„Wir wollen den Dethlinger Teich durchsanieren“

Land Niedersachsen geht mit 6,6 Millionen Euro in Vorfinanzierung

„Wir wollen den Dethlinger Teich durchsanieren“

Händeschütteln war wegen „Coronaprävention“ nicht angesagt, die Stimmung aber war dennoch freundlich, denn Frank Doods kam mit guten Nachrichten: Der Staatsskretär aus dem Umweltministerium in Hannover unterzeichnete gemeinsam mit Landrat Manfred Ostermann am heutigen Donnerstag auf der Räumstelle Dethlinger Teich eine Finanzierungsvereinbarum über 6,6 Millionen Euro. Eine Summe, die das Land Niedersachsen zur Verfügung stellt, damit die Vorarbeiten für die Gesamtsanierung der mit Kampfstoffmunition gefüllten ehemaligen Kieselgurgrube anlaufen können.

Im September vergangenen Jahres begann nach umfangreichen Sicherheitsvorbereitungen die Erkundung des Dethlinger Teiches (HK berichtete), um Erkenntnisse für eine spätere Gesamtsanierung zu gewinnen. Statt eines mussten wegen Grundwasserproblemen am Ende drei Schächte gegraben werden - 2.552 Stück Munition wurden dabei zu Tage gefördert, wobei im dritten Schacht bisher keine Granaten gefunden wurden. Nur noch bis zum 27. März laufen diese Erkundungsarbeiten - die beiden ersten Schächte sind bereits wieder mit grobem Kies verfüllt. Dann folgt der Teilrückbau der jetzigen Anlagen.

Doch damit soll nicht Schluss sein - im Gegenteil: Um keine Zeit unnütz verstreichen zu lassen, „wollen wir nach Abschluss der Erkundung gleich weitermachen. Wir wollen durchsanieren“, unterstrich Ostermann. Und genau dazu braucht der Landkreis Geld: Zwar hat er 30 Prozent der 3,6 Millionen Euro für die Erkundung getragen, 70 Prozent das Land, doch was jetzt ansteht, übersteigt die Möglichkeiten - und soll am Ende vom Bund finanziert werden. Das wünschen sich Land und Landkreis: „Wir sind mit dem Bund in guten Gesprächen, und unser Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil ist da sehr engagiert. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg, weil die Notwendigkeit dieser Sanierung auch in Berlin erkannt worden ist“, so der Landrat. 50 Millionen Euro werden hier für die Sanierung des Dethlinger Teiches geschätzt - ob das wirklich reicht, weiß niemand.

Ostermann rechnet dabei mit jährlichen Tranchen von rund elf Millionen Euro während der kommenden vier bis fünf Jahre - solange werde die Sanierung dauern. Um damit nahtlos beginnen zu können, fließen jetzt die besagten 6,6 Millionen. Das Land Niedersachsen macht das möglich, möchte das Geld aber später vom Bund wiederhaben: „Die Dinge müssen weiterbetrieben werden und vertragen keine Brüche“, so der Staatssekretär. Doods hob hervor, hier täten die Mitarbeiter mehr als nur einen „Job“: Bei diesem Projekt müsse alles Hand in Hand laufen: „Hier haben wir eine gemeinsame Verpflichtung. Dabei soll es keine aufhaltenden Diskussionen geben, sondern weitergemacht werden. Deshalb geht das Land in Vorleistung.“

Damit sind die kommenden Maßnahmen erst einmal gesichert: „Die vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung des Dethlingers Teiches werden sicherlich weit bis ins Jahr 2021 hineinreichen“, kündigte Ostermann an. Schließlich muss geplant und ausgeschrieben werden. So wird eine Sanierungsanlage für das anfallende und stark belastete Grundwasser angeschafft. Dann muss das Wasser nicht mehr per Tankwagen zur Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten mbH (GEKA) gefahren werden. 14.000 Kubikmeter waren es bisher, die so transportiert worden sind. Neben einer solchen Sanierungsanlage sollen auch Spundwände angeschafft und bis in eine Tiefe von 14 Metern eingebaut werden, um das Wasser zurückzuhalten - eine etwas kompliziertere Angelegenheit.

Wie Carsten Bubke, Umwelttechniker beim Landkreis, und Friedrich-Wilhelm Otte von der unteren Wasserbehörde beim Landkreis erläuterten, werde der Dethlinger Teich bei der Sanierung in der Fläche geöffnet. Dazu sei dann auch eine neue Überbauung statt der bisherigen großen zeltartigen Halle nötig. Welche Möglichkeiten es da gebe, müsse noch geklärt werden. Demnächst liefen erst einmal die Ausschreibungen an, etwa für Grundwassersanierungsanlage, Spundwände und Halle, aber etwa auch für Ingenieursleistungen. Am Detlinger Teich selbst werde ein Teil der Anlagen nach dem 27. März zurückgebaut: „Das wird mindestens vier bis sechs Wochen dauern“, so Bubke. Auch danach werde die Räumstelle nicht sich selbst überlassen, sondern sei stets besetzt und bewacht.

Nicht nur Staatssekretär und Landrat zeigten sich erfreut, dass mit den 6,6 Millionen Euro nun der Startschuss für die Gesamtsanierung fallen kann. Auch Munsters Bürgermeisterin Christina Fleckenstein unterstrich: „Ich bin dankbar, dass es hier jetzt weitergehen kann. Was unter der Oberfläche des Dethlinger Teiches liegt, ist gefährlich. Deshalb ist es wichtig, dass die Arbeiten fortgesetzt werden können.“

Dabei sieht die Bürgermeisterin auch die Munsteraner mit im Boot: „Die Menschen sind froh, dass etwas getan wird. Aber sie sind dabei auch recht entspannt.“ Das liege sicherlich auch daran, dass die Bürgerinnen und Bürger über alles informiert worden seien und Transparenz herrsche.

Wenn die Einschätzungen stimmen, dann werden sich die Einwohner von Munster und seinen Ortschaften darauf einstellen müssen, dass sie die Sanierung vier bis fünf Jahre begleitet. Dazu gehören dann auch wieder Einschränkungen im Straßenverkehr: Wenn gefährliche Arbeiten laufen, muss die B 71 auch künftig gesperrt werden, aber wohl nicht dauerhaft wie in den vergangenen Monaten. Dazu kündigte Ostermann an, es müsse ein Verkehrsleitsystem installiert werden, um die Bevölkerung hier nicht zu sehr zu belasten.

Freie Fahrt auf der B 71 soll es jedenfalls bis auf weiteres ab kurz vor Ostern geben.

Logo