„Höchster Stand aller Zeiten“

Heidekreis: 425 Millionen Euro Geldumsatz auf dem Immobilienmarkt

„Höchster Stand aller Zeiten“

Nachdem kürzlich die aktuellen Bodenrichtwerte für landwirtschaftliche Flächen vorgestellt wurden (HK berichtete), haben die Experten jetzt die neuen Bodenrichtwerte für Bauland veröffentlicht. Das Ergebnis aus der Datenanalyse des vergangenen Jahres: ein erneuter Rekordumsatz auf dem Immobilienmarkt im Landkreis Heidekreis. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte (GAG) Sulingen-Verden hat hierfür alle in der Erfassung registrierten Kaufpreise für Bauland diskutiert und hieraus die aktuellsten Trends und Richtwerte abgeleitet. Für die Analyse, die die Geschäftsstelle beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) nun herausgegeben hat, konnten sich die Mitglieder der Gruppe wegen der Coronakrise allerdings fast nur „virtuell treffen“: „In diesem Jahr wurden alle Richtwertsitzungen in hybrider Form als Videokonferenz mit wenigen anwesenden Teilnehmern durchgeführt. Für den Heidekreis waren hierbei allein zwei Termine erforderlich“, fasst der GAG-Vorsitzende Gerd Ruzyzka-Schwob zusammen.

Er und seine Kollegen ermitteln die Daten bereits seit vielen Jahren - und stellen sie natürlich auch dieses Mal zur Verfügung, jetzt sogar gratis: „Die beschlossenen Bodenrichtwerte werden im Bodenrichtwertinformationssystem (BORIS-NI) veröffentlicht. Dies ist im Internet unter www.gag.niedersachsen.de zu finden und wird in wenigen Wochen mit den aktuellen Werten frei geschaltet. Ab diesem Berichtsjahr sind alle Richtwerte und der Grundstücksmarktbericht im Internet gebührenfrei einzusehen. Künftig soll die Anwendung auch als Boris-mobile auf mobilen Geräten zur Verfügung stehen. Hierdurch sollen die telefonischen und schriftlichen Anfragen in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses zurückgehen“, so Ruzyzka-Schwob.

Die Expertenrunde stellte bei der Betrachtung der allgemeinen Umsätze des vergangenen Jahres einen neuen Rekord fest: „Im Landkreis Heidekreis erreicht der Geldumsatz auf dem Immobilienmarkt mit insgesamt 425 Millionen Euro den höchsten Stand aller Zeiten. Gegenüber dem Vorjahr wächst der Umsatz damit nochmals um rund 19 Prozent, gegenüber 2017 beträgt die Steigerung des Geldumsatzes auf dem Immobilienmarkt 85 Prozent. Die Zahl der Verkäufe hat mit 1.980 den zweithöchsten Stand seit 2016 erreicht, der Rekord des Vorjahres mit 2.009 Verträgen wurde jedoch knapp verfehlt. Der deutliche Zuwachs des Geldumsatzes ist auf einen Anstieg in den Teilmärkten (Bebaute Grundstücke und Eigentumswohnungen) zurück zu führen. Der Geldumsatz beim Bauland blieb praktisch unverändert“, erläutert Ruzyzka-Schwob. Weniger Veränderungen verzeichneten der LGLN-Dezernatsleiter und die Fachjury im Bereich Bauland: „In 465 Kaufverträgen wurden insgesamt 168 Hektar Bauland mit einem Gesamtumsatz von 51,6 Millionen Euro umgesetzt. Die Zahl der Verträge und der Geldumsatz sind praktisch unverändert. Wohnbauland wurde in 402 Fällen veräußert, alleine hierbei wurden 32,2 Millionen Euro umgesetzt. Die Anzahl ist gegenüber dem Vorjahr leicht um zwei Prozent gesunken, der Geldumsatz ist hingegen um 19 Prozent angestiegen.“

Beim Bauland für Eigenheimgrundstücke gebe es in der Region durchaus Unterschiede: „Der mittlere Preis für den Quadratmeter erschlossenes Wohnbauland beträgt im Heidekreis 70 Euro bei einer mittleren Fläche von 808 Quadratmetern. Die Stadt Walsrode hatte 2020 mit 82 Verkäufen den größten Umsatz an Bauplätzen, hiervon lagen die meisten Bauplätze im Ortsteil Honerdingen. Danach folgt die Samtgemeinde Schwarmstedt mit 35 Bauplätzen. Der Baulandpreisindex stieg im vergangenen Jahr im Heidkreis um rund 13 Prozent, in den vergangenen zehn Jahren sind die Baulandpreise um 55 Prozent gestiegen. Nachdem die Preise jahrelang nur langsam stiegen, hat der Preisanstieg seit 2017 deutlich an Dynamik gewonnen. Eine Trendwende ist nicht zu erkennen, die Nachfrage nach Bauland ist unverändert hoch“, so der GAG-Vorsitzende. Die Preisentwicklung entspreche den benachbarten Landkreisen Nienburg und Verden. „Die Preissteigerungen werden neben der großen Nachfrage durch gestiegene Erschließungskosten in den Neubaugebieten hervorgerufen. Im Mittel des Landkreises liegen die Erschließungskosten bei etwa der Hälfte des Baulandpreises.“

Die Bodenrichtwerte für Wohnbauland liegen im Heidekreis laut der LGLN-Mitteilung zwischen 21 und 82 Euro je Quadratmeter in den ländlichen Orten der Stadt Walsrode, etwa in Sieverdingen mit 21 Euro und in Düshorn bei 82 Euro, und bis zu 190 Euro in den besten Lagen der Stadt Soltau. „Im Mittel sind die Bodenrichtwerte, jeweils bezogen auf das ganze Gebiet der Gemeinde beziehungsweise Samtgemeinde, in Soltau mit 105 Euro am höchsten. Es folgt die Gemeinde Stadt Schneverdingen mit jetzt 84 Euro und die Samtgemeinde Schwarmstedt mit 68 Euro je Quadratmeter. Die Gemeinden/Städte Bispingen, Munster und Walsrode mit einem mittleren Bodenrichtwert für Bauland von 56 bis 63 Euro je Quadratmeter liegen im mittleren Bereich. Am günstigsten ist das Bauland in Rethem mit 33 Euro sowie in Wietzendorf und Neuenkirchen mit 49 Euro“, schlüsselt Ruzyzka-Schwob auf. In den meisten Kommunen seien große Spannen vorhanden, die die unterschiedlichen Lagen berücksichtigten: „Gegenüber dem Vorjahr sind die Richtwerte zwischen sechs Prozent in Wietzendorf und 19 Prozent in Bispingen erhöht worden. Insbesondere in Neubaugebieten steigen die Richtwerte deutlich. Dies ist auch auf die hohen Erschließungskosten zurückzuführen.“ Die höchsten Richtwerte seien in den Zentren an der „Moorstraße“ in Walsrode mit 280 Euro, in Soltau an der „Marktstraße“ mit 270 Euro und in Schneverdingen am Rathaus bei 180 Euro nachgewiesen. In Bad Fallingbostel, Munster und Schwarmstedt lägen die Bodenrichtwerte in den Zentren zwischen 105 und 120 Euro.

Beim sogenannten Geschosswohnungsbau ergebe sich laut LGLN folgendes Bild: „Der Anteil der zur Bebauung mit Mehrfamilienhäusern genutzten Baugrundstücke am Baulandmarkt ist im Landkreis Heidekreis mit nur drei Prozent des Geldumsatzes relativ gering. Die Preise für derartige mehrgeschossig bebaubare Grundstücke liegen wegen der höheren Ausnutzung etwa 40 Prozent über den Preisen für den Eigenheimbau.“

Gewerbebauland wurde nach Angaben der Geschäftsstelle in 49 Verträgen verkauft, womit die gesamte Fläche (15,9 Hektar) geringer war als im Vorjahr. Die Preise für Gewerbebauland seien in einigen Gemeinden dennoch gestiegen, so die Mitteilung, insbesondere Flächen nahe der Autobahn wären gefragt: „An der Abfahrt Dorfmark liegen die Richtwerte für Gewerbebauland bei 20 bis 40 Euro, in Benzen bei Walsrode bei 40 Euro und in Soltau bei 32 Euro. In den Regionen weiter ab von der Autobahn sind die Preise für Gewerbebauland meist stabil geblieben, da noch ausreichend Flächen im Angebot sind. Im Gewerbegebiet von Rethem beträgt der Richtwert zum Beispiel unverändert zehn Euro.“

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