Apotheken geschlossen – Protesttag am 23. März | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Auch Apothekerinnen und Apotheker im Heidekreis beteiligen sich am bundesweiten Aktionstag

Apotheken geschlossen – Protesttag am 23. März

In der gesamten Bundesrepublik bleiben am Montag, dem 23. März, etliche Apotheken geschlossen – auch im Heidekreis. Hintergrund ist der bundesweite Protesttag der Apothekerschaft und deren Forderung nach einer „wirtschaftlichen Stärkung des Arzneimittelhandels vor Ort.“ Für Apothekenbetreiberinnen und -betreiber ist das seit Jahren stagnierende Honorar bei gleichzeitig stark gestiegenen Kosten eine bittere Pille, die sie nicht länger schlucken wollen und können. Der Landesapothekerverband Niedersachsen (LAV) ruft deshalb für den 23. März zum Protesttag und zu einer zentralen Kundgebung in Hannover auf, die um 13 Uhr auf dem Opernplatz in der Innenstadt auf dem Plan steht.

Schon seit einigen Jahren weisen Apothekerinnen und Apotheker auf ihre prekäre Lage hin, unter anderem auch Philipp Schaefer aus Schneverdingen, der die Bahnhofs-Apotheke in der Heideblütenstadt führt und sich erneut am Protesttag beteiligt. Es habe „leider keine positive Entwicklung gegeben“, kritisiert Schaefer: „Im Gegenteil, das Apothekensterben hat sich weiter verstärkt, die Versorgung der Patienten ist gefährdet.“ Deshalb werde auch seine Apotheke am Protesttag geschlossen bleiben und er selbst auch an der Kundgebung in der Landeshauptstadt teilnehmen. „Wir protestieren für die im Koalitionsvertrag zugesagte Honorarerhöhung und eine gesetzlich feste, regelmäßige Anpassung, damit die Versorgung in allen Landesteilen erhalten bleibt“, erklärt Schaefer. Den Kurztrip nach Hannover wird auch Doris Seelig, Inhaberin der Alten Stadtapotheke in Soltau, mit ihren Mitarbeiterinnen antreten, um in der Landeshauptstadt Flagge zu zeigen.

„Es ist wichtig, dass möglichst viele Apotheken mitmachen, um ein starkes Signal zu setzen. Wir engagieren uns für eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung vor Ort, auf die insbesondere viele ältere Menschen angewiesen sind. Wir wollen auch weiterhin gute Arbeit leisten“, konstatiert Seelig. Frank Germeshausen, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des LAV, fasst zusammen, wo der Schuh drückt: „Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Anpassung des Apothekenhonorars versprochen. Wir unterstützen deshalb das aktuelle Gesetzgebungsverfahren von Bundesgesundheitsministerin Warken und die parallel laufende Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung ausdrücklich, um die jahrelang ausbleibende Anpassung der Vergütung schnellstmöglich umzusetzen, denn wir werden es nicht zulassen, dass die Apotheken kaputtgespart werden!“

Die Zahl der Apotheken gehe rasant zurück – auch in Niedersachsen. Apothekenschließungen bedeuteten für die Patientinnen und Patienten noch längere Wartezeiten, verkürzte Öffnungszeiten und weitere Wege, um ihre Arzneimittel und die dazugehörige Beratung zu erhalten. „Die Politik muss jetzt ihr Versprechen halten. Tut sie es nicht, werden weitere Kolleginnen und Kollegen ihre Betriebe schließen und die Patientinnen und Patienten vor Ort darunter leiden, weil sich ihre Versorgungslage weiter verschärft“, warnt Germeshausen. Seit 2013 sei die Apothekenvergütung nicht angepasst worden, dabei seien die Kosten in diesen 13 Jahren um 65 Prozent gestiegen. Viele Apotheken könnten diesen Druck nicht mehr standhalten und müssten schließen. Auch die Übernahme einer Apotheke oder Neugründung werde für junge Apothekerinnen und Apotheker zunehmend unattraktiver. „Kaum ein junger Mensch möchte unter diesen Voraussetzungen noch eine Apotheke eröffnen oder übernehmen. Wir brauchen finanzielle Stabilität, damit auch junge Apothekerinnen und Apotheker den Schritt in die Selbstständigkeit gehen und die Arzneimittelversorgung vor Ort in Zukunft sicherstellen. Auch deshalb protestieren wir am 23. März in Hannover“, unterstreicht Germeshausen.

Für Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen ist es ratsam, ihre Rezepte bereits im Vorfeld einzulösen. Doris Seelig weist darauf hin, dass die Notfallversorgung am besagten Tag ausschließlich über die notdiensthabenden Apotheken erfolgt: „Für den Notdienst ist hier an diesem Tag die Sonnen-Apotheke in Munster zuständig.“