Zinke und Colpan bilden Doppelspitze

SPD-Kreisparteitag: Keine erneute Kandidatur von Lars Klingbeil

Zinke und Colpan bilden Doppelspitze

Schon Ende Februar hatte Lars Klingbeil der Presse gegenüber wichtige Veränderungen im SPD-Kreisvorstand angkündigt. Die blieben coronabedingt dann allerdings zunächst aus. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Beim nachgeholten SPD-Kreisparteitag am vergangenen Sonnabend in Bad Fallingbostel kandidierte Klingbeil nicht erneut für den Kreisvorsitz. Statt dessen kürten die Genossinnen und Genossen erstmals eine Doppelspitze: Gleichberechtigte Vorsitzende sind jetzt Sebastian Zinke und Aynur Colpan.

„Den ganzen Heidekreis im Blick“ - unter diesem Motto stand der Kreisparteitag und bildete damit quasi einen Gegenentwurf zur derzeit spaltenden Debatte über den neuen HKK-Standort. Darauf kam auch Klingbeil noch zu sprechen.

Da er demnächst als SPD-Generalsekretär den Bundestagswahlkampf von Kanzlerlandidat Olaf Scholz organisiert, hatte der Mun­steraner nicht erneut kandidiert. Nach 14 Jahren an der Spitze wandte sich der scheidende Vorsitzende aber noch einmal deutlich an die Kreis-SPD, was die Sozialdemokraten mit stehenden Ovationen quittierten. Dabei ließ er nicht nur die Erfolge der vergangenen Jahre Revue passieren, sondern redete den Genossinnen und Genossen auch ins Gewissen: „Wir machen Politik, weil wir Dinge verändern wollen, und nicht, weil wir gefallen oder uns wohlfühlen wollen. Dazu müssen wir sagen, was wir wollen und dass wir Macht haben wollen.“ Das bedeute auch, Verantwortung zu übernehmen: „Verantwortung ist nicht einfach, führt aber dazu, dass man Entscheidungen treffen kann. Das gilt auch für das Heidekreis-Klinikum (HKK).“

Aus seiner Sicht seien die Argumente für einen neuen HKK-Standort in Bad Fallingbostel (F4) richtig: „Wir respektieren aber auch andere Meinungen“, so Klingbeil. Das wichtige Ziel sei die optimale Sicherstellung der Gesundheitsversorgung mit einem modernsten Krankenhaus. In diesem Zusammenhang berief sich Klingbeil auf die Gutachten und die demokratische Kreistagsentscheidung für F4: „Damit dies akzeptiert wird, müssen wir dazu stehen.“ Die SPD sei die einzige politische Kraft, die dies geschlossen tue. Hier sieht Klingbeil vor allem Landrat Manfred Ostermann in der Pflicht. Die SPD erwarte, dass sich der Landrat, der bisher nicht genügend informiert habe, jeden Tag für diesen Kreistagsbeschluss einsetze: „Wir werden das genau beobachten.“

Die Auseinandersetzung um den HKK-Standort hatte bekanntermaßen zu einem Bürgerbegehren für einen Standort bei Dorfmark geführt, das mehr als 12.000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid zusammengetragen hat. Letzterer könnte im Januar auf dem Programm stehen.

Wie Zinke meinte, sei diese Debatte nicht isoliert zu sehen: „Die Standortentscheidung wird von einigen als Entscheidung zu Lasten eines Teils des Heidekreises gewertet.“ Ein solches Misstrauen untereinander aber hemme die Entwicklung im Heidekreis. Es gebe noch immer Leute, die meinten, der Landkreis werde wieder getrennt - wie vor der Kreisreform 1977 mit den Landkreisen Soltau und Fallingbostel. Aber, so Zinke: „Das wird so nicht passieren. Entweder bleibt der Heidekreis erhalten - und dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen. Oder seine Teile werden Regionen zugeschlagen, wobei wir dann immer an der Peripherie lägen.“

So werde sich die SPD nicht nur weiterhin für das neue HKK am Standort F4 einsetzen, sondern auch insgesamt für einen stärkeren Zusammenhalt im Heidekreis. Mit Blick auf diese Herausforderung kündigte Zinke für das kommende Jahr unter dem Titel „HeidekreisDialog“ zunächst einen Heidekreis-Kongress und weitere Aktivitäten an.

So einig sich die Genossen bei diesen Themen waren, so geschlossen zeigten sie sich auch bei der Wahl ihrer neuen Führungsriege. Eine wirkliche Überraschung war die Doppelspitze dabei allerdings nicht: Schon Ende Februar hatte Klingbeil Zinke und Colpan als Wunschkandidaten genannt.

Zinke ist im Heidekreis schon lange kein Unbekannter: Der 39jährige Benefelder, von Beruf Volljurist im Polizeivollzugsdienst, ist seit 2017 Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Walsrode, gehört dem Walsroder Rat an und ist Kreistagsfraktionsvorsitzender. Aynur Colpan kommt aus Buchholz/Aller und arbeitet bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Hamburg. Die 30jährige, seit 2011 in der SPD, ist stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins Schwarmstedt, Ratsmitglied der Gemeinde Buchholz und war bisher als Schriftführerin im Kreisvorstand. Zinke erhielt 61 von 63 gültigen Stimmen, Colpan 60.

Weiter wurden in den Vorstand gewählt: die stellvertretenden Vorsitzenden Tatjana Bautsch (Schneverdingen) und Stephanie Havemann (Bad Fallingbostel), Finanzverantwortlicher Detlef Rogosch (Munster) und Schriftführer Birhat Kaçar (Soltau) sowie die Beisitzer Cornelia Baden (Bispingen), Gernot Bäßmann (Ahlden), Christian Frost (Soltau), Wolfgang Hawranke (Soltau), Marcel Kirschner (Walsrode), Isabelle Lohrengel (Walsrode)und Jan-Jonas Pagels (Walsrode).

Im Heidekreis gehören der SPD mit Stand vom 31. Dezember 2019 insgesamt 829 SPD-Mitglieder an, davon 555 Männer und 274 Frauen.

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