„Wir können uns keine Corona-Partys leisten“

Landkreis Heidekreis bereitet sich auf weitere Verschärfungen vor

„Wir können uns keine Corona-Partys leisten“

Bereits seit drei Tagen wird ein Sitzungssaal im Bad Fallingbosteler Kreishaus als Zentrale für den Katastrophenstab hergerichtet. Der Landkreis will im Vorfeld das Nötige für den möglichen Katastrophenfall in der Coronakrise getan haben. „Auch auf eine Ausgangssperre bereiten wir uns vor“, betont Manfred Ostermann am heutigen Freitagmittag. Lieber wäre es dem Landrat, wenn es nicht soweit käme. Er appelliert deshalb noch einmal an die Bürgerinnen und Bürger: „ Die Bevölkerung sollte dem Appell der Kanzlerin folgen und soziale Kontakte möglichst vermeiden. Wir können uns keine Corona-Partys leisten.“

Derzeit scheint die Situation im Heidekreis noch nicht ganz so prekär wie andernorts: „Wir haben bisher nur vier bestätigte Coronafälle und noch keine Intensiveinweisung, also noch keinen stationären Coronafall. Alle Patienten befinden sich zu Hause in Quarantäne“, so der Landrat zum Stand vom heutigen Freitagmittag. Derzeit gibt es ein Corona-Testzentrum im Heidekreis-Klinikum (HKK) in Walsrode. Ob es weitere geben werde, sei Sache der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Dazu gebe es Montag ein Treffen. Es stelle sich dabei aber die generelle Frage, woher das dazu nötige medizinische Personal kommen solle.

Coronatests etwa auch in Rathäusern anzubieten, wie von manchen angefragt, sei nicht umsetzbar, weil medizinisch zu aufwendig. Prinzipiell sei es ohnehin nicht sinnvoll, flächendeckend zu testen: „Wer eben noch ein gutes Ergebnis bekommen hat, könnte sich kurz danach dennoch infizieren“, so der Landrat.

Sinnvoll ist es da eher, sich an die Vorgaben zu halten: Damit das Virus in seiner Verbreitung verlangsamt wird, ruft Ostermann die Heidjer und Heidjerinnen dazu auf, am Wochenende zu Hause zu bleiben, bestenfalls zum Einkaufen rauszugehen und Abstand zu anderen zu halten. Die Lage sei ernst, und wenn die Menschen die notwendigen Verhaltensregeln ignorierten, „dann wird von oben eine Ausgangssperre angeordnet“, so der Landrat. Auch den Katastrophenfall will Ostermann künftig nicht ausschließen, „zur Zeit gibt es dafür aber keine Veranlassung.“

Derzeit laufe die Arbeit in der Kreisverwaltung, aber auch in den Rathäusern normal weiter, so der Landrat, der sich am heutigen Vormittag mit den Bürgermeistern aus dem Heidekreis, Vertretern der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis und Gesundheitsamt getroffen hat. Gewisse Einschränkungen gibt es aber durchaus, insbesondere, was den Publikumsverkehr betrifft, der im wesentlichen eingestellt worden ist. So ist beispielsweise die Zulassungsstelle in Soltau geschlossen, in Bad Fallingbostel aber weiterhin geöffnet. Wer dort warten muss, tut dies außerhalb des Gebäudes. Damit er dabei nicht im Regen steht, gibt es ein provisorisches Zeltdach.

Auch in den Rathäusern gehe der Dienst weiter. Dort gebe es allerdings von Kommune zu Kommune verschiedene Regelungen. Bürger, die etwas bei der Verwaltung zu erledigen hätten, sollten sich deshalb zuvor erst einmal auf der Homepage der Stadt oder Gemeinde informieren.

Wie der Landrat weiter betont, sei der Landkreis auf alles vorbereitet, und beim Gesundheitsamt laufe es ebenfalls alles rund. Auch bei der Polizei sei bisher alles im grünen Bereich. Nach Angaben von PI-Leiter Stefan Sengel, so Ostermann, gebe es auch keine personellen Engpässe.

Damit die Kreisverwaltung stets auf dem neuesten Stand ist, trifft sich täglich um 12 Uhr der Corona-Krisenstab, der aus Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern besteht. Er wertet die allgemeine Lage aus und nimmt Dinge mit in die Fachgruppen, die dort vorbereitet werden müssen. Sollte tatsächlich der Fall eintreten, dass ein Katastrophenstab einberufen werden müsste, so sähe der ganz anders aus. Ihm würden verschiedene Experten angehören, die dann - aufgeteilt in drei Schichten - 24 Stunden rund um die Uhr im Einsatz wären. Auch die Aufgaben wären andere: „Im Katastrophenfall könnte der Landkreis über alles verfügen und das öffentlichen Leben regeln“, so der Landrat.

Auch wenn es noch nicht soweit sei, bereite sich der Landkreis, wie gesagt, behutsam auf Ausgangssperre und Katastrophenfall vor. Und so redet Ostermann noch einmal den Heidjern ins Gewissen: „Die Lage sollte wirklich ernstgenommen werden.“

Mit Blick auf die derzeitige und künftige Situation appelliert der Landkreis auch an Fachleute: Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal, die derzeit frei verfügbar sind und helfen möchten, können sich beim Landkreis unter info@heidekreis.de melden. Dabei könnte es beispielsweise um das HKK gehen, das mit Blick auf ein größeres Szenario Betten in Soltau und Walsrode vorbereitet.

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