Sandmänner, „Schwalben“ und auf dem Trabi liegt Goldstaub

Ostalgie am 3. Oktober: Behringerinnen organisieren „Trabant & IFA-Treffen“ / Erlös geht an das Kinderhospiz „Sternenbrücke“

Sandmänner, „Schwalben“ und auf dem Trabi liegt Goldstaub

„Go Trabi Go“ - so heißt eine deutsche Komödie aus dem Jahr 1991, in der eine illustre Riege bekannter Schauspieler und Künstler mitwirkte. Der eigentliche Star des Films war allerdings ein himmelblauer Trabant namens „Schorsch“, der unter anderem in München, Rom und Neapel in Szene gesetzt wurde. Der Film kam bei den Kritikern damals weniger gut an, war aber als einer der ersten Streifen über die Wendezeit damals ein Erfolg sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern. Seitdem sind viele Jahre ins Land gegangen - und inzwischen gilt es wieder als „cool“ eine der ab 1957 in der DDR gebauten „Rennpappen“ der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau zu fahren. Auch Ellen Biermann aus Behringen nennt ein Exemplar ihr eigen. Zu ihrem Trabi werden sich am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, weitere zwei- und vierrädrige Fahrzeuge gesellen, denn dann laden sie und Daniela Schenk zum „Trabant & IFA-Treffen“ nach Behringen ein. Um die 80 Anmeldungen liegen bereits vor - und die beiden Frauen freuen sich auf Gäste aus nah und fern, die unter anderem mit Simson-„Schwalben“ aus fernen Gefilden „einfliegen“ werden. Das Ganze dient zudem einem guten Zweck, soll der Erlös der Veranstaltung doch an das Kinderhospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg-Rissen gehen.

Ellen Biermann ist 44 Jahre alt und in Gardelegen in Sachsen-Anhalt geboren, die 43-jährige Daniela Schenk stammt aus Bad Frankenhausen in Thüringen. Seit 2013 leben sie in Behringen, haben 2015 ein Grundstück gekauft und arbeiten seitdem daran, Haus und Garten nach eigenen Wünschen umzugestalten. Auf diesem privaten Grundstück findet nun das „Trabant & IFA-Treffen“ statt. Es ist nicht das erste, „aber sicher unsere bis jetzt größte Veranstaltung“, berichtet Biermann. Das Treffen ist nicht öffentlich, zumal aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin schon umfangreiche Auflagen zu beachten sind. „Natürlich werden 3G-Regel und weitere erforderliche Maßnahmen eingehalten“, so Biermann. Zudem hat sie um vorherige Anmeldungen gebeten und einen Zeitplan aufgestellt, so dass die Gäste zu verschiedenen Uhrzeiten kommen und gehen, damit es auf dem Grundstück nicht zu voll wird.

„Wir erwarten eine große Gruppe aus Hamburg und unter anderem auch Gäste aus Lübeck, Winsen/Luhe, Tostedt und Sachsen-Anhalt“, so die 44-jährige: „Es kann mit 60 bis 70 Mopeds gerechnet werden. Darüber hinaus wird der eine oder andere Trabi erwartet - und mit viel Glück wird auch ein Wartburg dasein, wenn er denn TÜV bekommen sollte“, berichtet die Organisatorin.

Als Tochter eines Tischlermeisters liegt ihr das Handwerken und „Schrauben“ im Blut. Sie hat Freude daran, Haus und Hof nach eigenem Gutdünken umzugestalten. Ein gutes Beispiel ist die mit Liebe zum Detail gestaltete Beach-Bar im Garten. Und Biermann mag die Welt der „Schrauber“, die „Benzingespräche“, das Fachsimpeln über Ersatzteile und Technik. Zudem machen sie und Daniela Schenk gern Ausflüge mit der blauen „Schwalbe“ und dem ebenfalls blauen Simson-Motorrad. Die beiden Zweiräder haben längst Kult-Charakter, ebenso der Trabi, Baujahr 1989, der ebenfalls zum Fuhrpark der Behringerinnen gehört und - wie sollte es anders sein - in schmuckem Blau auf dem Hof steht. „Ich fahre total gern mit dem Trabi. Die Leute schauen, es gibt großes Interesse. Hier im Dorf kennen ihn die meisten schon, aber es sind ja auch viele Touristen hier, die mich dann ansprechen und viele Fragen haben“, berichtet die Behringerin. Außerdem seien die Fahrzeuge aus der früheren DDR einfach zu reparieren - „und es macht einfach Spaß, sie zu fahren.“

Diesem Hobby haben sich auch andere verschrieben - und da liegt es natürlich nahe, dass Gleichgesinnte zusammenkommen, um sich auszutauschen. „Bei uns hat das alles mit einer kleinen Trabi-Gruppe über ‚WhatsApp‘ angefangen. Da hat dann jemand gefragt, was wir eigentlich am 3. Oktober machen wollen. Ich habe dann angeboten, dass wir uns bei uns zum Grillen treffen können. Seitdem kommt die Truppe immer wieder zusammen - und es werden immer mehr“, berichtet Biermann. Von Beginn an wurde bei den Treffen etwas für gute Zwecke gemacht, der Erlös an karitative Einrichtungen gespendet. Und diese gute Tradition wollen die Initiatorinnen auch in diesem Jahr fortführen. Bratwurst, Kuchen, Kaffee und Softgetränke werden den Besucherinnen und Besuchern für jeweils nur einen Euro angeboten. Damit für das Kinder Kinderhospiz „Sternenbrücke“ genug zusammenkommt, haben sich Biermann und Schenk in Bispingen und Behringen um Sponsoren bemüht - und dabei diesmal offene Türen eingerannt, wie die „Schrauberin“ freudestrahlend berichtet. Da gebe es Unterstützung vom Bäcker bis hin zum Fleischer - viele Betriebe und Unternehmen sponserten das Ganze. „Ich hoffe, dass wir um die 800 Euro für das Kinderhospiz zusammenbekommen“, betont Biermann.

Über die ihnen unter die Arme greifenden Sponsoren freuen sich die Organisatorinnen riesig: „Anfangs war das Interesse verhalten - und jetzt hilft uns fast der ganze Ort. Wir wollen den Leuten zeigen, dass man aus einer kleinen Idee etwas Großes, etwas Erfreuliches machen kann. Und das hat sich herumgesprochen. Wir hatten noch nie soviel Unterstützung, deshalb bin ich diesmal auch etwas aufgeregt“, gibt Biermann zu. Auch räumt sie lächelnd ein, dass sie, in der früheren Deutschen Demokratischen Republik geboren, durchaus Freude an der Ostalgie hat, was auch auf Daniela Schenk zutrifft. Beide sammeln so ziemlich alles, was aus „dem Osten“ kommt - von original Sandmann-Figuren über Spielzeug bis hin zu Dokumenten.

Ganz besonders in Herz geschlossen haben die Frauen allerdings die Fortbewegungsmittel aus der DDR. Es sei kein Wunder, dass der Wert der „Rennpappen“ und auch der Zweiräder stetig steige. Biermann: „Ein Freund sagt derzeit immer: Im Moment liegt auf dem Trabi Goldstaub.“

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