Die ersten Lämmer sind geboren

VNP-Stiftung erwartet bis zu 2.500 Heidschnucken-Babys in dieser Saison

Die ersten Lämmer sind geboren

„Walden“ will kuscheln. Zärtlich reibt das kleine Lamm sein schwarzes Köpfchen am Bart von Clemens Lippschuss (31), um sich kurz darauf an des Schäfers flauschige Jacke zu schmiegen. „Walden“ ist eines von gut 100 Heidschnuckenlämmern, die seit Jahreswechsel in der Döhler Herde der zum Verein Naturschutzpark (VNP) gehörenden VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide das Licht der Welt erblickt haben. 320 Mutterschafe zähle die Herde, im Schnitt bringe jedes Muttertier pro Saison ein Lamm zur Welt, rechnet Lippschuss, „weshalb bis Ende März also noch gut 200 bis 250 weitere Lämmer dazukommen dürften“. Und das nur in dieser einen Herde, die als einzige eine sogenannte Herdbuchherde ist. Nimmt man die fünf weiteren Heidschnuckenherden der VNP-Stiftung dazu, so ist mit insgesamt rund 2.500 Lämmern in dieser Saison zu rechnen.

Auch der kleine „Lammbert“ - bewusst mit Doppel-m! - will schmusen: Er drückt sein Näschen gegen das von Schäferin Josefine Schön (26), allerdings nur kurz, dann bemerkt er die vielen Fotografen und schaut frech in die Kameras. Presse und Rundfunk sind vor Ort, alle wollen die jungen Lämmer sehen, „Lammbert“ scheint‘s spannend zu finden, weshalb er laut „Mööh!“ ruft.

„Schafe fand ich schon immer faszinierend“, sagt Lippschuss. Der 31-Jährige liebt es, mit Tieren zusammenzuarbeiten, an Heidschnucken begeistert ihn, dass diese dazu beitragen, die Heidelandschaft zu erhalten. Nach einer ersten Lehre zum Heizungsbauer entschied sich Lippschuss, eine zweite Ausbildung dranzuhängen: die zum Schäfer, oder genauer: zum Tierwirt, denn so heißt der Beruf inzwischen offiziell. 2013 begann er diese Ausbildung, seitdem ist er beim VNP. Das Schicksal wollte es, dass ein Jahr später auch Josefine Schön dort zu lernen begann. Der angehende Schäfer und die angehende Schäferin lernten einander kennen - und lieben, weshalb die beiden heute nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Paar sind.

Dass weder Lippschuss noch Schön Ringe unter den Augen haben, mag verwundern, müssen sie derzeit doch alle zwei Stunden nach den Lämmern sehen - rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Danach gefragt, wie sie es schaffen, sich trotz Schlafmangels auf den Beinen zu halten, antwortet Lippschuss: „Das ist die Freude, die einem die Lämmer geben!“

Doch was ist eigentlich eine Herdbuchherde? Der Schäfer erläutert: In einer solchen Herde wisse man genau, von welcher Mutter und welchem Vater das jeweilige Lamm abstamme. „Wir züchten hier reinrassige Schafe und erhalten damit die Rasse der graugehörnten Heidschnucken“, sagt der 31-Jährige. Alles werde genau dokumentiert - wer das Muttertier ist, sei von Anfang an bekannt, der Vater werde im April über eine Gen-Probe ermittelt. Einen Namen bekommen übrigens nur wenige Lämmer, stattdessen erhält jedes Lamm eine Nummer, die ans Ohr geklippt wird. Dass „Lammbert“ und „Walden“ Namen haben, liegt daran, dass das Schäfer-Paar sich um diese beiden Kleinen ganz besonders intensiv kümmert, denn: „Lammbert“ und „Walden“ sind Flaschenlämmer. Die Mutter des einen Lämmchens lässt ihr Junges nicht trinken, die Mutter des anderen kleinen Bocks hat keine Milch im Euter - die zwei kleinen Racker sind folglich auf die Flasche angewiesen, und die bekommen sie von Josefine Schön und Clemens Lippschuss gereicht.

Wer möchte, dass noch mehr Heidschnucken Namen erhalten, kann eine Patenschaft übernehmen. Eine solche Patenschaft kostet 100 Euro, gilt für ein Jahr und dient zur Unterstützung der Heidepflege im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Jeder Pate darf „seiner“ Heidschnucke einen eigenen Namen geben und erhält eine Patenschaftsurkunde. „Wir hatten letztes Jahr 44 Patenschaften“, sagt Steffen Albers, Assistent der VNP-Geschäftsleitung, und ergänzt: „Aber es können in Zukunft gern 250 sein, da die Heidschnuckenhaltung defizitär ist.“

Bislang tummeln sich „Lammbert“, „Walden“ und die anderen Lämmer übrigens ausschließlich im Stall, erst nach drei bis vier Wochen lassen die Schäferin und der Schäfer den Heidschnucken-Nachwuchs stundenweise nach draußen; bis zum richtigen Hüten dauert‘s insgesamt circa sechs bis acht Wochen. Lippschuss erläutert, dass sich der Heidschnucken-Nachwuchs drinnen im Stall erst einmal an das Gruppenleben gewöhnen soll und dass die Lämmer zunächst ein Immunsystem aufbauen müssten. Während der ersten 24 Stunden nach der Geburt enthalte das Euter des Muttertiers sogenannte Biestmilch, darüber nehme das Lamm Abwehrstoffe auf, über die es zunächst nicht verfüge. Rund sechs Wochen lang ernähren sich Heidschnucken-Lämmer dem Schäfer-Paar zufolge ausschließlich von Muttermilch, etwa ab der siebten Woche könne Kraftfutter dazugegeben werden. Mit dem Milchtrinken hört ein Lamm erst auf, wenn es sich von der Mutter absetzt.

Was Josefine Schön und Clemens Lippschuss besonders freut, ist die Tatsache, dass es derzeit beim Nachwuchs kaum Verluste gibt. Im Normalfall würden Schäfereien Verluste in Höhe von rund zehn Prozent verzeichnen, sagt Lippschuss und betont: „Da sind wir weit, weit von entfernt.“ Spricht‘s und klopft dreimal auf Holz, damit dies so bleibt. Wer sich für eine Heidschnucken-Patenschaft interessiert, findet hierzu nähere Informationen unter der Adresse www.verein-naturschutzpark.de/patenschaften/ im Internet.

Text und Fotos von Marcel Maack

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