Zeichen gegen Gewalt setzen

Brötchentüten-Aktion soll zur Diskussion am Frühstückstisch anregen

Zeichen gegen Gewalt setzen

„Gewalt ... kommt nicht in die Tüte“ - dieser markante Satz soll zur Diskussion am Frühstückstisch anregen. Zu finden ist der Spruch jetzt wieder als Aufdruck auf 40.000 Brötchentüten, von denen die eine Hälfte im Heidekreis, die andere im Landkreis Celle in Umlauf geht. In mehr als 90 Verkaufsstellen verschiedener Bäckereien gehen die Tüten ab dem 25. November über die Ladentheken. Zusammen mit der Bäckerinnung setzen die Gleichstellungsbeauftragten des Heidekreises, des Landkreises Celle und dem Runden Tisch gegen Häusliche Gewalt Celle mit der gemeinschaftlichen Aktion ein Zeichen. Am vergangenen Dienstag stellten die Beteiligten in Wietzendorf das Projekt vor.

Der 25. November ist nicht zufällig gewählt, sondern als „Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ das passende Datum als Start für die Aktion. Die läuft im Heidekreis bereits zum 16. Mal, im Landkreis Celle ist es die zweite Auflage. Der Hintergrund hierfür: Anfang des vergangenen Jahres entstand aus der Fusion der Bäckerinnungen Celle und Soltau-Fallingbostel die Bäckerinnung Lüneburger Heide. Deren Obermeister Dirk Wrogemann begleitet das Projekt schon von Beginn an. „Alle Innungsbetriebe machen mit, jeweils 13 in jedem Landkreis“, freut sich der Wietzendorfer. Im Celler Raum seien es 52 Verkaufsstandorte, im Heidekreis 40 - viele Stellen also für eine breite Verteilung der Brötchentüten.

Auf denen finden sich zudem die Anlaufstellen bei Häuslicher Gewalt sowie entsprechende Telefonnummern und Internetadressen. Das bringt Aufmerksamkeit: Mit den Tüten werde das Thema „Häusliche Gewalt“ direkt in die Haushalte hineingetragen, zum Diskrus angeregt und hoffentlich dazu, im eigenen Umfeld genauer hinzuschauen und die Hilfsangebote zu nutzen - so hoffen die Beteiligten. „Wir erreichen über die Aktion Aufmerksamkeit, und so eine Brötchentüte mit Botschaft ist vielleicht ein unterschätztes ‚Medium‘. Jedenfalls ist es ein niedrigschwelliges Angebot“, so die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Walsrode, Priska Wethkamp.

Sie hebt noch einmal hervor, wie wichtig der alljährliche Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen am 25. November sei - und (leider) so aktuell wie nie zuvor, wie die Zahlen untermauerten. Die Daten für das Jahr 2020 hat Frauke Flöther vom Verein „Frauen helfen Frauen“ festgehalten.

So spiegelt die Statistik des vergangenen Jahres für das Frauenschutzhaus Walsrode auch ein Stück weit die Ereignisse der Coronakrise wider: „Als das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, stellte das Frauenhaus den Notruf aus Sicherheitsgründen bis zum 20. Juli ein. Für hilfesuchende Frauen war die Einrichtung nur eingeschränkte erreichbar. Jede Aufnahme erfolgte ausnahmsweise durch das Team, die Notruf-Mitarbeiterinnen hatten Pause. In den ersten Wochen wurden ausschließlich Frauen aus dem Heidekreis aufgenommen“, so Flöters Bericht, bevor die Schutzeinrichtung wieder für ganz Niedersachsen habe öffnen können.

Doch die Plätze im Frauenschutzhaus Walsrode sind rar - das zeige in der Erfassung von Frauke Flöter die Belegung 2020: „Die Auslastung betrug bei sechs durch das Land Niedersachsen geförderten Plätzen 96 Prozent. 2019 waren es 78,6 Prozent. 21 Frauen (mit insgesamt 44 Kindern) konnten aus Platzmangel nicht aufgenommen werden.“

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