Weg durch den Heidjerpark: Stolperfallen entfernt, Bänke zum Verweilen

Rundweg in Bispingen barrierearm gestaltet und eingeweiht

Weg durch den Heidjerpark: Stolperfallen entfernt, Bänke zum Verweilen

„Dieser Weg wird kein leichter sein ...“ heißt es im Hit von Xavier Naidoo, der untrennbar mit dem Fußball-WM-Sommermärchen 2006 verknüpft ist. Den Rundweg im Bispinger Heidjerpark, der durch Wald und Heide zum alten Schafstall und zurück zum Heidjerhaus führt, hat der Sänger damit ganz sicher nicht gemeint, lieferte mit seiner Liedzeile aber unbeabsichtigt eine treffende Beschreibung des bisherigen Zustandes des Untergrundes: Baumwurzeln und sandige Stellen machten es insbesondere älteren Spaziergängern sowie Menschen mit Behinderungen, die auf Gehhilfen oder Rollstühle angewiesen sind, nahezu unmöglich, den Schafstall zu erreichen. Auch Familien, die mit Kinderwagen unterwegs waren, hatten es schwer, auf diesem „Belag“ leichten Schrittes voranzukommen. Das ist jetzt Vergangenheit, zumal der Rundweg im Zuge umfangreicher Maßnahmen barrierearm gestaltet worden ist. Am vergangenen Mittwoch stand die offizielle Einweihung auf dem Programm.

Der Schafstall im Heidjerpark wird in den Sommermonaten für Veranstaltungen des Verkehrsvereins und der Feuerwehr genutzt. Als Imker hat Rainer Prescher von der Bispinger Ortsgruppe der Grünen, der für die Partei zusammen mit Werner Hillewerth im Gemeinderat sitzt, am Schafstall Vorträge gehalten. Dabei fiel ihm auf, das ältere Damen mit Rollator Schwierigkeiten hatten, zur Veranstaltung zu gelangen. „Es lagen zum Teil große Äste auf dem Weg, manche so dick wie ein Arm“, so Prescher. Und daher stellte die Fraktion der Grünen im September 2016 einen Antrag mit der Forderung, dass der Rundweg barrierefrei gestaltet werden solle.

Daraufhin wurde im September 2017 - entsprechende Förderperioden waren einzuhalten - ein Förderantrag beim Amt für regionale Landesentwicklung gestellt, der schließlich im November 2018 bewilligt wurde. Ende Juli dieses Jahres ging es schließlich an die Umsetzung des Projekts.

Zunächst wurde loses Material entfernt, dann mussten störende Wurzeln weichen. Anschließend wurden 20 bis 25 Millimeter Mineralgemisch als Tragschicht und darauf acht bis zehn Zentimeter Heidesandgemisch aufgebracht“, erläuterte Werner Tanz von der Gemeindeverwaltung. „Es kam großes Gerät zum Einsatz, wobei Vorsicht geboten war, um die vorhandene Vegetation nicht zu zerstören“, so Tanz weiter.

„Der Belag passt gut in die Umgebung und Natur hinein“, meinte Bispingens Bürgermeister Dr. Jens Bülthuis beim Ortstermin und würdigte die Initiative der Grünen-Fraktion. „Wir haben einen tollen barrierefreien Weg in Niederhaverbeck, der sehr gut angenommen wird“, so der Bürgermeister. Nun gebe es einen weiteren Weg in Bispingen, der sicherlich dabei helfen werde, „die Attraktivität Bispingens als Tourismusstandort zu erhöhen.“

Bülthuis begrüßte es ausdrücklich, dass entlang des Weges im Abstand von jeweils etwa 200 Metern neue Bänke aufgestellt worden seien. So könnten ältere Menschen unterwegs immer wieder mal „verschnaufen“. Familien mit älteren Angehörigen hätten so Gelegenheit, den Spaziergang durch die Heide gemeinsam zu genießen. „Wer das kennt, der weiß: das sind wertvolle Momente“, unterstrich der Bürgermeister. Erfreulich sei zudem, dass der Weg nun bei Notfällen auch von Rettungsfahrzeugen befahren werden könne. Bülthuis und die beiden Ratsmitglieder der Grünen sowie Werner Tanz waren indes nicht die einzigen „Tester“, die am vergangenen Mittwoch bei regnerischem Wetter einen Rundgang unternahmen. „Weg-Gefährten“ waren unter anderem auch Margret Hedder, Geschäftsführerin der Bispingen-Touristik, sowie Susanne Kracht vom Amt für regionale Landesentwicklung, Geschäftsstelle Verden. Letztere vertrat ihre Behörde nicht von ungefähr, hat die Gemeinde Bispingen doch eine Finanzspritze des Landes Niedersachsen erhalten, nämlich EU-Gelder aus dem Topf zur Förderung der integrierten landlichen Entwicklung (ZILE). 71.273 Euro hat das Projekt gekostet, 63 Prozent der Summe werden gefördert.

Die Kosten waren ursprünglich höher veranschlagt. „Doch - und das habe ich in meiner zehneinhalbmonatigen Amtszeit nur selten erlebt - das Ganze ist deutlich günstiger geworden“, meinte Bülthuis augenzwinkernd.

Das kleine Schild, plaziert neben einem großen Findling zu Beginn der Runde, ist dann auch kein Wegweiser, sondern eine Hinweistafel. Darauf steht in bestem Amtsdeutsch geschrieben: „Hier investieren der Bund und das Land Niedersachsen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)‘ in die ländlichen Gebiete mit der Maßnahme ‚Tourismus‘. Mit dieser Maßnahme wird der Tourismus in ländlichen Gebieten unterstützt. Ziel ist es, die ländlichen Gebiete als Erholungs-, Freizeit- und Naturräume zu sichern und zu entwickeln.“

„Nagelneu“ sah der Weg zur Einweihung übrigens nicht aus, zumal der Starkregen in der Nacht auf Mittwoch hier und da Spuren hinterlassen hatte. „Wir können natürlich keine Wasserabläufe quer über den Weg anlegen, dann schaffen wir wieder Hindernisse. Für eine seitliche Wasserabführung müssen wir uns noch etwas überlegen“, meinte Bülthuis. Die Grünen freuen sich jedenfalls, dass das Vorhaben umgesetzt worden ist, hätten sich allerdings einen barrierefreien Weg gewünscht, gegebenenfalls mit einer veränderten Steckenführung. Weil der Rundweg im Heidjerpark im Bereich des Schafstalles eine achtprozentige Steigung aufweist, gilt er „nur“ als barrierearm. Nichtsdestotrotz könnte Xavier Naidoo seine Liedzeile in Bezug auf das in Bispingen realisierte Projekt nun umtexten: „Dieser Weg wird ein leichter sein ...“

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