Rehkitzrettung mal von oben

Versteckten Vierbeinern mit der Drohne auf der Spur

Rehkitzrettung mal von oben

In einem Gastbeitrag berichtet Hermann Harms, Obmann für Hundewesen beim Hegering Heber, von seinen ersten Erfahrungen moderner Rehkitzrettung in Zusammenarbeit von Landwirt und Jägern.

Als diesen Winter auf einer Versammlung des Hegerings Heber junge Jäger kundtaten, mit einer Drohne auf Kitzrettung zu gehen, war ich, Obmann für das Hundewesen, sehr skeptisch.

Jahrelang sind und waren wir am Abend vor der Mahd mit unseren Hunden durch die Wiesen gelaufen, haben Flattertüten und elektrische Signalgeber aufgestellt. Wir haben darauf vertraut, dass die Ricken (Rehmütter) ihre Kitze aus der Mähfläche führen, was auch immer gut funktioniert hat.

Und jetzt das …

Nun gab ein Wort das andere, und jetzt Anfang Mai bin ich auf dem Weg zum Treffpunkt, um mir die moderne Kitzrettung zeigen zu lassen. Uhrzeit: 4.30 Uhr am Morgen, noch vor der Dämmerung! Bin ich der erste? Fehlanzeige! Als ich vor der Zeit am Treffpunkt ankomme, stehen dort schon drei junge Leute mit Abstand (Covid-19 lässt grüßen) und haben ihr Equipment ausgebreitet.

Eine Drohne MAVIC 2 Enterprise Dual (Wärmebild- und Bildkamera) mit drei zusätzlichen Akkus und handygekoppelter Steuerung, dazu vier Sprechfunkgeräte mit ordentlicher Reichweite.

Als noch zwei Jäger und der Landwirt eingetroffen sind, wird uns erklärt, was zu tun ist. Die Drohne fliegt in 35 Metern Höhe über die zu mähenden Flächen mit Wärmebildkamera nach GPS-Daten und sucht nach Wärmesignaturen. Je früher am Tag das geschieht, je größer sind die Temperaturunterschiede zwischen Kitz, Gras und Umgebung.

Wenn der Drohnenpilot eine Wärmequelle entdeckt hat, kann er auf Normalbild umschalten und die Wärmequelle bestätigen oder verwerfen. Nun kommen wir, die Hilfeleute, zum Einsatz. In Zweierteams, mit Sprechfunk ausgestattet, werden wir zur Wärmequelle gelotst.

Los geht’s: Wie von Geisterhand steigt die Drohne in den Himmel und verschwindet in der Morgendämmerung. Sie fliegt auf ihren Bahnen über die Wiese, kommt und geht.

Da: eine Wärmesignatur auf dem Bildschirm. Nachgeschaut mit der Normalkamera: ist es ein Kitz? Das erste Team wird losgeschickt. Mit Hilfe der Drohne, die über dem Kitz steht, und dem Sprechfunk wird die Stelle gefunden. Nun wird das Kitz mit Handschuhen und Grasbüscheln aus der Wiese getragen. Was für ein Erlebnis!

Die Drohne hat inzwischen schon eine weitere Mähfläche abgeflogen. Das zweite Team wird mit Auto, Sprechfunk und Landkarte zur Wiese hinter dem Wald geschickt, um das Kitz aus der Wiese zu tragen. An diesem Morgen werden in einer Stunde etwa 20 Hektar Wiesen und Weiden abgeflogen. Dabei entdecken wir mehrere Hasen, Rehe, einen Fuchs und zwei Kitze. Ich bin beeindruckt. Der Landwirt kann jetzt eine kon­trolliert wildfreie Wiese mähen, bekommt erstklassiges Futter für seine Tiere und hat für den Tierschutz alles getan. Der Jäger hat viel für den Naturschutz, zur Hege und Pflege des Wildes geleistet und Tierleid verhindert.

Diese moderne Kitzrettung kann nicht kostenlos sein. Drohne, Akkus, Genehmigungen, Sprechfunk und Handys kosten. Aber Landwirtschaft und Jägerschaft können zusammen die Kosten tragen. Am Ende dieses Morgens sitze ich zufrieden am Frühstückstisch. Es ist ein gutes Gefühl, etwas für die Natur und den Naturschutz getan zu haben.

Nur meine beiden Hunde schauen mich vorwurfsvoll an. Aber keine Angst: auch für euch beiden gibt es noch Wiesen und Arbeit für die Kitzrettung.

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