Grüner Strom aus gammligem Gemüse

Erster Spatenstich für Bioabfall-Vergärungsanlage in Benefeld

Grüner Strom aus gammligem Gemüse

Wenn einmal alles fertig ist, dann soll die Anlage in der Walsroder Ortschaft Benefeld Strom liefern - grünen Strom, denn die Basis für dessen Produktion soll der Inhalt der braunen Biotonnen sein. Doch ganz soweit ist es noch nicht, denn die Bioabfall-Vergärungsanlage muss, wie gesagt, erst einmal gebaut werden. Das Signal dafür gaben die Projektpartner am vergangenen Donnerstag mit dem symbolischen ersten Spatenstich.

Wohl dem, der Gummistiefel trug, denn das Regenwetter hatte für „erschwerte Bedingungen“ auf der Baustelle gesorgt. Nichtsdestotrotz zeigten sich auch die Teilnehmer in Straßenschuhen durchaus erfreut, denn der Anlass sorgte offenbar für gute Laune. So eröffnete Landrat Manfred Ostermann den Reigen der Redner mit einem Lob: „Dies ist ein idealer, wenn auch - wegen des Verkehrs - nicht ganz unumstrittener Standort.“ Selbiger liegt im neuen Energie- und Umweltpark, nördlich des Benefelder Gewerbegebietes Bayershof - gleich gegenüber der Kompostanlage.

Dem dortigen ersten Spatenstich, so Ostermann, sei ein schwieriger Anfang vorausgegangen, denn schon 2014 habe es Überlegungen der Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK) für ein solches Vorhaben gegeben. Und AHK-Vorstand Helmut Schäfer ging noch weiter zurück: „Schon 2006/7 hatten wir den Wunsch, mit dem Gas aus Bioabfällen Fahrzeuge zu betreiben. Wir waren damals allerdings durch Verwertungsverträge anderweitig gebunden.“

Das ist offensichtlich nicht mehr der Fall. Jetzt, so der Landrat, gehe es darum, Bioabfall besser auszunutzen und für die Bevölkerung Entsorgungssicherheit für Bioabfälle zu gewährleisten: „Für uns stellte sich dabei aber die Frage, ob sich eine solche Bioabfall-Vergärungsanlage von der Auslastung her lohnen würde.“ Allein mit dem Aufkommen aus dem Heidekreis eher weniger, deshalb ist der Landkreis Diepholz, Kooperationspartner bei der Abfallbehandlung, auch hier mit im Boot: 25.000 Tonnen umfasst die jährliche Kapazität der Anlage, 13.000 Tonnen werden im Heidekreis gesammelt, weitere 6.000 sollen aus dem Landkreis Diepholz kommen. „Dann haben wir eine gute Auslastung und noch immer eine ausreichende Reserve für die Zukunft“, so Ostermann.

Bevor diese Planungen umgesetzt werden können, müssen allerdings erst einmal die Bauarbeiter zur Sache gehen: Errichtet wird die Anlage durch die Bioabfallverwertung Heidekreis GmbH (BVH). Dabei handelt es sich um eine gemeinsame gemischtwirtschaftliche Gesellschaft der AHK (zu 51 Prozent) und der „Kompotec Kompostierungsanlagen GmbH“ (zu 49 Prozent), einer Tochtergesellschaft der Eggers­mann-­Gruppe. Das Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh hatte 2019 die europaweite Ausschreibung für dieses Projekt gewonnen, denn, so Ostermann, „die Abfallwirtschaft Heidekreis sollte dies nicht allein, sondern gemeinsam mit einem erfahrenen Partner machen.“

Eggersmann sei ein Betrieb in Familienhand, der ursprünglich Bauunternehmen gewesen sei, so Geschäftsführer Karlgünter Eggersmann, „1992 aber in die Kompostierung gegangen ist.“ Mit der Tochter Kompotec „stellen wir die Anlagen selbst her, betreiben sie und bringen so das Know-how ein.“ Benefeld sei für das Unternehmen der fünfte Standort dieser Art.

Errichtet werden soll in den kommenden Monaten eine Bioabfall-Vergärungsanlage nach dem BEKON-Verfahren (spezielles Vergärungsverfahren) mit fünf Trockenfermentern und drei Rottetunneln. Von der Anlieferung der Abfälle bis zur Intensivrotte erfolgt alles in einem gekapselten beziehungsweise geschlossenen Verfahren. Die gesamte Abluft der Anlage wird zweistufig gereinigt. Die Anlage erfüllt die Anforderungen der Bioabfallverordnung an eine seuchen- und pflanzenhygienisch unbedenkliche Behandlung von Bioabfällen. Nach der Intensivrotte werden die bereits hygienisierten Abfälle (Frischkompost) zu Fertigkompost verarbeitet. Dieses Nachrotteverfahren läuft auf den Kompostanlagen in Benefeld, also direkt gegenüber, und in Alvern, die als Subunternehmer der Firma Kompotec in das Behandlungsverfahren eingebunden sind. Damit bleibt die Auslastung der bestehenden Kompostanlagen im Heidekreis gewährleistet.

Kompost ist der eine Aspekt, Biogas der andere. Es wird bei der Vergärung des Abfalls gewonnen und in einem speziellen Speicher zwischengelagert, um insbesondere in Zeiten erhöhten Strombedarfs über zwei Blockheizkraftwerke verstromt und in das Stromnetz eingespeist zu werden. Hierdurch wird Strom für mindestens 650 Haushalte gewonnen, also etwa vier Millionen Kilowattstunden jährlich. „Die Produktion von grünem Strom steht hier im Vordergrund“, betonte Schäfer. Die beim Vergärungsprozess gewonnene Abwärme wird zum Teil in die Rottetunnel eingespeist, um dort den Rotteprozess zu unterstützen.

Insgesamt elf Millionen Euro umfasst das Investitionsvolumen dieses Projektes, durch das drei neue Arbeitsplätze entstehen sollen.

Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring lobte das Vorhaben: „Ich bin überzeugt, dass wir hier in eine Zukunftstechnologie investieren.“ Das meint auch der Landrat: „Das ist ein rundes Projekt für die Bevölkerung des Heidekreises.“

Mit dem ersten Spatenstich am vergangenen Donnerstag ist jetzt der Anfang gemacht. Fertiggestellt werden soll die Bioabfall-Vergärungsanlage im Laufe des kommenden Jahres, damit sie zum 1. Januar 2022 an den Start gehen kann.

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