100 neue Lkw-Stellplätze: Intelligentes Parken dank Laserscanner

Neuer Autohof in Dorfmark eröffnet: Telematisches Lkw-Kolonnenparksystem macht schnelle Weiterfahrt möglich und spart Platz

100 neue Lkw-Stellplätze: Intelligentes Parken dank Laserscanner

„Ich bin CB-Funker“ und „Ruf Teddybär 1-4“ - die älteren Leserinnen und Leser werden diese Lieder von Gunter Gabriel und Jonny Hill noch kennen, die Ende der 1970er Jahre pausenlos im Radio liefen und Trucker-Romantik zum Hören und Mitsingen boten. Dass sich Lkw-Fahrer gegenseitig helfen und unterstützen, ist auch heute noch in den meisten Fällen Ehrensache. Aber die Romantik ist dem „Höher, schneller, weiter“ gewichen. Die „Könige der Straße“ quälen sich über verstopfte Autobahnen und durch Staus. Zudem sitzen sie oft mit erbarmungslosem Termindruck im Nacken hinter dem Steuer ihres tonnenschweren Sattelschleppers. Trotzdem müssen sie penibel auf die Lenk- und Ruhezeiten achten. Doch angesichts überfüllter Park- und Rastplätze ist die Suche nach einer geeigneten Stelle für das vorgeschriebene „Nickerchen“ seit längerem die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Abhilfe soll hier das telematische Lkw-Kolonnenparksystem schaffen. Ein solches ist am vergangenen Mittwoch am neu eröffneten Autohof Dorfmark offiziell in Betrieb genommen worden.

Das neue Parksystem für circa 100 Lkw-Stellplätze gewährleistet dank moderner Technik, dass Trucker ihre Fahrzeuge platzsparend und entsprechend ihrer geplanten Abfahrtszeit abstellen können. Zur Inbetriebnahme begrüßte die „Autobahn Tank & Rast“-Gruppe mit Sitz in Bonn auf „Rosi’s Autohof“ in Dorfmark unter anderem auch Stefan Muhle, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Die Verantwortlichen erklärten den Gästen und Medienvertretern die Funktionsweise des neuen Parksystems praxisnah, wobei ein Lkw-Fahrer der Straßenmeisterei Soltau mit einem Fahrzeug als „Vorführer“ fungierte. Muhle kennt sich mit der Materie ein wenig aus, zumal er in seiner Bundeswehrzeit selbst den Lkw-Führerschein gemacht hatte. „Den habe ich mir nicht überschreiben lassen, bin aber so etwas wie die Reserve der Logistikbranche“, scherzte er. Ohne Augenzwinkern ging er auf die Digitalisierung in Niedersachsen ein. Etwa eine Milliarde Euro sei in den vergangenen fünf Jahren im Bundesland in diesen Bereich investiert worden, nicht nur in die Infrastruktur. „Wir wollen die Digitalisierung so einsetzen, dass sie den Menschen nützt, dass sie ihnen das Leben und das Arbeiten leichter macht“, so der Staatssekretär.

Ein Beispiel sei das telematische Lkw-Kolonnenparksystem am Autohof Dorfmark. „In Niedersachsen gehen wir sehr stark auf Bedarfe ein und versuchen Projekte in Abstimmung mit Investoren vor Ort umzusetzen. Hier zum Beispiel haben wir vom ersten Tag an einen Mehrwert“, sagte Muhle und sprach von einem „Meilenstein, der hier gesetzt wurde.“ Das telematische System sei ein Schritt in die Zukunft und zugleich ein sichtbares Zeichen, „dass Logistikbranche und Fernfahrer wertgeschätzt werden.“ Muhle weiter: „Hier am Autohof Dorfmark sehen wir in der Praxis, wie digitale Technik zur Lösung eines großen Problems beitragen kann: Dem Mangel an Lkw-Stellplätzen an den Autobahnen. Rastanlagen und Autohöfe sind nachts häufig völlig überfüllt. Oft überschreiten Lkw-Fahrerinnen und -fahrer wegen der Stellplatzsuche ihre Lenkzeiten oder sind gezwungen, Pkw-Parkplätze, Durchfahrtsgassen sowie Ein- und Ausfahrten der Rastanlagen ordnungswidrig als Stellplätze zu nutzen. Durch das telematisch gesteuerte Lkw-Kolonnenparksystem werden vorhandene Flächen effizient ausgenutzt, so dass deutlich mehr Stellplätze bei identischer Flächengröße zur Verfügung stehen.“ Das erhöhe die Verkehrssicherheit und senke wegen des geringeren „Suchverkehrs“ auch den CO2-Ausstoß - „ein Mehrwert auch für die Umwelt.“

Wie Magnus von Canstein von der „Autobahn Tank & Rast“-Gruppe bei der Inbetriebnahme betonte, handele es sich bei dem Lkw-Kolonnensystem um das erste dieser Art, das „Tank & Rast“ in Deutschland in Betrieb nehme: „Es bereitet mir große Freude, hier heute ‚live‘ an den Start gehen zu können.“

Und wie funktioniert das Ganze? Für die Fernfahrer völlig unkompliziert: Steuern sie auf den Parkplatz zu, dann wird die Länge ihres Sattelschleppers schon bei der Anfahrt von einem sich auf einem hohen Mast drehenden Laserscanner gemessen. Der Fahrer gibt bei der Ankunft am Terminal vor der Schranke seine gewünschte Abfahrtszeit an und erhält ein Ticket mit QR-Code. Entsprechend seiner Eingabe und der Länge seines Fahrzeuges wird ihm ein Stellplatz zugewiesen, sodass er nach der Rast schnellstmöglich weiterfahren kann. Der Laserscanner ermittelt zudem permanent die Restlänge in jeder Reihe und auf diese Weise die Anzahl der noch freien Plätze.

Sollte ein Lkw versehentlich nicht auf dem ihm zugewiesenen Platz stehen, dann berücksichtigt das System dies für nachfolgende Parkvorgänge. Das Ticket wird vor der Abfahrt im Rasthof bezahlt, damit sich die Schranke an der Ausfahrt öffnet. Das Parken ist für zwei Stunden kostenfrei. Bei einem Aufenthalt von zwei bis 24 Stunden wird eine Gebühr von zwölf Euro erhoben, die bei einem Verzehr in der Gastronomie ab zwölf Euro angerechnet wird. Zudem gibt es einen Lkw-Wochenendtarif. Auch für Sicherheit, Stichwort „Planenschlitzer“, ist gesorgt: Das Areal ist komplett eingezäunt und verfügt über eine datenschutzkonforme Videoüberwachung.

Mit dem Bau des neuen Autohofes unter der Marke „Rosi‘s“, an dem auch 20 Pkw-Stellplätze zur Verfügung stehen, wurde im Dezember 2020 begonnen. Investor ist das Unternehmen Sallier, „Tank & Rast“ Mieter und Florian Fasch, der auch „Rosi‘s Autohof“ in Zeven führt, Pächter. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro. Das Betriebsgrundstück ist insgesamt rund 25.000 Quadratmeter groß. Die Tankstelle verfügt über drei Pkw- und zwei Lkw-Zapfsäulen. Geplant sind zudem acht Ladepunkte für E-Fahrzeuge.

Ein Video von der Inbetriebnahme gibt es auf der Facebookseite des Heide-Kuriers zu sehen.

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