„Am Ende wissen, wie es geht“

„Letzte Hilfe“-Kurse: Hospizdienst Heidekreis Nord und „Lebensbrücke“ laden dazu ein, sich mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen / Erster Kurs am 29. Juni in Soltau

„Am Ende wissen, wie es geht“

Leicht ist das Thema nicht, stößt aber auf reges Interesse: So war die Resonanz auf die „Letzte Hilfe“-Kurse, die vor kurzem in Schneverdingen gestartet sind, enorm (HK berichtete). Dabei beschäftigen sich die Teilnehmer mit dem Sterben, sollen „am Ende wissen, wie es geht“, so der Untertitel des Konzepts. Das stammt von Georg Bollig, der damit ein „kleines 1x1 der Sterbebegleitung“ vermitteln möchte. Mehr darüber können Interessierte auch bald in anderen Kommunen des Heidekreis erfahren: Hierfür haben sich „Lebensbrücke“ und Hospizdienst Heidekreis Nord zusammengetan, um „Letzte Hilfe“-Kurse nun in Soltau und Neuenkirchen sowie in Wietzendorf, Munster und Bispingen anzubieten.

„Wir hatten uns im April bei einer Fortbildung zur ‚Letzten Hilfe‘ getroffen“, erklärt Katja Voss, Koordinatorin des Hospizdienstes Heidekreis Nord, für den auch Diana Krinke tätig ist. Zusammen mit ihren Kolleginnen vom Ambulanten Hospizdienst „Lebensbrücke“, Marianne Kraft und Melanie Bade, sowie weiteren Helferinnen der beiden Einrichtungen beschlossen sie schließlich: „Wir wollen diese Kurse hier gemeinsam auf den Weg bringen“, so Voss. „Denn das Thema liegt uns allen am Herzen“, ergänzt Bade, „da wäre es blöd, wenn jeder etwas einzeln startet.“ Und Krinke fügt hinzu: „Die Kurse sind ebenso wichtig wie Seminare zur Ersten Hilfe. Immerhin sollen sie es Angehörigen und Freunden ermöglichen, das Ende gemeinsam zu meistern“.

Die Kurse stehen jedem offen, sollen vor allem die Ängste nehmen und zeigen: „Sterben ist etwas ganz Natürliches“, so Voss. Und früher hätten die Menschen noch eine ganz andere Sichtweise dazu gehabt, ist sich die Koordinatorin sicher: „Die meisten Menschen starben damals zu Hause, wurden dort zum Teil auch aufgebahrt. Ab den 70er Jahren ist die Berührung mit dem Tod daheim dann allmählich immer mehr verloren gegangen.“ Und obwohl viele heute den Wunsch hätten, die letzten Wochen und Tage in den eigenen vier Wänden zu erleben, „sterben aktuell rund 75 Prozent im Krankenhaus“, so Bade, „und dort ist das mit vielen medizinischen Maschinen und Gerätschaften ein hochtechnisierter Prozeß. Bei ‚Letzte Hilfe‘ sollen sich die Kursbesucher einmal Gedanken über die Frage machen: ‚Wie könnte mein Ende aussehen?‘.“

Dabei behandelt das Konzept von Georg Bollig vier Hauptbereiche: „Sterben als Teil des Lebens“, „Vorsorgen und entscheiden“, „Leiden lindern“ sowie „Abschied nehmen“. „Teilnehmer sollen vor allem ihre Scheu vor dem Thema Sterben verlieren“, hofft Kraft. „In den rund vierstündigen Kursen erfahren die Teilnehmer außerdem, an wen sie sich wenden können, wer wo welche Hilfe anbieten kann, und was alles am besten im Vorfeld geregelt sein sollte“, erläutert Krinke. So gehe es unter anderem um Vorsorgevollmachten und Patientientenverfügungen, aber auch um den Dialog mit Familie und Freunden.

Der Hospizdienst Heidekreis Nord startet mit dem ersten Kurs am 29. Juni, ein weiterer folgt am 21. September. Beide laufen jeweils von 10 bis 14 Uhr in der Bahnhofstraße 15 in Soltau. „Für Oktober oder November planen wir zudem einen Kurs in der ‚Pflegeresidenz im Sticht‘ in Neuenkirchen“, so Voss. Sie nimmt Anmeldungen unter der Telefonnummer 0151-25612560 sowie per E-Mail an info@hospizdienst-heidekreis.de entgegen. Die Teilnehmerzahl ist pro Kurs auf 20 begrenzt.

Das gilt auch die die Termine, die die „Lebensbrücke“ organisiert: Diese sind am 21. August in Wietzendorf, am 18. September in Munster und am 30. Oktober in Bispingen jeweils von 17 bis 21 Uhr in den Gemeindehäusern (in Munster in St. Urbani). Für diese drei Kurse sind Anmeldungen unter der Rufnummer (05191) 60144 oder per E-Mail an info@hospizdienst-lebensbruecke.de möglich.

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