Geschichte greifbar gemacht

Bispinger Schüler engagieren sich anlässlich des Volkstrauertages

Geschichte greifbar gemacht

Volkstrauertag: Kaum ein Jugendlicher, der sich dafür interessiert oder freiwillig zu einer der zahlreichen Gedenkfeiern gehen würde. Dabei geht es an dem bundesweit begangenen Gedenktag um die Mahnung zum Frieden, und dieses Anliegen „ist ja leider aktueller und dringlicher denn je“, so Frank Blase. Dem Bispinger Pastor liegt deshalb viel daran, eine Brücke zu bauen und die Geschichte greifbar zu machen, um auch die junge Generation für das Thema zu sensibilisieren. So wurde aus der Anregung, Jugendliche einzubeziehen in die Vorbereitung zur zentralen Gedenkfeier um 10 Uhr in der St.-Antonius-Kirche in Bispingen am Sonntag, dem 17. November, ein größeres Schulprojekt: Gleich mehrere Lehrkräfte der örtliche Oberschule unterstützten Blase und beschäftigen sich bereits seit dem Frühjahr mit ihren Schützlingen auf unterschiedlichen Wegen mit dem Thema.

„Für mich hat die jährliche Veranstaltung an unseren Ehrenmalen von jeher große Bedeutung. Dabei geht es ja nicht nur um das Gedenken an die Opfer von Krieg- und Gewalt in der Vergangenheit, sondern um zwei weitere Aspekte: Das Gedenken an die Opfer von Krieg- und Gewalt in der Gegenwart und darüber hinaus um einen Aufruf zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit in Gegenwart und Zukunft“, erläutert Frank Blase. Mit diesen drei Aspekten beschäftigen sich die Jugendlichen seit April. In vier verschiedenen Projekt-Gruppen haben sie sich des Themas angenommen.

Eine Gruppe setzte sich mit der Geschichte von Berta Partner auseinander, einer Jüdin, die mit ihren Kindern aus Gelsenkirchen nach Bispingen floh in der Hoffnung, auf dem Lande sicher zu sein vor den Nazis. Ein Irrtum: 1942 wurde sie verraten, abtransportiert und kam im Konzentrationslager um. Ihre Töchter besuchten die Bispinger Schule, das bietet einen guten Zugang für die Jugendlichen.

Ebenfalls zum Aspekt Vergangenheit gab es auch ein praktisches Projekt: Die Neugestaltung der beiden Kriegsgefangenengräber auf dem Bispinger Friedhof. Zwei Gräber sind dort noch vorhanden. Auf einem Grabstein standen die Angaben eines polnischen Opfers, „Henryk Kieziel“. Auf dem anderen nur „Unbekannter Soldat“.In einer wahren Puzzlearbeit ist es Frank Blase in Zusammenarbeit mit Dr. Lars Hellwinkel, Mitarbeiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel, gelungen, die Identität des zweiten dort Bestatteten zu klären. „Ich freue mich, dem russischen Kriegsgefangenen Semjon Jaschkin nun wenigstens seinen Namen wiedergegeben zu haben“. Mehrere Schülerinen und Schüler haben das Grab der beiden Kriegsgefangenen neu gestaltet, obwohl das Wetter keineswegs freundlich war. Ein Steinmetz wurde beauftragt, Blase kümmerte sich beim Innenministerium um eine Kostenübernahme für die Grabeinfassung und die Überarbeitung der Grabsteine. Im Gespräch mit Jan Effinger, Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ergab sich zudem, dass auch eine Infotafel mit weiteren Details gestaltet und vom Volksbund finanziert werden kann.

Das dritte Projekt beschäftigt sich mit dem Gegenwartsaspekt: Eine Arbeitsgruppe lud einen Soldaten ein, der den Schülerinnen und Schülern von seinem Auslandseinsatz in Afghanistan berichtete. In der Gedenkveranstaltung kommt ein weiterer Bundeswehrangehöriger zu Wort: Die Jugendlichen interviewen Oliver Schmidt, Hauptmann in Bispingens Patenkompanie vom Panzerlehrbataillon 93 in Munster: Er bereitet sich derzeit auf einen Auslandseinsatz vor.

Der Blick auf die Gegenwart führt auch in die Zukunft: Und da geht es ganz konkret um die Frage, was man als einzelner oder als Gruppe tun kann, um sich für den Frieden stark zu machen. Das ist Thema der vierten Schülergruppe, die am Sonntag in der Kirche ihre Ergebnisse vorstellen wird.

Frank Blase zeigt sich nach zahlreichen Treffen und den nun letzten Vorbereitungen für Sonntag begeistert vom Engagement aller Beteiligten: Die fünf Lehrkräfte haben sich weit über ihre Arbeitszeit hinaus eingebracht und auch die Schülerinnen und Schüler waren mit Herzblut bei der Sache. Das Musikteam der St. Antoniusgemeinde sorgt für thematisch passende Lieder, eine Schülerin hat das Tauben-Motiv gestaltet, das als Logo für die Gedenkveranstaltung und die Werbung dafür dient. Wenn sich am Sonntag um 10 Uhr also die Türen öffnen zur zentralen Veranstaltung zum Volkstrauertag, werden garantiert nicht nur alte Leute in die Bispinger Kirche kommen, sondern auch eine ganze Reihe junger Menschen, obwohl der Gedenktag der jungen Generation schwer nahezubringen ist. In Bispingen zumindest scheint es mit viel Einsatz gelungen ...

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