Vereinfachter Zugang zu Impfungen

Landkreis schafft örtliche Angebote und schickt mobile Teams

Vereinfachter Zugang zu Impfungen

Erst war die Nachfrage nach Impfterminen so hoch, dass die anfangs noch geringe Menge an Vakzinen dafür nicht mal annähernd ausreichte. Jetzt stehen genug Dosen zur Verfügung, doch das Interesse scheint zu sinken: „Wir stellen fest: Das Impfen ist im Heidekreis etwas ins Stocken geraten“, meint Manfred Ostermann. Mehr als die Hälfte der Einwohner, so der Landrat am vergangenen Freitag, hätten im Landkreis bereits eine Erstimpfung erhalten. Doch jetzt wolle der Landkreis an die Personenkreise herantreten, die bisher noch nicht geimpft oder noch nicht erreicht werden konnten, und zwar mit dezentralen Angeboten und mobilen Team. Zusammen mit Karsten Mahler, Leiter des Fachbereichs Ordnung beim Heidekreis, und Dennis Protz vom DRK-Kreisverband Bad Fallingbostel erläuterte Ostermann die Maßnahmen, die bereits am 15. Juli starten sollen.

Im Januar nahm das Impfzentrum in der Heidmarkhalle seinen Betrieb auf, mittlerweile haben auch zahlreiche Praxen Patienten „gepikst“. „Beide machen einen guten Job“, lobt der Landrat: „Nach aktuellem Impfstand im Heidekreis sind circa 77.000 Menschen über das Impfzentrum und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit einer ersten Corona-Schutzimpfung geimpft. Bei einer Einwohnerzahl von gut 140.000 ergibt sich eine Durchimpfung mit erster Schutzimpfung von 55 Prozent.“ Hiervon seien unter 16-Jährige abzuziehen, was etwa 20.000 Kindern und Jugendlichen entspreche. Insgesamt gesehen, sei das noch nicht genug, so Ostermann: „Hinsichtlich weiterer Virusvarianten wird eine Durchimpfung von mindestens 80 Prozent empfohlen, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Damit dieses Ziel erreicht wird, werden zeitnah verschiedene Impfaktionen durch den Heidekreis angeboten.“

Drei Maßnahmen richten sich jetzt an impfwillige Personen, aber auch an unentschlossene Bürgerinnen und Bürger. Los geht es mit Impfangeboten direkt in den Kommunen: „Dieses ortsnahe und unkomplizierte Impfangebot durch mobile Impfteams des Impfzentrums Heidekreis ohne erschwerten Zugang durch ein aufwendiges Anmeldeverfahren tritt der eingeschränkten Erreichbarkeit des Impfzentrums über den ÖPNV entgegen. Im Fokus stehen hier insbesondere die Städte, Samtgemeinden und Gemeinden, die keine direkte und einfache ÖPNV-Anbindung an das Impfzentrum im Heidekreis haben und an den Kreisgrenzen liegen“, so Ostermann. Und weiter: „Diese Termine starten am 15. Juli und werden mit zwei Impflinien geplant: Eine Informationslinie ermöglicht ausgiebige Vor-Ort-Beratung durch eine Impfärztin oder einen Impfarzt. Das Angebot richtet sich insbesondere an Personen, die bezüglich einer Impfung unentschlossen sind. Damit setzt ein Aufsuchen der Impfstelle auch keine Impfung voraus. Wer im ersten Schritt eine Impfberatung und -aufklärung wahrnehmen möchte, ist zu diesen Terminen eingeladen. Eine zweite Schnell-Impfline soll den Entschlossenen unnötige Wartezeiten ersparen. Hier erfolgt das ärztliche Impfgespräch in der üblichen Geschwindigkeit. Auch diese Impftage benötigen keine Terminierung. Impf-willige und Menschen mit Informationsbedarf dürfen die Impfstelle direkt anlaufen.“ Die ersten Termine - jeweils von 9.30 bis 15 Uhr - für diese Maßnahmen: Am 15. Juli in Rethem (Ort ist laut Landkreis in Klärung) und in Schneverdingen in der Freizeitbegegnungsstätte; am 16. Juli in Munster in der Hindenburg-Sporthalle und in Lindwedel im Gemeindezentrum; am 19. Juli in Ahlden im Gemeindehaus und in Bispingen im „Spökenkieker“.

Die zweite Maßnahmen ist ein spezieller mehrsprachiger Beratungstermin im Impfzentrum am 23. Juli: „An diesem Termin sollen neben den Sprachvermittlern des Impfzentrums auch Vertrauenspersonen, beispielsweise aus der Migrationsberatung und den Glaubensgemeinschaften anwesend sein, um den Impfwilligen eine gewohnte Ansprechperson in Kombination mit einer mehrsprachigen Impfaufklärung anbieten zu können. Für dieses Angebot wird ebenfalls auf eine Terminierung verzichtet“, erklärt der Landrat.

Nach diesen ersten beiden Maßnahmen kommen die mobilen Teams in Schritt 3 quasi bis vor die Haustür: „In Wohngebieten mit sozial hilfsbedürftiger Bevölkerung werden konzentrierte Impfangebote eingerichtet“, plant Ostermann. „Die von den Städten, Samtgemeinden und Gemeinden benannten Wohngebiete werden nach Abstimmung eines Zeitplans dabei direkt angefahren. In Zusammenarbeit mit der gemeindlichen Sozialarbeit soll diese Bevölkerung im Vorfeld und am Tage des Impftermins direkt angesprochen werden. Die Angebote werden ebenfalls ohne Terminierung und vollständig mobil erfolgen (Impfung in Fahrzeugen).“

Für die Aktionen werden seitens des Impfzentrums Heidekreis Vakzine der Hersteller Biontech, Moderna und „Johnsen & Johnsen“ zur Verfügung gestellt. „Ziel ist es, die einmalige und damit vollständige Impfung mit Johnson & Johnson zu bevorzugen, um unter anderem aus logistischen Gründen die Terminanzahl einzugrenzen“. Zudem sei mit dieser Variante der vollständige Impfschutz schneller zu erreichen, fügt Protz hinzu: „Der Einsatz des Impfstoffes wird individuell von den Impfärztinnen und Impfärzten entschieden.“ Die Angebote gelten allerdings nur für Erwachsene: „Wir werden bei den Terminen keine Kinder impfen, und es wird auch kein Kinderarzt vor Ort sein können“, gibt Mahler zu bedenken.

Natürlich stehe auch das Impfzentrum noch weiterhin für Interessierte offen - allerdings nur noch bis zum 30. September, so Ostermann. Wer sich also jetzt einen Termin für eine Erstimpfung hole, müsse dies bei der Wartezeit bis zur Zweitimpfung einkalkulieren, empfiehlt Protz. Er und seine DRK-Kollegen seien froh, dass der Landkreis jetzt auch niedrigschwellige Angebote vor Ort einrichte: „Es darf einfach keine Hürden mehr geben, zum Impfen zu gehen.“

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