Wirtschaftsminister mit Demo empfangen

Gasbohrungen: Althusmann kommt zum Bürgerdialog nach Dorfmark

Wirtschaftsminister mit Demo empfangen

Traktoren, Transparente und Sprechchöre - als Niedersachsens Wirtschaftsminsiter Dr. Bernd Althusmann am vergangenen Mittwoch Kurs auf das „Deutsche Haus“ in Dorfmark nahm, empfing ihn das Aktionsbündnis gegen Gasbohren mit einer Demonstration. Gekommen war der Minister, um den Dialog mit den Gegnern von Probebohrungen und Erdgasförderung nach ersten Gesprächen im März fortzusetzen.

Nicht nur, aber auch in Dorfmark ist der Widerstand gegen Probebohrungen und Erdgasförderung massiv. Das zeigen nicht zuletzt die 12.000 Unterschriften, die Althusmann gleich nach seiner Ankunft überreicht bekam. Viele Bürgerinnen und Bürger treibt die Angst um vor Erdbeben, Gebäudeschäden und immensen Wertverlusten für Immobilien in Bohrortnähe. Vor allem aber geht es um die Angst vor gesundheitlichen Schäden durch Gifte, die möglicherweise in Luft und Wasser geraten könnten. Auch Kreis, Parteien und Kommunen sehen das kritisch bis ablehnend und haben in der Vergangenenheit verschiedene Resolutionen verabschiedet. Schließlich plant der kanadische Energiekonzern Vermilion Energy solche Erdgas-Maßnahmen an vier Standorten in der Region, unter anderem am noch nicht eingerichteten Bohrplatz Dorfmark Z2 und am bestehenden, aber seit 1997 nicht weiter vorangetriebenen Bohrplatz Wisselhorst Z1 bei Kroge.

Die Positionen der Bürgerinitiativen und des Ministers liegen hier zum Teil weit auseinander: So wird beispielsweise, unterstützt von Grünen und SPD, ein Moratorium gefordert, also die Aussetzung neuer Bohrungen bis zum Ende der Studien, die sich mit einem möglichen Zusammenhang von Erdgasförderung und einer erhöhten Anzahl von Krebserkrankungen im Landkreis Rotenburg/Wümme befassen. Diese Forderung, so der Minister, gebe es zwar aus dem politischen Raum: „Es existiert dazu aber keine gesetzliche Grundlage. Wir können einen bestehenden Rechtsanspruch eines Förderunternehmens nicht einfach außer Kraft setzen. Vorstellbar wäre dies nur als freiwilliges Moratorium.“

Gleichwohl, unterstrich Althusmann gegenüber der Presse, nehme er die Sorgen der Menschen in den Erdgasförderregionen sehr ernst. Deshalb habe er auch den Bürgerdialog vor Ort, also direkt in Dorfmark, angeboten. Der Minister machte deutlich, daß Niedersachsen bei der Erzeugung regenerativer Energien zwar gut dastehe, aber insbesondere für die Wärmeversorgung werde Gas auch noch in den kommenden Jahren eine große Rolle als Brückenenergieträger spielen. In Niedersachsen als Land mit den größten Gasvorkommen in der Bundesrepublik habe dies auch einen wirtschaftlichen Aspekt mit etwa 8.000 Arbeitsplätzen: „Ein schneller Ausstieg ist in Deutschland nicht möglich. Hoffnung auf einen generellen Stopp der Förderung in Niedersachsen werde ich also nicht machen können.“

Althusmann betonte, die Gewinnung heimischer Energie setze auch einen Konsens mit der Bevölkerung voraus. Dafür warb er und meinte, es gehe darum, Bohrungen mit besten technischen Möglichkeiten und höchsten Sicherheitsstandards zu begleiten.

Ob sich die Gegner davon überzeugen lassen, ist kaum anzunehmen. Wie Hans-Heinrich von Hofe vom Aktionsbündnis gegen Gasbohren unterstrich, „wollen wir ein Moratorium. Das ist noch im Landtag anhängig und wir nach der Sommerpause behandelt. Es gibt schon genügend Bohrstellen, neue sind nicht mehr nötig.“ Und Mitstreiterin Eva Meyerhoff machte die generelle Ablehnung neuer Bohrungen klar: „Wir brauchen Gas als Übergangstechnologie nicht mehr.“ Wichtiger sei statt dessen, Boden, Luft und Wasser zu schützen.

Konkret ging es dem Aktionsbündnis aber auch um direkte Fragen vor Ort: So ist der alte Pachtvertrag von 1996 für Wisselhorst Z1 auf Vermilion übergegangen. Den möchte der Verpächter kündigen. Um gegen diese Kündigung vorzugehen, habe sich das Unternehmen nicht an ein Zivilgericht, sondern an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (Bergamt, LBEG) gewandt, das hier offensichtlich entscheiden könne, so Kirsten Helmke, Ehefrau des Verpächters: „Wir wollen, daß nicht das LBEG, sondern ein Gericht entscheidet.“ Einen weiteren Punkt nannte Meyerhoff: Um Vermilion die Zufahrt zu Dorfmark Z2 zu erschweren, hatte die Winkelhäuser Wegegemeinschaft im Januar ihre Satzung dahingehend geändert, daß im Geltungsbereich nur noch landwirtschaftliche Fahrzeuge die Wege nutzen dürfen. „Unsere Botschaft an den Minister ist, dies nicht auszuhebeln“, Meyerhoff.

Die Probleme sind also vielfältig. Und das Thema, so Althusmann, sei von großer Emotionalität getragen. Er hoffe dennoch auf faire Gespräche und wolle den Bürgerdialog auch weiterhin fortsetzen.

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