Luca-App für ein Ende der Zettelwirtschaft

Verschlüsselte Datenübermittlung kann Kontaktverfolgung vereinfachen

Luca-App für ein Ende der Zettelwirtschaft

Mehrere Punkte standen jetzt beim Pressegespräch des Landkreises Heidekreis in Bad Fallingbostel auf dem Plan - und bei allen drehte es sich, wie könnte es anders sein, um das Thema Corona: So waren sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister einig, die Pläne einer Modellregion für Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen fallenzulassen. „Angesichts aktuell steigender Inzidenzzahlen halten wir das einfach nicht für ein gutes Signal“, fasst Manfred Ostermann zusammen. Für den Fall späterer Lockerungen sieht der Landrat in der Luca-App aber eine Chance, die Kontaktnachverfolgung zu vereinfachen - ein (digitaler) Weg, den auch die Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHG) Soltau gehen möchte. Ferner ruft Ostermann die Bevölkerung dazu auf: „Nutzen Sie die kostenfreien Schnelltestmöglichkeiten.“

Nach einem Tiefststand von zeitweise unter 18 ist die Sieben-Tage-Inzidenz in den vergangenen Wochen wieder stetig gestiegen. Ab 100 seien wieder Schritte nötig, „wir müssten erneut die Läden schließen“, so der Landrat. Ab einer Inzidenz über 200 an drei Tagen in Folge wäre ab dem vierten Tag sogar eine Ausgangssperre die Folge, ergänzt Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring. Aber von solch hohen Werten und drastischen Maßnahmen sei der Heidekreis glücklicherweise momentan noch weit entfernt, so Ostermann. Und er hofft, dass es auch so bleibt: „Ich habe keinen Bock, Ausgangssperren zu verhängen.“ Aktuell lasse die Situation einfach keinen Raum für Lockerungen. Auch nach der ersten Euphorie für eine anfänglich von vielen Stellen befürwortete Teilnahme an einem dreiwöchigen Modellversuch seien sich alle am Ende einig gewesen: Man werde die Idee der Modellregion nicht weiterverfolgen, so der Landrat, „schweren Herzens haben wir schließlich Abstand davon genommen.“ Der Schritt sei in einer Videokonferenz mit den elf kommunalen Hauptverwaltungsbeamten einstimmig beschlossen worden, fügt Spöring hinzu. Somit bewerbe sich aus dem Landkreis keine Kommune um eine Teilnahme am Modellprojekt, so Ostermann, „wir wollen alles dafür tun, dass der Wert im Heidekreis unter 100 bleibt. Das Virus macht nun einmal an keiner Stadtgrenze Halt.“

Auch die veränderten Virusformen haben sich bereits über die Ortsgrenzen hinweg verbreitet. So sei bei den Neuinfektionen mittlerweile fast ausschließlich die Corona-Mutation B.1.1.7 „in Umlauf“, erläutert Dr. Andreas Happersberger: „Die hochansteckende Variante, die auch vermehrt zu schwereren Krankheitsverläufen bei jüngeren Menschen führen kann, hat sich im Heidekreis durchgesetzt“, so der Amtsarzt. „Auch vor diesem Hintergrund kann ich nur von jedweden Lockerungen abraten.“

Der Landkreis will nun seine Teststrategie weiter ausbauen, neben den bereits vorhandenen Testzentren in Schneeheide und Soltau zwei weitere schaffen (Infos zu Standorten unter www.heidekreis.de): Sogenannte Schnelltestmobilzentren, in denen die Bürger im Auto sitzenbleiben und für den Test einfach das Seitenfenster öffnen, sollen laut Landrat in den kommenden 14 Tagen auf den Parkplätzen von „famila“ in Munster und „Kaufland“ in Walsrode entstehen. „750 Testungen pro Standort sollen dort täglich möglich sein.“ Ferner böten schon jetzt mehrere Apotheken und Arzt-Praxen im Landkreis kostenfreie Schnelltestmöglichkeiten an. Ostermanns Appell an die Heidjer: „Machen Sie davon Gebrauch.“

Mehr Verwendung finden, das wünschen sich Landkreis und IHG, soll auch die Luca-App, die demnächst im Heidekreis eingeführt wird. Sie soll die handschriftliche Listeneintragung von Kunden in Handel und Gastronomie ersetzen. Nutzer müssen sich nach der Installation nur einmal registrieren, teilnehmende Unternehmen wie Geschäfte, Gastronomen oder Veranstalter halten einen Code zum Abscannen bereit. Ab dann kann die Anmeldung am Eingang über die schnelle Smartphone-Anwendung erfolgen. „Damit kann bei den Betrieben die Zettelwirtschaft ‚eingedampft‘ werden“, so Ostermann.

Das Land Niedersachsen habe am 26. März einen Vertrag zur landesweiten Nutzung der App abgeschlossen, erklärt Frank Patzlee. Im Laufe des Aprils soll die digitale Kontakterfassung auch im Heidekreis in die Systeme integriert werden, so der Landkreismitarbeiter der Fachgruppe Informationstechnik weiter. „Das Gesundheitsamt kann Daten dann in sein System importieren.“ Gleichzeitig seien alle Daten verschlüsselt und somit geschützt, hebt Happersberger hervor: „Die App ist ein wichtiger Baustein, der helfen kann.“

Das sehen auch Annegret Bauer und Hans-Jürgen Lange von der IHG so: „Luca ist ein gutes Puzzelstück für eine langfristige Strategie. Denn die Pandemie wird 2021 und auch 2022 nicht plötzlich vorbei sein“, so Lange. Der IHG-Vorsitzende sieht die App nicht allein als Werkzeug für den Handel, „sondern wir sind ja außerdem eine touristische Region. Luca könnte ein ganzheitliches Konzept werden, um wieder Gäste zu empfangen.“ Somit sei die App auch bestens geeignet für die hiesigen Freizeitparks und Campingplätze, fügt Bauer hinzu. Das System könnte wieder für mehr Freiheit und Vertrauen sorgen, hofft Lange, und zwar bei Bürgern und Regierung: „Die Politik muss auch mal wieder lernen, den Bürgern zu vertrauen.“

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