Zeichen gegen Gewalt setzen

Initiative von Bäckerinnung, Gleichstellungsbeauftragten und „Frauen helfen Frauen“: 14. Brötchentüten-Aktion soll wieder zur Diskussion am Frühstückstisch anregen

Zeichen gegen Gewalt setzen

Seit nunmehr 14 Jahren werden im Heidekreis über die Betriebe der Bäckerinnung Soltau-Fallingbostel Jahr für Jahr Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt?! ...kommt nicht in die Tüte!“ verteilt. 20.000 Stück gehen in den kommenden Tagen bei der diesjährigen Aktion über die Ladentheken der rund 35 Verkaufsstellen. „Die Initiative gibt es insgesamt zwar schon länger, aber Frauke Flöther, Vorsitzende des Vereins ‚Frauen helfen Frauen‘, und die damalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Soltau, Christine von Dollen, hatten vor 14 Jahren die Idee, sie in den Heidekreis zu holen“, erklärt Priska Wethkamp. Die Gleichstellungsbeauftragte aus Walsrode und der Gemeinde Bomlitz stellte zusammen mit ihren Kolleginnen aus dem gesamten Landkreis sowie Vertretern der Bäckerinnung - Obermeister Dirk Wrogemann und Claudia Wolther, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit - die diesjährige Auflage des Projektes vor: Beim Treffen am vergangenen Montag in Dorfmark ging es dabei auch um das Frauenhaus Walsrode, das am 1. März 2020 sein 30jähriges Bestehen feiert.

Mit Fahnen und verschiedenen Aktionen werden beim internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November wieder Zeichen gegen solche Misshandlungen gesetzt - und das auch im Heidekreis: Hier wird auch dieses Jahr wieder auf das Thema aufmerksam gemacht, indem es mit einer Brötchentüten-Aktion an den Frühstückstisch geholt wird. „Für uns ist es einfach, als ‚Verteiler‘ zu fungieren und die Tüten an die Kunden auszugeben. Sicher erreichen wir jedoch nur selten jene, die das Thema direkt betrifft“, meint Wolther. „Doch wir hoffen, Menschen für das Thema zu sensibilisieren, damit sie in ihrem Umfeld vielleicht auf Hinweise achten und sich um Betroffene kümmern.“ Weitere Aufklärung könne das Faltblatt der Organisation „Terre des femmes - Menschenrecht für die Frau“ geben: „Der Flyer des Vereins ist ebenfalls in den Verkaufsstellen erhältlich.“ Flöther jedenfalls ist froh über die Beteiligung der Bäckerinnung, „die damit zusammen mit uns ein Zeichen gegen Gewalt setzen möchte.“

„Insgesamt beteiligen sich dieses Jahr 13 Bäckereien. Und wir sind immer gern Teil der Initiative. Und das natürlich auch im kommenden Jahr - dann vielleicht mit einer neugestalteten Brötchentüte“, so Wrogemann. Das hofft auch Wethkamp: „Eventuell soll die Tüte ab dem kommenden Jahr in mehreren Sprachen bedruckt sein.“ Probleme bei der Verständigung gebe es oft, fügt Flöther hinzu: „Das Frauenhaus hat 2018 insgesamt 29 Frauen (und 43 Kinder) aufgenommen, 23 von ihnen mit Migrationshintergrund - da brauchen wir oft die Hilfe von Dolmetschern.“ Das Frauenhaus habe damit übrigens eine Auslastung von 115 Prozent erreicht, so die Vorsitzende weiter, „mehr geht einfach nicht.“

Und sie präsentierte noch weitere Zahlen aus dem vergangenen Jahr: „Wir haben 105 Beratungen durchgeführt, 254 Fälle von häuslicher sind uns 2018 gemeldet worden, 223 davon wurden von der Polizei aufgenommen. Betroffen waren 224 Frauen und 30 Männer.“ Dabei fange die Gewaltspirale nicht immer sofort mit körperlichen Übergriffen an, weiß Flöther: „Oft werden die Betroffenen anfangs bedroht oder gedemütigt - erst später kommt es dann zu Gewalt.“ Und Betroffene gebe es dabei in allen sozialen Schichten, „wir lernen nur meist die aus den unteren kennen, jene, die kein Geld haben, um sich selbst vorübergehend aus dem Kreislauf zu befreien und sich eine Weile abzusetzen.“

Auf eine Aktion begleitend zur „Terre des femmes“-Initiative machte die Schneverdinger Gleichstellungsbeauftragte Agnes Prengemann aufmerksam: „Das diesjähriges Schwerpunktthema ist ‚#sexistunbezahlbar: Für eine Welt ohne Prostitution!‘. ‚Terre des femmes‘ setzt sich seit langem für die sexuelle Selbstbestimmung aller Frauen ein. Zu diesem Thema haben wir die Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss am 26. November um 19 Uhr in das Schneverdinger Kino des Vereins ‚LichtSpiel‘, Oststraße 31, eingeladen. Es werden Ausschnitte ihres Dokumentarfilms ‚Lovemobil‘ gezeigt, zudem soll darüber diskutiert werden. Der Eintritt ist frei, Spenden werden dem Frauenhaus zugute kommen.“

Logo