Für die „kleine Wanderung zwischendurch“

Barrierearmer und idyllisch gelegener Weg: Lückenschluss entlang der Luhe

Für die „kleine Wanderung zwischendurch“

Wandern, das ist laut Wikipedia „eine Form weiten Gehens über mehrere Stunden“. Zudem beschreibt die Internet-Enzyklopädie diese Art der Fortbewegung zu Fuß als „früher die normale Art des Reisens“. Für den neuen „Wanderweg entlang der Luhe“, wie die Gemeinde Bispingen den 500 Meter langen Pfad durch den Ort betitelt, brauchen Wandersmann und Wandersfrau zwar nur wenige Minuten - dennoch war es bis hierhin eine lange Reise: Die begann nämlich bereits 1995 mit der Idee einer Verbindung zwischen Hützeler Straße und Luheweg. Mehr als ein Vierteljahrhundert später ist daraus nun Wirklichkeit geworden - auch dank der Beharrlichkeit der Beteiligten und Geldern aus dem EU-Förderprogramm „LEADER“. Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Unterstützer des Projekts durchschnitten am vergangenen Mittwoch in einem symbolischen Akt das Band und gaben den Weg frei, der den halben Kilometer entlang des Flusses tatsächlich zum „kleinen Wandererlebnis“ durch die Natur macht.

Noch bevor beim offiziellen Pressetermin die Vorzüge des Wanderwegs mit Formulierungen wie „Barrierearmut für mobilitätseingeschränkte Menschen“, „Lückenschluss bereits bestehender Wege“, „Grünelement innerhalb der Ortschaft erlebbar machen“ und „Erhöhung des Verweilangebots“ hervorgehoben wurden, füllte eine Familie die Schlagworte mit einem kurzem Gang und lachenden Gesichtern mit Leben: Angelika Jauss, im Rollstuhl unterwegs, attestierte nach den 500 Metern „ein sehr schöner Weg“, und auch Julia Bader sowie die Kinder Lena und Tom teilten freudestrahlend diese Meinung. Kurzerhand durften die Fünf- und der Zweijährige den Erwachsenen beim Durchschneiden des Bandes assistieren.

„Wie bestellt“, freute sich Lina Dening über den kurzen und unerwarteten „Auftritt“ der Familie. Denn sonst, so die „LEADER“-Regionalmanagerin der Naturparkregion Lüneburger Heide, „ziehen die Projekte bei der Bearbeitung an einem vorbei. Jetzt vor Ort das alles zu sehen und mitzuerleben, das ist toll.“ Der neue Wanderweg sei sehr gelungen: „Alle in der Gemeinde können davon profitieren.“

Über die Fertigstellung zeigte sich auch Dr. Jens Bülthuis erfreut. Lange bevor der heutige Bispinger Bürgermeister sein Amt angetreten habe, „hat mich das Thema beschäftigt.“ Entstanden sei die Idee, eine Wegeverbindung entlang der Luhe, ausgehend von der Hützeler Straße in Richtung Luheweg zu gestalten, bereits im Rahmen der damaligen Dorferneuerungsplanung von 1992 bis 1995, so Bülthuis. „2017 hat die Bispinger Bürgerliste einen konkreten Antrag gestellt, für ein solches Vorhaben Fördermittel zu beantragen.“ 2018 sei dann die Bewilligung einer „LEADER“-Zuwendung in Höhe von rund 52.000 Euro erfolgt. „Ursprünglich sollte die Maßnahme bereits 2019 umgesetzt werden“, so der Bürgermeister, die Realisierung des Projektes sei dann aber erst zwei Jahre später erfolgt: „Durch Verzögerungen wegen Abstimmungen mit der Unteren Naturschutzbehörde und sich daraus ergebenden Forderungen nach landschaftspflegerischen Fachbeiträgen konnte mit der Baumaßnahme erst Anfang 2021 begonnen werden. Der Förderzeitraum musste deshalb mehrfach verlängert werden, nämlich bis zum 30. Juli 2021.“

Der Baustart im Februar dieses Jahres, erinnerte sich Bülthuis, fiel buchstäblich ins Wasser: „Es hat in Strömen gegossen.“ Und das schlechte Wetter sei geblieben, habe die Arbeiten über viele Wochen erschwert, so der Bürgermeister. Auch das sei der Grund, warum das Projekt am Ende etwas teurer geworden sei als anfangs veranschlagt: „Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 170.000 Euro. Bei der Antragsstellung war man von Baukosten in Höhe von etwa 104.000 Euro ausgegangen.“

Doch die Investition habe sich gelohnt, lobte Manfred Ostermann die idyllisch gelegene neue Trasse: „Wir haben hier vor acht Jahren den Heidschnuckenweg in Bispingen eingeweiht“, der seitdem viele Urlauber anziehe, so der Landrat. „Daher begrüße ich den neuen Pfad auch aus touristischer Sicht sehr. Eine tolle Sache für Besucher, aber auch für Anwohner, denn hier ist gleichzeitig zwischen zwei Straßen ein Brückenschluss entstanden.“

Apropos Brücken: Insgesamt drei davon, alle aus Holz gebaut, überqueren Touristen und Einheimische auf dem Weg durch die grüne Oase der Luheniederung entlang an Wald und Weiden. Perfekt also für die „kleine Wanderung zwischendurch“. Wandern nämlich, und hier bietet es sich wieder an, Wikipedia zu bemühen, „stellt heute in entwickelten Ländern vorwiegend eine Freizeitbeschäftigung und eine Sportart dar.“

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