Auswirkungen bisher mild

Immobilienmarkt und Corona: Im April weniger Verträge / Preise gestiegen

Auswirkungen bisher mild

Crash. Kollabieren. Rezession. Dies sind nur einige Begriffe, die derzeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie für sämtliche Wirtschaftszweige gerne genutzt werden. Der Gutachterausschuss Sulingen-Verden, dem alle Notare per Gesetz sämtliche Grundstückskaufverträge zuleiten, hat daher den Immobilienmarkt für seinen Bereich im Herzen Niedersachsens genau im Auge. Ausgewertet wurden die Kaufverträge für Eigenheime, Eigentumswohnungen und Bauplätze für den individuellen Wohnungsbau, diese Sparten machen mengenmäßig den Hauptanteil in den vier Landkreisen Diepholz, Heidekreis, Nienburg und Verden aus.

Der Gutachterausschuss macht keine Prognosen, sondern veröffentlicht ausschließlich Daten und Fakten. Und dies derzeit aus gegebenem Anlass hochaktuell. Seit Beginn der Corona-Pandemie mit dem Shut down Mitte März werden monatliche Auswertungen gefahren und dies sind die Ergebnisse der Analysen für den Landkreis Heidekreis, die die abgeschlossenen Grundstücksverkäufe bis einschließlich Ende April beinhalten. Zu diesem Zeitpunkt wurde übrigens die Maskenpflicht in Geschäften und ÖPNV eingeführt und Geschäfte bis 800 Quadratmeter durften wieder öffnen.

Im Landkreis Heidekreis wurden im ersten Halbjahr 2020 (November 2019 bis April 2020) insgesamt 989 Kaufverträge registriert, dies entspricht ziemlich genau dem ersten Halbjahr 2019. Der Geldumsatz lag mit 258 Millionen Euro deutlich über dem ersten Halbjahr des Jahres 2019 mit 157 Millionen Euro, auch deutlich über den jeweils ersten Halbjahren 2016 bis 2018. Auch wenn man hier einige wenige Großobjekte außer Acht lässt, liegt der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 über dem der vergangenen Jahre.

Im März wurden beim Gutachterausschuss insgesamt 864 Kaufverträge registriert, hiervon 233 im Landkreis Heidekreis. Der Geldumsatz von insgesamt 160 Millionen Euro lag sogar etwas über dem Mittel der Vormonate. Insgesamt war der Immobilienmarkt in der hiesigen Region im März noch komplett unauffällig. Das verwundert nicht, da der Hauskauf nicht spontanen stattfindet, sondern eines längeren Vorlaufes bedarf.

Im April dagegen hat es einen spürbaren Rückgang der Vertragsabschlüsse gegeben. Normalerweise ist das Frühjahr eine lebhafte Zeit auf dem Immobilienmarkt. Dieser Corona-April jedoch ist von den Vertragszahlen her mit dem Januar vergleichbar, in dem traditionell nur wenige Verkäufe stattfinden. Viel Umsatz gab es wie jedes Jahr im Dezember. Im Mittel der Jahre 2019 und 2020 wurden im Landkreis Heidekreis 54 Eigenheime pro Monat verkauft, diesen März waren es 62, im April nur noch 42. Bei den Eigentumswohnungen ist der Effekt nicht erkennbar, hier gibt es rund ums Jahr starke Schwankungen, der April lag Euromit elf Verkäufen gut im Mittel. Was sich jedoch bisher nicht auffällig geändert hat, sind die Preise. Hier ist der April 2020 so unauffällig wie (fast) jeder andere Monat des vergangenen Jahres. Der mittlere Wohnflächenpreis für ein Ein-/Zweifamilienhaus lag im April bei rund 1.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und damit rund 300 Euro über dem Durchschnitt des Vorjahres.

Schwankungen sind im Jahresverlauf jedoch üblich, in den Monaten Januar bis März lagen die mittleren Wohnflächenpreise bei 1.400 Euro. Reihenhäuser und Doppelhaushälften entsprechen im März und April mit rund 1.200 Euro pro Quadratmeter ungefähr dem Vorjahr. Die durchschnittliche gebrauchte Eigentumswohnung kostete im April rund 1.300 Euro pro Quadratmeter, 400 Euro mehr als im Mittel des Jahres 2019. Aufgrund der wenigen Fälle pro Monat schwanken die mittleren Preise stark, der Wert für April bewegt sich aber noch in der üblichen Spanne. Neue Eigentumswohnungen sind wesentlich teurer, im Mittel bis zu 3.400 Euro pro Quadratmeter, werden im Landkreis Heidekreis jedoch nur in geringer Zahl veräußert.

Der Immobilienpreisindex, der die Preisentwicklungen ausdrückt, ist im ersten Quartal 2020 weiter leicht gestiegen. Auch im noch nicht vollständig ausgewerteten zweiten Quartal gibt es weiter leichte Preissteigerungen für Eigenheime.

Beim Umsatz von Bauland wurden mit 265 Kauffällen rund 30 Fälle mehr als im ersten Halbjahr 2019 registriert. Bei den Preisen der verkauften Bauplätze, die im Landkreis Heidekreis im Mittel zwischen 55 und 95 Euro pro Quadratmeter liegen, gibt es bisher keine Auffälligkeiten. Auch hier bewegt sich der April mit einem mittleren Verkaufspreis von 60 Euro pro Quadratmeter im Schwankungsbereich der Vormonate.

Ob der Immobilienmarkt doch noch vom Coronavirus nachhaltig befallen wird, wird die Zukunft zeigen. Der Gutachterausschuss wird weiter monatlich die Kaufverträge auswerten, um über das aktuelle Marktgeschehen zu berichten.

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