Lichter gegen die Dunkelheit

Mehr als 100 Gedenk- und Bildungsstätten beteiligen sich, unter anderem die Gedenkstätte Bergen-Belsen

Lichter gegen die Dunkelheit

Der 27. Januar – der Tag, an dem 1945 die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreite – ist seit 25 Jahren in Deutschland der Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus. Gedenk- und Dokumentationsstätten und Erinnerungsinitiativen zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur aus ganz Deutschland erinnern an diesem Gedenktag an das historische Geschehen vor Ort und beleuchten nach Einbruch der Dunkelheit lokale Stätten der Erinnerung. Fotos und Videos des Beleuchtungs-Flashmobs werden mit dem Hashtag #LichterGegenDunkelheit über die sozialen Medien gepostet sowie über die Projektwebsite www.lichter-gegen-dunkelheit.de verbreitet. Die Aktion „Lichter gegen die Dunkelheit“ läuft unter anderem auch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

In Niedersachsen beteiligen sich mehrere Einrichtungen, so zum Beispiel die Gedenkstätten Lager Sandbostel, Bergen-Belsen, in der JVA Wolfenbüttel und die Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ-Drütte in Salzgitter. Aber auch ehrenamtliche Initiativen nehmen teil wie etwa der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg/Weser und die Pax Christi-Gruppe Nordharz in Bad Harzburg.

Schwerpunkte der Arbeit sind zum Beispiel 70 Jahre Gedenkstätte Bergen-Belsen, veränderte Formen der Erinnerung, spezifische Bildungsangebote für verschiedene Berufsgruppen, ein Netzwerkprojekt mit niedersächsischen Gedenkstätten in freier Trägerschaft oder auch der Antisemitismus im Fußball und die Zusammenarbeit von Gedenkstätten mit Vereinen und Initiativen.

Die Gedenkstätten wollen damit vor dem Hintergrund des historischen Geschehens ein Zeichen setzen gegen Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus und laden zu einer bewussten Auseinandersetzung mit aktuellen demokratiefeindlichen Tendenzen in Gesellschaft und Staat ein. Fundiertes historisches Wissen ist ein notwendiger Baustein zum Erkennen und Entlarven von Verschwörungserzählungen und antidemokratischem Handeln. Das Gedenken an die Opfer wie das historisch-politisches Lernen an den Orten des historischen Geschehens ist ein unentbehrlicher Bestandteil der Kultur unseres Landes. Initiatoren der Aktion sind das Haus der Wannsee-Konferenz, die Stiftung Topographie des Terrors (beide Berlin) und die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten.

Dr. Elke Gryglewski, Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, und Dr. Thomas Lutz, Gedenkstättenreferent der Stiftung Topographie des Terrors: „Wir setzen uns an den historischen Orten für eine fundierte und differenzierte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus, seinen Ursachen, Verbrechen und Folgen ein – eine Auseinandersetzung, die zur Selbstreflexion einlädt. Damit treten wir entschieden den Verschwörungserzählungen, der Relativierung der Shoah und dem Geschichtsrevisionismus entgegen, wie sie unter anderem auf den Demonstrationen gegen eine angebliche ‚Corona-Diktatur‘ zum Ausdruck kommen.“

Und weiter: „Wir engagieren uns für eine Bildungsarbeit, die die Vielfalt unserer Gesellschaft sichtbar macht und wertschätzt. Gedenkstätten zeigen ideologische Kontinuitätslinien zu heutiger gruppenbezogener Menschenfeindschaft auf und tragen damit dazu bei, dass die Zivilgesellschaft und staatliche Einrichtungen ihnen entgegentreten können. Am 27. Januar machen wir mit der Aktion #LichterGegenDunkelheit auf diese wichtig Arbeit aufmerksam.“

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