Landratskandidaten trennen sich "unentschieden"

FDP präsentierte Podiumsdiskussion mit Amtsinhaber Ostermann und Herausforderer Grote im Kurhaus Bad Fallingbostel

Landratskandidaten trennen sich "unentschieden"

Parteien sind - wenig überraschend - parteiisch. Das liegt in der Natur der Sache. Und durchaus schließen sich politische Organisation auch zusammen, um bestimmte Ziele zu verwirklichen. Doch eine Partei hatte nicht Partei ergriffen, als sich die restlichen sich im Frühjahr formierten, um einen Kandidaten für das Landratsamt ins Rennen zu schicken: Jens Grote tritt am 12. September bei der Wahl um die Spitzenposition im Heidekreis an (HK berichtete) - und sowohl CDU, SPD und die Grünen als auch Bürgerunion (BU) Soltau und die Bürgerlisten aus Bad Fallingbostel und Walsrode stehen hinter ihm. In diesem Zusammenschluss fehlt: die FDP. „Der Devise ‚Hauptsache neu, egal wer‘ wollten wir uns nicht anschließen“, erinnert sich Tanja Kühne. Eine solch breite Front der Politik als „Frontalangriff“ in Richtung des Amtsinhabers Manfred Ostermann - „das war auch menschlich nicht in Ordnung“, so die Kreis- und Fraktionsvorsitzende der FDP. Die wollte den neuen Kandidaten erst besser kennenlernen, bei ihm einige eigene Themen „abklopfen“. So hatten die Liberalen - quasi „frei und unparteiisch“ - beide Kandidaten einladen können zu einer Podiumsdiskussion, bei der es am Schluss keinen eindeutigen Sieger gab.

Das Ergebnis am Ende gleich vorweg: „Unentschieden,“ resümiert Kühne im Anschluss an die Veranstaltung. „Amtsinhaber Manfred Ostermann konnte mit seiner Erfahrenheit punkten, Herausforderer Jens Grote durch seine bereits gute Einarbeitung und progressive Forderungen bei den vorgestellten Themen“, so die FDP-Kreisvorsitzende.

Es war die erste öffentliche Zusammenkunft der beiden Kandidaten für das Landratsamt - und die verfolgten in der vergangenen Woche rund 50 Gäste im Kursaal in Bad Fallingbostel: Da sich die FDP nicht dem Grote-Bündnis angeschlossen habe, „konnten wir hierzu gewissermaßen neutral einladen, wollten aber auch verschiedene ‚Prüfsteine‘ aus dem Themenkatalog der Freien Demokraten anbringen“, so Kühne.

Sie und Kreisgeschäftsführer Cord-Heinrich Kröger hatten die Kontrahenten anhand ihrer „liberalen Qualitäten“ bei der Podiumsdiskussion auf Inhalte geprüft. Neben der zukünftigen Schulpolitik ging es um Arbeitsmarkt, Fachkräftemangel, Mobilität im ländlichen Raum, bürgerlichen Umwelt- und Klimaschutz, Land- und Forstwirtschaft, Katastrophenschutz und Digitalisierung der Verwaltung.

„Während sich die Liberalen für eine Stärkung des gymnasialen Zweiges in Walsrode und die zügige Sanierung der Oberschule in Bomlitz aussprechen und eine IGS als nicht durchführbar halten, sprach sich Ostermann für die Einrichtung der Integrativen Gesamtschule aus. Grote wies darauf hin, dass zunächst die Studie über die Schulstruktur im südlichen Heidekreis abgewartet werden sollte, ehe eine Entscheidung getroffen werde“, so Kühne. Und weiter: „Die gewünschte Verzahnung der Liberalen, den Ausbau der Berufsbildenden Schulen enger mit der Wirtschaft zu verknüpfen und mehr am Bedarf des Arbeitsmarktes auszurichten, unterstützte Grote, während Landrat Ostermann auf den gesamten Schulentwicklungsplan und auf sich jährlich ändernde Prioritäten aus der Praxis verwies.“

Beim hochkomplexen Thema Umwelt- und Klimaschutz, eng verbunden mit der Land- und Forstwirtschaft, möchten die Freien Demokraten ein gemeinsames Agieren auf Grundlage eines überarbeiteten Integrativen Klimaschutzkonzeptes: „Hier sollen alle Akteure gemeinsam an einen Tisch, Handlungen aus den Empfehlungen des Konzeptes herausarbeiten und umsetzen“, fordert die Kreisvorsitzende. Ostermann verwies darauf, dass Klimaschutz nicht auf Basis des vor sieben Jahren verabschiedeten Konzeptes umgesetzt werde, sondern dass es hier selbstverständlich Weiterentwicklungen gebe. Der FDP-Forderung nach Offenlegung der Managementpläne der Schutzgebietsausweisungen erteilte Ostermann den Liberalen eine Absage: Diese würden nah an den Naturnutzern erarbeitet und niemand solle mit Maßnahmen überrascht werden. Grote wiederum wolle Waldflächen stilllegen und mit Ausgleichszahlungen kompensieren.

Eine weitere Forderungen der Liberalen besonders im Katastrophenschutz: Aufgrund der Ereignisse der vergangenen beiden Jahre, der Bewältigung der Corona-Pandemie und des Hochwassers in Ahrweiler solle das zum als Anlass genommen werden, den kompletten Katastrophenschutz im Heidekreis auf den Prüfstand zu nehmen. „Hier wurde die Debatte hitzig“, so Kühne: „Ostermann relativierte, man sei gut gerüstet und für Hochwasser sei eine Übung geplant. Deren Vorbereitung dauere allerdings ein bis zu eineinhalb Jahre. Grote möchte das Landratsamt als Katastrophenschutzleiter herausstellen und zur Chefsache machen, was Ostermann aus der Praxis relativierte: Der Kreisrat sei der Leiter und der Landrat müsse schließlich auf dem Deich Rede und Antwort stehen.“

Nach dieser ersten Podiumsdiskussion werden bis zum Entscheidungstag am 12. September noch weitere folgen. Die Wähler im Heidekreis haben also noch weitere Gelegenheiten, die beiden Landratskandidaten kennenzulernen und sich zu entscheiden, wem sie ihre Stimme geben. Für die Kreis-FDP steht nach dem „Unentschieden“ der ersten Runde jedenfalls fest: Sie werde sich den Grote-Unterstützer-Parteien auch jetzt nicht anschließen, so die Vorsitzende.

„Das soll keineswegs heißen, dass wir keine Kritikpunkte beim Amtsinhaber haben, und wir sind durchaus nicht mit allem einverstanden, was der derzeitige Landrat macht“, so Kühne. Aber sie stellt nochmals in Frage, ob es richtig gewesen sei, einen Gegenkandidaten quasi „aus dem Hut gezaubert“ zu haben. Ein „Neuer“ könne auch nicht einfach so alles richten, was bisher nicht laufe, meint die FDP-Vorsitzende: „Es ist ja nicht so: Der Landrat macht, und wir laufen politisch hinterher. So funktioniert das ganze nun einmal nicht - und dann könnten wir den Kreistag auch gleich abschaffen.“

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