„Stark, modern, fortschrittlich“

Bispinger Vereine planen Fusion / Name für Gesamtverein gesucht

„Stark, modern, fortschrittlich“

In den einzelnen Sparten verschiedener Vereine ist es schon seit langem probates Mittel, vereinsübergreifend Spielgemeinschaften zu gründen, um im Spielbetrieb wettbewerbsfähig zu bleiben, oder auch um überhaupt ausreichend Aktive für eine Mannschaft zusammenzubekommen. Das, was sich sozusagen im Kleinen bewährt hat, ist zunehmend auch auf größerer Ebene ein Thema. Vielerorts setzen sich Vorstände von Clubs mit dem Gedanken einer Vereinsfusion auseinander, werden doch Chancen gesehen, Kräfte zu bündeln, mehr Schlagkraft zu entwickeln und für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein. In Munster werkeln aktuell die Vereine SVM, Breloher SC, VfB, ESV und SV Trauen-Oerrel an einer Verschmelzung (HK berichtete). Und auch in Bispingen arbeiten die Vorstände des VfL Luhetal, MTV Bispingen, TuS Steinbeck und der SG BHS seit längerem an einem Zusammenschluss. Erklärtes Ziel ist es, im Sommer kommenden Jahres einen neuen Gesamtverein zu gründen. Über den aktuellen Stand informierten die Verantwortlichen am vergangenen Mittwoch in der Sporthalle in Hützel.

„Wir möchten einen starken, modernen, fortschrittlichen und zukunftsorientierten Verein gründen, der den allermeisten Mitgliedern nur Vorteile bietet“, betonte Uschi Röhrl vom TuS Steinbeck. Es gehe darum, ein neues „Wir-Gefühl“ zu kreieren. Wie die Verantwortlichen eräuterten, stehe die überwältigende Mehrheit der Mitglieder hinter dem Vorhaben. „Wir arbeiten mit Herzblut für ein attraktives Sportprogramm, für zufriedene Übungsleiter und unsere Mitglieder“, so Anja Schirza vom VfL Luhetal: „Und weil alle Vereine unserer Gemeinde zufriedene Mitglieder haben wollen, ist dies der Weg dorthin.“

Einige Mitglieder haben sich in der Vergangenheit darüber geärgert, zum Teil in zwei oder drei Vereine eintreten zu müssen, um alle Sportangebote nutzen zu können. Silvia Flick vom VfL Luhetal nannte ein Beispiel: „Wenn in einer Familie die Tochter zum Rope-Skipping beim TuS Steinbeck möchte, die Mutter ist begeistert von den Fitnesskursen beim VfL Luhetal und der Vater möchte gern mit seinem Sohn zum Taekwondo beim MTV Bispingen, was bedeutet das? Drei Vereine und drei Beiträge! Der Vorteil für einen Großverein mit nur einem Beitrag und einer vielfältigen Sportauswahl liegt in diesem Fall ganz klar auf der Hand.“ Und genau deshalb solle das Motto ab Sommer kommenden Jahres lauten: „Ein Verein - ein Beitrag“.

Ein Gesamtverein, da sind sich die Vorstände einig, bringe ausschließlich Vorteile mit sich. So könne nicht nur ein vielfältiges Sportprogramm angeboten werden, vielmehr ließen sich auch die Hallen- und Trainingszeiten optimieren. Außerdem könnten Ressourcen gebündelt werden. Dazu Flick: „Als Großverein ist es auch einfacher zum Beispiel mit den Krankenkassen oder auch mit der Gemeinde zu verhandeln sowie Fördergelder zu beantragen. Wir wären bei Sponsorengesprächen besser positioniert, könnten Gelder sinnvoller verteilen.“

Die Vertreterinnen und Vertreter der Vereine verweisen dabei auch auf die demographische Entwicklung und das Problem, dass es zunehmend schwieriger werde, Ehrenamtliche für die Vereinsarbeit zu gewinnen. In einem Großverein könnten Kompetenzen gebündelt werden, es gebe nur noch einen Vorstand mit drei gleichberechtigten Vorsitzenden. Nach Abzug der doppelten Mitgliedschaften habe der Gesamtverein, sollte es keine Austritte geben, rund 1.750 Mitglieder. Es stünde ein Übungsleiterpool mit insgesamt rund 45 Trainern, Übungsleitern und ehrenamtlichen Helfern zur Verfügung - vom Übungsleiter mit C-Lizenz über Physiotherapeuten bis hin zu intern geschulten Ubungsleitern und lizensierten Fußballtrainern. Die Spielklassen sollten erhalten bleiben, ebenso die Sport-räume und -flächen. Das Kursangebot bleibe zunächst unverändert. Hier solle es nur Veränderungen geben, die Verbesserungen zur Folge hätten. Angedacht sei zudem, die Halle in Steinbeck auch nachmittags mit Leben zu füllen.

Den Verantwortlichen schwebt vor, vermehrt Kursprogramme für Kinder anzubieten. Nach etwa sechs bis zehn Monaten soll das Kursprogramm hinsichtlich der Teilnehmerzahlen genau unter die Lupe genommen werden, um es gegebenenfalls zu optimieren. Die Fußballer werden die Außenplätze wie gehabt nutzen. Auch die Hallenzeiten im Winter sollen wie bisher zur Verfügung stehen, gegebenenfalls nur geringfügig an den Bedarf angepasst werden.

Die Idee, einen großen Gesamtverein ins Leben zu rufen, gibt es schon seit längerem. Bereits vor rund acht Jahren hatte es erste Gespräche gegeben, damals jedoch noch ohne Erfolg. Im Zuge der Sportstättenentwicklungsplanung der Gemeinde Bispingen rückten die Verschmelzungspläne wieder neu in den Fokus. Im März dieses Jahres holten sich die Verantwortlichen in den Mitgliederversammlungen der Vereine das Okay, in Sachen Fusion Verhandlungen aufnehmen zu dürfen. Ende März nahmen die Vereinsvertreterinnen und -vertreter an einem Auftaktworkshop teil. Mit Unterstützung von Jörg Beismann und Petra Kurtz, unabhängige und freie Berater aus dem Beraterpool des Landessportbundes, wird seitdem intensiv an der Gründung eines Großvereins gearbeitet.

Unter anderem wurden die vier Arbeitsgemeinschaften Sportbetrieb, Finanzen, Kommunikation und Satzung eingerichtet, die sich im April und Mai mit etlichen Details befassten. Ende August schließlich stand eine öffentliche Informationsveranstaltung für die Mitglieder auf dem Plan, wobei das Vorhaben laut Initiatoren von nahezu allen Teilnehmern begrüßt worden sei. „Die Mitglieder sehen ja, dass das bei der SG BHS seit vielen Jahren funktioniert. Wir haben bewiesen, dass wir gut zusammenarbeiten können“, so Gunther Zager von der SG BHS. Sämtliche Beteiligte betonten, dass die involvierten Vereine allesamt finanziell auf gesunden Füßen stünden und es - teils zweckgebundene - Rücklagen gebe, die Bestand haben sollten.

Doch wie soll der neue Verein heißen? Die Vorstände haben alle Mitglieder dazu aufgerufen, Vorschläge zu unterbreiten. Noch bis zum 30. September werden diese per E-Mail unter neuer-verein@bispingen.net entgegengenommen oder können auf Zetteln notiert und in die Sammelboxen bei der Buchhandlung Dodt und bei der Kreissparkasse und Volksbank in Bispingen sowie bei der Schlachterei Meyer in Bispingen und Steinbeck eingeworfen werden. Eine Jury wird eine Vorauswahl treffen, das letzte Wort haben dann die Mitglieder, die über den neuen Namen abstimmen werden.

Logo