Traditionsbetrieb ist „TOP 100“-Innovator

Auszeichnung für HM-Werke / Fenster- und Türen-Spezialist baut neue Halle am Standort in Bispingen

Traditionsbetrieb ist „TOP 100“-Innovator

Wenn ein Unternehmen in fast zwei Jahrhunderten Krisen und Kriege überstanden sowie Wandel und Wirtschaftswunder erlebt hat, was kann da noch kommen? Eine weltweite Pandemie zum Beispiel. Das war auch für die Heinrich Meyer-Werke Breloh etwas Neues. Doch das 1836 in Bispingen gegründete Unternehmen startet genau jetzt kräftig durch, baut am Ursprungsort eine neue Halle, um dort eine Produktionsstätte für ein innovatives Element in der Baubranche zu schaffen: das sogenannte „HM Modul“. Diese Neuentwicklung ist - neben zahlreichen anderen Faktoren - mit ein Grund für die Auszeichnung, die die HM-Werke vor wenigen Tagen erhalten haben: Der Familienbetrieb, der heute von Heinrich Volker Meyer und seinem Sohn Moritz Meyer in sechster und siebter Generation geführt wird, ist Preisträger beim Innovationswettbewerb „TOP 100“ und wurde als eines der einhundert kreativsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland geehrt.

Als Zimmermannsmeister Hans Christoph Meyer vor gut 185 Jahren den Grundstein für die erfolgreiche Firma legte, geschah noch alles von Hand und vor Ort: Der Unternehmensgründer fällte Bäume und bearbeitete das Holz mit den klassischen Zimmermannswerkzeugen Säge, Axt und Beil. Holz werde auch heute noch in Bispingen für den Bau von Fenstern und Türen verwendet, „vor allem für die Fertigung besonders hochwertiger und individueller Stücke“, erklärt Moritz Meyer. „Holz ist einfach ein toller und faszinierender Werkstoff“, so der heutige Geschäftsführer, das natürliche Material mache aber nur noch einen geringen Teil von vielleicht fünf Prozent der Produktion aus. Kunststoff-Fenster und -türen im Verbund mit Aluminium sind seit vielen Jahren das Kerngeschäft der HM-Werke, zum Portfolio gehören außerdem Carports und Terrassenüberdachungen sowie maßgefertigte Gartenschränke.

Moritz Meyer startete anders als einst sein Urahn in einer globalisierten Welt ins Berufsleben, absolvierte große Teile seiner Ausbildung im Ausland - und arbeitet nun an der „Basis“ in Bispingen: Ende 2019/Anfang 2020, als die Corona-Krise alles veränderte, stieg der heute 29-Jährige mit in den Betrieb ein. Die Pandemie habe ganz neue Herausforderungen mit sich gebracht, erinnert sich der Geschäftsführer: „Das hieß erst einmal: vor Ort anfassen, Lösungen finden.“ Unternehmen und Team, das heute rund 300 Beschäftigte zählt, haben flott auf die neuen Umstände reagiert: „Wir haben viele Maßnahmen ergriffen, dort, wo es ging, schnellstmöglich Homeoffice eingerichtet und bald auch Impfangebote organisiert.“

Flexibilität zeichnet den Betrieb aber nicht nur in der Krise aus, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die lange Erfolgsgeschichte. Dabei gibt es bei den HM-Werken keinen Innovationsbeauftragten: „Die Innovationskultur zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass Novitäten im Einklang mit den Wünschen der Kunden entwickelt werden“, so Moritz Meyer. Den Anstoß dazu gebe vorrangig die Geschäftsführung, „aber flache Hierarchien führen zu schnellen Entscheidungen und zu einer großen Effizienz bei deren Umsetzung. Wenn es um Neuentwicklungen geht, arbeiten wir sehr agil und binden Mitarbeiter aus allen Ebenen mit ein“, freut sich der Geschäftsführer.

Und so steht auch das „TOP 100“-Siegel, das seit 1993 für besondere Innovationskraft und überdurchschnittliche Innovationserfolge an mittelständische Unternehmen verliehen wird, für eine Teamleistung: Von der Entwicklung, über die Buchhaltung bis hin zur Produktion und Logistik habe jede Kraft in jeder Abteilung einen Teil dazu beigetragen, lobt Moritz Meyer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - „der Award gehört somit allen und es haben alle daran mitgewirkt.“

Ursprünglich sollte die Auszeichnung im Rahmen einer Präsenzveranstaltung überreicht werden, doch durch die Pandemie lief die Verleihung am Bildschirm ab - dafür aber mit einem prominenten Laudator: Ranga Yogeshwar. Der Wissenschaftsjournalist würdigte die Leistungen der Heinrich Meyer-Werke und gratulierte zu ihrem Erfolg beim „TOP 100“-Award mit einem persönlichen Video. Yogeshwar begleitet als Mentor den zum 28. Mal ausgetragenen Innovationswettbewerb. In dem wissenschaftlichen Auswahlverfahren beeindruckten die Heinrich Meyer-Werke in der Größenklasse C (mehr als 200 Mitarbeiter) besonders in der Kategorie „Innovationsförderndes Top-Management“. Der Mut zum Wandel sei stets ständige Maxime: „Ein hoher Qualitätsanspruch ist unser Motor für Innovationen“, so Senior-Chef Volker Meyer.

Er und sein Sohn schreiben mit dem Bau der neuen Halle, für die die Bauarbeiten bereits begonnen haben, jetzt ein weiteres Kapitel der Firmengeschichte. Etwa fünf Millionen Euro werde in die Erweiterung der Kunststoff-Fenster-Produktion investiert, erläutert Moritz Meyer, der Fokus liege dabei auf dem „HM Modul“: „Mit diesem können Fenster künftig per Minikran vom Maurergewerk in das aufgehende Mauerwerk gestellt und eingemauert werden. Dadurch wird wertvolle Zeit eingespart und der Bau viel schneller als üblich geschlossen“, erklärt der Geschäftsführer.

Schnell abgeschlossen werden solle auch der Bau der neuen Halle mit circa 2.700 Quadratmetern Fläche. Dort werde ein moderner, hochautomatisierter Maschinenpark installiert. Vor allem das „HM Modul“ solle in der neuen Fertigungsstätte entstehen, so Moritz Meyer: „Wir planen, noch 2022 in Produktion zu gehen.“

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