„Haben ab jetzt keinen Spielraum mehr“

Landkreis zu Maßnahmen, wenn Inzidenz nun 100er-Marke überschreitet

„Haben ab jetzt keinen Spielraum mehr“

Drei aufeinanderfolgende Tage, in denen der Inzidenzwert bei 100 oder darüber liegt - das seien die entscheidenden Kriterien, so Manfred Ostermann: „Ab jetzt haben wir keinen Spielraum mehr.“ Der Landrat erläuterte am vergangenen Dienstag, was die neuen Regelungen nach geänderter Niedersächsischer Corona-Verordnung und überarbeitetem Infektionsschutzgesetz mit sich bringen. Dann greifen am vierten Tag die Allgemeinverfügungen mit erheblichen Auswirkungen ab Tag 5: Unter anderem gilt im gesamten Landkreis ab 22 Uhr eine Ausgangssperre. Maßnahmen, mit denen Ostermann nicht unbedingt glücklich ist: Denn es werde dann ein „Richtlinien-Teppich“ über den kompletten Landkreis gelegt, „selbst wenn beispielsweise in Schwarmstedt die Zahlen extrem hoch und viele Kilometer entfernt in Neuenkirchen äußerst niedrig sind.“

„Seit dem 24. April sind die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes sowie die darauf angepasste Niedersächsische Corona-Verordnung in Kraft“, so Ostermann beim Pressegespräch am vergangenen Dienstag. An diesem Tag lag der Inzidenzwert für den Heidekreis laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 88,9, am Mittwoch bei 81,7, am Donnerstag bei Redaktionsschluss bei 86,7. Nach dreistelligen Werten noch bis vor knapp zwei Wochen ist derzeit also die Lage etwas entspannter. „Im Heidekreis liegt die 7-Tage-Inzidenz seit dem 21. April konstant unter 100. Aktuell ergeben sich für den Heidekreis somit keine Einschränkungen auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes und der neuen Landesverordnung“, so Ostermann.

Er halte die bundeseinheitlichen Regelungen für einen Flächenlandkreis wie den Heidekreis für unpassend: „Grundsätzlich bin ich ein Freund von individuellen Regelungen vor Ort. So hatten wir das Geschehen bisher immer genau im Blick, konnten entsprechend gezielt reagieren.“ Als Beispiel nannte Ostermann etwa Einzelverfügungen für die Samtgemeinde Schwarmstedt, in der die Fallzahlen in die Höhe geschnellt waren - kurzzeitig mit einem Inzidenzwert vom mehr als 400. Solche Einzelverfügungen - auch diese müssten laut Landrat natürlich begründet und gerichtsfest sein - seien ab seit dem 24. April keine Option: „Das geht nun nicht mehr, jetzt wird alles über eine Kamm geschoren - und das ist schade.“

Sollte hier die 7-Tage-Inzidenz die kritische 100er-Marke an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschreiten, gilt dann für den ganzen Heidekreis: Private Zusammenkünfte nur noch zwischen Mitgliedern eines Haushaltes und einer weiteren Person (ausgenommen sind zu den Haushalten gehörende Kinder bis 14 Jahre), Schließung der Freizeiteinrichtungen, FFP2-Masken im ÖPNV, kontaktlose Sportausübung nur allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des gemeinsamen Haushalts, körpernahe Dienstleistungen nur noch bei medizinischer Notwendigkeit sowie weitere Maßnahmen (alle Regelungen sind detailliert unter www.niedersachsen.de im Internet zu finden). „Im Bereich der Schulen weicht das Land Niedersachsen von den Grenzen des Infektionsschutzgesetzes ab. Hier werden schon ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 die allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen mit Ausnahme der Grundschulen, Förderschulen für geistige Entwicklung und Abschlussklassen ins Szenario C, also den Distanzunterricht, versetzt“, erörterte der Landrat. Ab einer Inzidenz von 165 müssten dann auch die Klassen 1 bis 3 der Grundschulen in den Distanzunterricht gehen.

Er, Ostermann, hoffe natürlich, dass all das nicht nötig werde. Er wünsche sich Zahlen unter 35 und damit im Heidekreis eine Aussicht auf mehr Freiheiten für die Bewohnerinnen und Bewohner. Die sollten, so sein Appell, die kostenlosen Testmöglichkeiten an mittlerweile zahlreichen Stationen im gesamten Landkreis nutzen: „Lassen Sie sich testen!“

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