Unterschriften gegen Bohrung

Runder Tisch zu Erdgasförderung: Lars Klingbeil im Gespräch mit Bürgern

Unterschriften gegen Bohrung

6.300 Unterschriften - davon knapp 2.500 allein aus Dorfmark - überreichte Barbara Engel-Wortmann vom Aktionsbündnis gegen Erdgasbohren an Lars Klingbeil. Ein deutlicher Ausdruck dessen, wie die Bevölkerung über solche Vorhaben denkt. Genau das wollte sich der hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete vor Ort von Bürgerinnen und Bürgern erläutern lassen, als er für vergangenen Freitag nach Dorfmark zu einem runden Tisch eingeladen hatte. Neu ist das Thema für Klingbeil allerdings nicht, denn schon in den vergangenen Jahren hat er sich intensiv mit Punkten wie Fracking und Erdgasförderung vor allem im Landkreis Rotenburg und der erhöhten Krebsrate dort befaßt.

Probebohrungen und Erdgasförderung stehen schon lange im Fokus heftiger Kritik. Auch in Dorfmark und nicht nur dort gehen die Wellen schon seit geraumer Zeit hoch, denn der kanadische Energiekonzern Vermilion Energy plant solche Maßnahmen an vier Standorten in der Region. Hiesige Parteien haben sich bereits sehr kritisch bis ablehnend gegen Erdgasförderung positioniert. Und der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung eine Resolution verabschiedet, in der er Erkundung und Förderung von Erdgas und Erdöl ablehnt. Grundeigentümer verpachten ihr Land nicht mehr an Energieunternehmen und verweigern ihnen, wo es möglich ist, das Wegerecht.

Die Fronten sind also klar, was sich in Dorfmark auch in den Vorgärten zeigt, wo Plakate an Bohrturmnachbauten verkünden: „Keine Bohrung“. Was die Bürger dort und in der weiteren Umgebung dazu zu sagen haben, machten sie im Gespräch mit Klingbeil deutlich. „Eine ganze Region ist gegen diese Bohrung. Überall, auch in anderen Orten, regt sich der Widerstand“, betonte Hans-Heinrich von Hofe. Die Gasförderung hier sei unnötig, meinte er.

Was die Bürgerinnen und Bürger befürchten, wenn erst einmal gefördert würde, ist bereits vielfach genannt: Erdbeben, Gebäudeschäden und immense Wertverluste für Immobilien in Bohrortnähe. Vor allem aber geht es um die Angst vor gesundheitlichen Schäden durch Gifte, die möglicherweise in Luft und Wasser geraten könnten. Häufig genannt wird dabei exemplarisch die erhöhte Anzahl von Krebserkrankungen im Landkreis Rotenburg/Wümme etwa in Bothel. Hier, so Klingbeil, laufe derzeit noch eine Studie über einen möglichen Zusammenhang zwischen Erdgasförderung und Erkrankungsaufkommen. Die Kreis-SPD habe sich da für ein Moratorium ausgesprochen, also die Aussetzung von Genehmigungen neuer Bohrungen bis zum Ende der Studien. Wie Klingbeil unterstrich, sei er auch in Kontakt mit den hiesigen Landtagsabgeordnten von SPD und CDU, denn es gehe hierbei nicht um parteipolitische Profilierung, sondern um um ein wichtiges Thema der Region.

Unterstützung aus Hannover jedoch vermissen die Bohrungsgegner. Zwar habe es einen Termin gegeben, bei dem sich Wirtschaftsminister Bernd Althusmann alles von den Verbänden aus der Region angehört habe. Er habe aber auch klargemacht, ein generelles Erdgasförderverbot werde es nicht geben. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (Bergamt, LBEG), das nach dem Bergrecht handele. So meinte die Rieperin Eva Meyerhoff vom Aktionsbündnis: „Herr Althusmann ist Wirtschaftsminister und steht vor dem LBEG. Es ist nicht zu erwarten, daß das Land Niedersachsen den politischen Handlungsspielraum nutzt. Niedersachsen wird weiter Erdgas fördern lassen, und da ist das Bergrecht komfortabel für die Unternehmen.“

Und weiter: „Es wäre deshalb gut, das Bergrecht zu ändern, aber das würde zu lange dauern. Es gibt eine in Jahrzehnten gewachsene Verzahnung von LBEG und Förderfirmen. Es ist nicht hinzunehmen, daß Genehmigungs- und Kontrollbehörde identisch sind und daß den Unternehmen die Kontrolle selbst überlassen bleibt.“ In diese Kritik stimmt auch von Hofe ein: „Es kann nicht sein, daß das Bergrecht über allem steht. In den vergangenen fünf Jahren hat das LBEG keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gefordert, sondern alles durchgewinkt. Das geht gar nicht.“ Daß eine UVP nicht unbedingt eine Ergasbohrung verhindert, ist den Kritikern zwar klar. Daß aber bei anderen Vorhaben oft eine UVP nötig ist, sie bei Bohrungen jedoch offenbar selten angeordnet wird, bestärkt die Kritiker, daß hier mit zweierlei Maß gemessen werde. Dazu meinte Klingbeil: „Verantwortlich dafür ist allerdings nicht der einzelne Beamte des LBEG. Das LBEG kann nur das machen, was die Politik vorgibt.“

Bei aller Kritik gab es auch Vorschläge, wie sich gegen Bohrvorhaben vorgehen ließe. Vom Wasserhaushaltsrecht bis zum Raumordnungsprogramm reichte hier das Spektrum. Klingbeil jedenfalls, der versprach, Experten zu kontaktieren und das politische Gespräch zu suchen, betonte: „Die ganze Region macht sich auf. Ich glaube, da ist noch viel Musik drin. Und es gibt einige Optionen, tätig zu werden.“

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