Die meisten Parteien wollen den Wechsel

Breite Unterstützung für Jens Grote als Kandidat für den Landratsposten

Die meisten Parteien wollen den Wechsel

Am Ende ging alles ziemlich schnell. Nach der Vorstellung in der vergangenen Woche stellten sich CDU, SPD, die Grünen, Bürgerunion (BU) Soltau und die Bürgerlisten aus Bad Fallingbostel und Walsrode hinter einen gemeinsamen Kandidaten, den die Parteispitzen am Montag präsentierten: Jens Grote, Jurist und derzeit Präsident der Landesaufnahmebehörde, will bei der Landratswahl im September antreten und um das Spitzenamt im Heidekreis kämpfen.

Jens Grote ist seit 2016 Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen mit elf Stand- und Dienstorten im Land, zu denen auch das Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel-Oerbke gehört. Grote übernahm die Leitung der Behörde kurz nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Seine Aufgabe war es, die Behörde in der heutigen Form aufzubauen.

Zuvor war der 1968 in Hannover geborene Behördenleiter an verantwortlicher Stelle in unterschiedlichen Bereichen der niedersächsischen Justiz tätig: Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Hannover und dem zweiten juristischen Staatsexamen arbeitete Grote zunächst als Rechtsanwalt mit Schwerpunkten im Arbeits- und Zivilrecht. Nach seinem Wechsel in die niedersächsische Justiz folgten Aufgaben als Richter am Landgericht Hannover und am Amtsgericht in Lehrte.

Anfang der 2000er Jahre wechselte Grote zur Staatsanwaltschaft Hannover und fokussierte sich auf die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption. In dieser Funktion war er maßgeblich am Aufbau der ersten Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung von Korruptionskriminalität in Niedersachsen beteiligt. Im Zeitraum 2006 bis 2009 war er als Referent für Strafprozessrecht sowie organisierte Kriminalität und anschließend als Referatsleiter im Niedersächsischen Justizministerium tätig. Ab dem Frühjahr 2009 sammelte Grote Erfahrungen als stellvertretender Leiter der Justizvollzugsanstalt Sehnde und kehrte als Referatsleiter und stellvertretender Abteilungsleiter ins Niedersächsische Justizministerium zurück. Hier begleitete er zahlreiche Gesetzgebungsverfahren für den Justizvollzug federführend. Jens Grote ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 23 und 18 Jahren. Seine Ehefrau hat griechische Wurzeln und ist als Erzieherin für die Landeshauptstadt Hannover tätig.

Er selbst meint zu seiner Kandidatur: „Nach 27 Jahren im Landesdienst freue ich mich auf eine neue Herausforderung im schönen Heidekreis.“ Ihm sei die Region noch durch Ausflüge aus seiner Kindheit bekannt, „und den Heeresstandort Munster habe ich als Wehrdienstlei­stender kennengelernt. Außerdem sei das Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel-Oerbke eine bedeutende Dienststelle seiner Behörde.

Und weiter: „Gemeinsam mit den Menschen und Verantwortlichen im Heidekreis möchte ich nach den be­sten Ideen und Lösungen für den Heidekreis suchen, damit er auch in Zukunft lebenswert bleibt. Ich würde mich freuen, wenn es gelänge, eine Kultur des Miteinanders zu schaffen, damit aus Gemeinsamkeit Stärke entsteht. Nur so wird sich der Heidekreis gut entwickeln können.

Neben anderen Dingen werde es eine große Aufgabe sein, „den Heidekreis zusammenzuführen und die unterschiedlichen Kreisteile und die Kommunen auf dem Weg in die Zukunft transparent und mit dem nötigen Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse mitzunehmen. Der Heidekreis steht vor großen Herausforderungen. Ich möchte gemeinsam die Weichen richtig stellen.“

Offenbar konnte Grote bereits überzeugen: CDU-Kreisvorsitzender Gerd Engel und CDU-Kreistagsfraktionschef Torsten Söder sehen in ihm einen Kandidaten, der klar Position beziehen, Ideen entwickeln und gemeinsame Ziele verfolgen könne. Auch die Doppelspitze der Kreis-SPD, Aynur Colpan und Sebastian Zinke, loben Grote. Colpan: „Er hat bewiesen, dass er unterschiedliche Positionen zusammenbringen und neue Ideen entwickeln kann.“ Und Zinke, gleichzeitig auch SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender: „Wir wollen mit diesem Personalvorschlag einen Neuanfang für den Heidekreis ermöglichen. Jens Grote ist hervorragend qualifiziert und hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er auch schwierige Aufgaben bewältigen kann. Er kann zusammenführen und unterschiedliche Interessen ausgleichen. Das ist genau das, was es jetzt braucht, um den Heidekreis in eine gute Zukunft zu führen.“ Dr. Hans-Peter Ludewig, Kreistagsfraktionschef der Grünen, setzt auf Grote, was die Berücksichtigung von Umweltthemen betrifft. Thorsten Schröder schließlich, Vorsitzender der Bürgerunion, betont, die BU meine, „dass es nun Zeit für einen Wechsel an der Spitze des Landkreises und somit für einen echten Neuanfang ist.“

Auch der Kreis-FDP wurde Grote vorgestellt, doch die gehört nicht zu den Unterstützer-Parteien. Dazu Vorsitzende Tanja Kühne: „Wir halten Herrn Grote für qualifiziert.“ Dennoch sei die FDP noch skeptisch, weil jetzt alles viel zu schnell gegangen und der Kandidat quasi aus dem Hut gezaubert worden sei: „Wir haben noch kritische Fragen. Wir werden später entscheiden, ob wir uns den Unterstützern anschließen oder vielleicht auch nicht.“

Mit der Unterstützung eines gemeinsamen Kandidaten sprechen sich die Parteien auch eindeutig gegen Amtsinhaber Manfred Ostermann aus, der in den vergangenen Wochen vor allem auch von der SPD reichlich Kritik einstecken musste, dies insbesondere in Zusammenhang mit der Informationspolitik zum geplanten Klinikumsneubau.

Dem 62-Jährigen, der 2007 den Landratsposten übernahm, scheint jetzt jede politische Rückendeckung für eine mögliche erneute Kandidatur im September verloren gegangen zu sein. Ob er dann noch einmal antritt, ließ er auf Anfrage zunächst offen: „Ich werde mich rechtzeitig dazu positionieren, zu den gesamten Umständen und was damit zusammenhängt.“

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