter Gesundheit, bei. Er rechne allerdings zum Herbst mit einem Anstieg der Zahlen, wobei die deutlich ansteckendere Delta-Variante wohl eine Rolle spielen werde. Inwieweit es eine weitere Welle geben wird, kann ich aber nicht seriös vorhersagen.“ Er rate auf jeden Fall allen Eltern schulpflichtiger Kinder, sich impfen zu lassen.

Ostermann abschließend: „Corona ist noch nicht vorbei, wir werden noch eine Weile damit zu tun haben und gegebenenfalls reagieren müssen. Das können wir - und das werden wir.“

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