Corona im Heidekreis: Volle Schülerbusse und Behördenmitarbeiter am Limit

Landrat Manfred Ostermann appelliert an die Bevölkerung, die Corona-Regeln weiterhin einzuhalten

Corona im Heidekreis: Volle Schülerbusse und Behördenmitarbeiter am Limit

Wieder steigende Corona-Zahlen im Landkreis Heidekreis, der Beginn des Schulbetriebes nach den Sommerferien und die glücklicherweise glimpflich verlaufenen „Corona-Alarme“ in zwei Pflegeheimen im Landkreis haben Landrat Manfred Ostermann dazu bewogen, zu einem Pressegespräch über die aktuelle Lage einzuladen. Gemeinsam mit Dr. Andreas Happersberger, Leitender Amtsarzt des Heidekreises, Karsten Mahler, Leiter des Fachbereichs Ordnung, sowie Manuela Michels von der Heimaufsicht informierte der Landrat am Montag über die jüngsten Entwicklungen. Im Vordergrund stand dabei ein Appell an die Bevölkerung, sich in den Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie auch weiterhin an die „Spielregeln“ zu halten, also die Abstands- und Hygieneregeln zu befolgen und stets eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, wenn es geboten ist.

„Ich gehe momentan nicht davon aus, dass eine größere Entscheidung vom Land Niedersachsen kommt“, so Ostermann und spielte damit auf einen möglichen erneuten Lockdown an: „Ich sehe es aber schon auf uns zukommen, dass wir gegebenenfalls handeln müssen. Und ich möchte unbedingt vermeiden, dass Geschäfte oder auch die Freizeitparks wieder geschlossen werden müssen. Das aber setzt voraus, dass wir alle uns auch weiterhin an die Regeln halten. Meiner Meinung nach bekommen wir die Situation erst richtig in den Griff, wenn wir einen Impfstoff haben.“

Mit den Alten- und Pflegeeinrichtungen in Soltau und Walsrode (HK berichtete) habe es zwei Corona-Hotspots im Heidekreis gegeben, wobei sich der in Soltau zunächst positive Test als Fehlalarm herausgestellt habe. In beiden Fällen habe sich aber gezeigt, so Ostermann, dass „die Absprachen mit den Heimen funktioniert haben. Die Zusammenarbeit war gut.“ Einen „ersten Knall zum Schulanfang“ habe es an der KGS Schwarmstedt gegeben, die daher erst zwei Tage später geöffnet worden sei. „Auch das haben wir in den Griff bekommen“, konstatierte der Landrat. In diesem Zusammenhang lobt Heimaufsicht Manuela Michels die 31 Pflegeeinrichtungen im Heidekreis, für die die Ordnungsbehörde zuständig ist. „Alle Pflegeeinrichtungen sind sehr rührig. Das, was dort geleistet wird, ist enorm. Die Häuser tauschen sich gut untereinander aus und werden von mir intensiv beraten. Wir haben einen intensiven Kontakt.“ In den Pflegeheimen gebe es derzeit zunehmend die Sorge, dass Urlaubsrückkehrer das Virus in die Einrichtungen tragen könnten. „Deshalb wünsche ich mir, dass die Angehörigen bei Besuchen bewusst und sensibel die Regeln einhalten.“ Wegen der Fülle der zu beachtenden Vorsichtsmaßnahmen seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeeinrichtungen extrem gefordert. Die Gefahr einer Überlastung sei aktuell höher denn je. „Und schon jetzt haben alle Angst vor dem Herbst und Winter“, so die Heimaufsicht. Wenn erst einmal gewöhnliche Grippen und Erkältungen grassierten, dann werde es schwierig, diese Symptome von denen einer Covid19-Erkrankung zu unterscheiden.

Insgesamt hatte es bis zum vergangenen Montag 111 Corona-Fälle im Landkreis gegeben. Zwei der Erkrankten sind verstorben und 97 wieder genesen. Das bedeutet, dass es aktuell noch zwölf erkrankte Personen im Heidekreis gibt. Keiner der Betroffenen müsse aktuell auf der Intensivstation behandelt werden, berichtete Dr. Andreas Happersberger. „Es gibt zwar steigende Fallzahlen, aber die Zahl an schweren Verläufen hat nicht zugenommen“, so der Leitende Amtsarzt. Das könne einerseits daran liegen, dass mehr getestet werde, andererseits auch daran, dass es größtenteils junge Leute seien, die sich zum Beispiel im Urlaub angesteckt hätten. „Ich bin zwar kein Virologe, aber eine weitere Theorie ist, dass sich das Virus bereits verändert hat“, so Happerberger. Unverändert hoch ist die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die wegen Corona nach wie vor alle Hände voll zu tun haben, wie sowohl Ostermann als auch Happersberger betonten. „Wir stellen fest, dass wir an unsere Grenzen stoßen, was das Personal angeht. Unser Stellenplan ist aber endlich. Wir können ja nicht mal ‚eben so‘ per Fingerschnipp 30 neue Mitarbeiter einstellen, die dann auch sogleich wissen, was sie wo zu tun haben“, so Ostermann. Das vorhandene Personal sei seit März extrem gefordert: „Wir sind hier am Limit.“ Das kann Happersberger nur unterstreichen: „Im Moment sind wir in der Lage, Infektionsketten zu unterbrechen. Wenn aber drei Kohorten pro Woche mit je 30 Leuten hinzukommen, dann wird es schwierig. Da sind unsere Ressourcen endlich.“

Happersberger geht davon aus, dass 90 Prozent der Fälle im Heidekreis auf Reiserückkehrer zurückzuführen sind. Die Betroffen hätten sich im osteuropäischen Raum, aber auch in Ländern wie Spanien, Griechenland, der Türkei und zu Beginn der Pandemie in Österreich angesteckt.

Die Verantwortlichen hoffen, dass die Bevölkerung dabei mithilft, einen weiteren Anstieg der Corona-Zahlen zu verhindern. Das aber scheint nicht für alle selbstverständlich zu sein. Was die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln und das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen angeht, so stellt Happersberger in der Bevölkerung „eine gewisse Ermüdung“ fest: „Die Leute halten sich zunehmend nicht mehr an die Regeln, gerade auf privaten Feiern. Und das macht die Arbeit in der Gesundheitsvorsorge extrem kompliziert.“ Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Beerdigungsfeier am vergangenen Mittwoch in Soltau, bei der deutlich mehr Gäste als zugelassen erschienen waren, so dass die Polizei eingreifen mußte. Laut Fachbereichsleiter Karsten Mahler seien im Landkreis seit Ausbruch der Corona-Pandemie etwa 400 Bußgeldverfahren vorbereitet worden. In zwei Fällen habe es wegen Verstößen gegen die Auflagen Zwangsgeldfestsetzungen in Höhe zwischen 1.000 und 4.000 Euro gegeben. In einem der beiden Fälle sei eine Eisdiele betroffen gewesen. Laut Ostermann gebe es im Landkreis zwar kein „Denunziantentum“, „die Zahl der Verstöße, die gemeldet werden, nimmt jedoch zu.“ So meldeten sich Bürger zum Beispiel, wenn sich jemand auf gesperrten Spielplätzen aufhalte oder in Gastronomiebetrieben nicht auf die erforderlichen Abstände geachtet werde. Auch die Nichtbeachtung der Corona-Regeln in Freizeitparks werde immer wieder mal gemeldet. „Eine Anzeige wollen viele dann jedoch nicht machen, weil sie mit dem weiteren Verlauf nichts mehr zu tun haben wollen“, berichtete Ostermann.

Gut zu tun werden die Verantwortlichen des Heidekreises auch künftig in der Corona-Krise haben. Aktuell ist der Schülertransport ein wichtiges Thema. „Wir haben festgestellt, dass wir mit den Bussen an unsere Kapazitätsgrenzen kommen und wollen möglich machen, was möglich ist. Teilweise stehen Reisebusse zur Verfügung, aber das Fahrpersonal können die Busunternehmen nicht von jetzt auf gleich erhöhen“, so Ostermann: „Wir sind jetzt in der Abstimmung, was noch zusätzlich geleistet werden kann.“

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