Beim Impfen vorgedrängelt?

Norden und HKK-Mitarbeiter stellen sich hinter Geschäftsführer Dr. Rogge

Beim Impfen vorgedrängelt?

Inzwischen dürfte es vielen im Heidekreis bekannt sein: Dr. Achim Rogge, Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums (HKK), und Pflegedienstdirektorin Meike Heins sind bereits gegen COVID-19 geimpft. Damit, so betont der HKK-Chef, habe er sich allerdings nicht vordrängeln wollen.

Angesichts zahlreicher Beispiele aus anderen Landkreisen ist die Öffentlichkeit inzwischen sehr sensibel, wenn es um die Impfung insbesondere von Funktionsträgern geht, die sich - an Warte- und Prioritätenlisten vorbei - ihren Piks in den Oberarm abholen. Da ist Empörung garantiert - und Schadensbegrenzung angesagt.

Darum ist auch das Heidekreis-Klinikum bemüht. So heißt es in einer Stellungnahme des HKK-Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann Norden, Rogge sei neben anderen Mitarbeitern des Klinikums am 20. Januar aufgrund eines Impfplanes als Reserveperson gegen Corona geimpft worden: „Die öffentliche Diskussion hinsichtlich der Priorisierung von Risikogruppen hat in diesem Zusammenhang zu berechtigten Fragen hinsichtlich der Teilnahme Dr. Rogges an der Impfung geführt.“

Es habe deshalb, so Norden weiter, ein Gespräch mit dem Geschäftsführer gegeben, der seine Beweggründe erläutert und eine Erklärung abgegeben habe: „Das begrüße ich ausdrücklich“, meint der Aufsichtsratsvorsitzende und stellt sich hinter den Geschäftsführer: „Hierbei ist deutlich geworden, dass die Option, als Reserveperson für ausgefallene Impfungen zur Verfügung zu stehen und so einer Verschwendung von Impfdosen entgegenzuwirken, im Vordergrund seines Handelns stand.“

Rogge selbst stellt die Situation in seiner Stellungnahme folgendermaßen dar: „Aufgrund der hausinternen, vom Corona-Krisenstab des HKK offiziell verabschiedeten Priorisierung bin ich am 20. Januar gefragt worden, ob ich mich kurzfristig - aufgrund von ‚Impfausfällen‘ - impfen lassen wolle. Das habe ich damals bejaht. Vor mir sind etliche klinische Mitarbeiter ebenfalls gefragt und geimpft worden. Damals ging ich davon aus, dass in den folgenden Wochen genügend Impfstoff vorhanden sein wird. Heute, in der Mangelverwaltung, kann ich die emotionale Tragweite der Diskussion gut nachvollziehen und würde daher nicht wieder so entscheiden. Mir ist wichtig, dass jedem meiner Mitarbeitenden klar ist, dass ich zu keinem Zeitpunkt meine Stellung ausnutzen wollte, um schnell geimpft zu werden. Sollte der Eindruck entstanden sein, dass ich meine Stellung als Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums zum eigenen Vorteil ausnutzen wollte, so entschuldige ich mich dafür. Es war zu keiner Zeit meine Absicht, mir unredlich einen Vorteil zu verschaffen.“

Drei weitere Mitarbeiter des HKK stärken Rogge da den Rücken. So meint Dr. Ulrich Blumenthal, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am HKK: „Ich habe das Impfkonzept für das HKK Ende Dezember erstellt und dabei Dr. Rogge und Frau Heins ganz oben in die Priorität eingeordnet. Denn laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) und Robert-Koch-Institut (RKI) sollte dort Personal in medizinischen Einrichtungen und an Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur besonders relevant sind, eingeordnet werden. Am 20. Januar 2021 hatte der Landkreis 84 Impfdosen dem HKK zur Impfung des Personals zu Verfügung gestellt. Auf dieser Impfliste standen weder Herr Dr. Rogge als Geschäftsführer noch Frau Heins als Pflegedirektorin. Neun der sogenannten Impflinge konnten beziehungsweise wollten an diesem Tag aus verschiedenen Gründen ihren Impftermin nicht wahrnehmen.“

Diese Argumentation setzt Carsten Schedwill, stellvertretender Pflegedirektor, fort: „Da es am 20. Januar keine weiteren verfügbaren Mitarbeitende aus Priorität 1 gab, habe ich bei Herrn Dr. Rogge und Frau Heins nachgefragt, ob sie beide nachrücken können. Alle Namen der Impfnachrücker wurden den vor Ort anwesenden Personen des Impfzentrums mitgeteilt.“

Und Klaus Hammer, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahmen der beiden Standorte und Beauftragter für Gefahrenlagen, unterstreicht noch einmal: „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir den Geschäftsführer und unsere Pflegedirektorin erst angefragt haben, nachdem wir die auf Prio 1 gesetzten Mitarbeitenden geimpft und die aus der Prio 2 greifbaren Kandidaten hatten nachrücken lassen. Unser Impfkonzept wird vom gesamten Corona-Krisenstab getragen, es steht in keinem Widerspruch zu STIKO und RKI und wird auch ständig anhand dieser Impfvorgaben aktualisiert.“

Für Rogge und Heins ist dies quasi die Absolution. Und der Landkreis als einziger Gesellschafter des HKK schließt sich dem an. Er enthält sich einer eigenen Beurteilung und verweist auf die obengenannte Stellungnahme des Aufsichtsratsvorsitzenden: Das eigenverantwortliche Vorgehen des Heidekreis-Klinikums sei darin ausführlich dargelegt worden, so ein Landkreissprecher auf Anfrage.

Was die Impfreihenfolge für Krankenhäuser betreffe, seien die Abläufe dergestalt, „dass von den Kliniken Listen erbeten werden, in die Personal der Priorität 1 einzutragen sind. In der durch das Land vorgegebenen Liste ist keine direkte Tätigkeit des medizinischen Personals aufgeführt. Nachmeldungen - beispielsweise von Ersatzpersonal bei Abwesenheiten angemeldeter Personen - werden vor Ort erfasst und nach Rücklauf der Liste in das Dokumentationsmodul übertragen. Den Überblick über die Impfdosen hat das Impfzentrum.“

Der Sprecher weiter: „Um bereits aufgezogene Impfdosen nicht verfallen zu lassen, werden Personen der Kategorie 1 aus dem Rettungsdienst oder den ambulanten Pflegediensten kurzfristig informiert und zur Impfung ins Impfzentrum gebeten.“ Schon vorbereitete Impfdosen habe das HKK behalten müssen: „Zum damaligen Zeitpunkt war der Transport aufgezogener Spritzen verboten, so dass eine Rückgabe an das Impfzentrum nicht möglich war.“

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