„Immer noch eine Schippe drauf“

Verdi: Verlängerte Notverordnungen lösen keine Probleme in Kitas

„Immer noch eine Schippe drauf“

Sie lehnen die Aufnahme weiterer Kinder über den Standard des Kita-Gesetzes hinaus ab, die Kindertagesstätte in Rethem/Aller und auch andere Kindertagesstätten. „Diese Ablehnung ist gerechtfertigt und wir unterstützen und solidarisieren uns mit der Haltung der Kolleginnen und Kollegen in den Kitas“, schreibt der Vorstand der Gewerkschaft Verdi im Heidekreis in einer öffentlichen Erklärung.

Verdi sei ausdrücklich dafür, dass das Kita-System Kindern aus belasteten Lebenssituationen wie zum Beispiel Flucht „zur Seite steht und ihnen den Zugang zur frühkindlichen Bildung ermöglicht.“ Dafür müsse der Staat zusätzlich zu den Kitas sorgen. „Das Kita-System selbst ist seit Jahren über die Maßen belastet und hat durch Corona sowie den Fachkräftemangel das Limit der Kapazitäten erreicht und vielerorts bereits überschritten“, erklärt Verdi-Sprecher Heinz-Dieter „Charly“ Braun. Der langjährige Kita-Landeselternvertreter fordert: „Wenn wir für alle Kinder eine kindgerechte, gute Pädagogik wollen und für alle Fachkräfte einen Arbeitsplatz, der ihnen diese Arbeit ermöglicht, dann ist die Verschlechterung der Qualitätsstandards ein absolutes Tabu. Die Notverordnung, die seit März 2022 eine Überbelegung der Kita-Gruppen erlaubt, muss deshalb zum 31. Juli 2022 auslaufen und darf nicht verlängert werden.“ Landesregierung und Landtagsabgeordnete müssten für geflüchtete Kinder „jetzt dringend andere Lösungen finden.“

Helga Angenendt, die die Lage aus ihrer langjährigen Betriebsratsarbeit der Lebenshilfe kennt, weiß: „Seit fast 25 Jahren kämpfen Elternvertretungen, freie Träger, Bündnis für Kinder und Familien und die Gewerkschaft Verdi für bessere Qualitätsstandards. Aber bis heute sind die Gruppen viel zu groß und der Personalschlüssel ist viel zu schlecht, als das eine kindgerechte Pädagogik gewährleistet werden kann. Der ohnehin unzureichende Zustand darf keinesfalls weiter abgebaut werden, auch nicht über Notverordnungen. Es ist kein Wunder, dass Fachkräfte resignieren und das Berufsfeld verlassen.“

Um die Situation in den Kitas kurzfristig zu verbessern, fordert Verdi zum Beispiel Zusatzkräfte, die nicht auf den Personalschlüssel angerechnet werden, für die Integration geflüchteter Kinder in Kitas und in den schulischen Ganztag. Die Gewerkschaft setzt dabei insbesondere auf Muttersprachlerinnen und -sprachler mit einem professionellen pädagogischen Hintergrund, die die Fachkräfte der Kitas entlasten. Weiterhin fehlten Dolmetscher und Kulturvermittler für die Beschäftigten der Einrichtungen, die diese im Kontakt mit betroffenen Familien unterstützen.

Erforderlich seien laut Verdi „eine echte Ausbildungsoffensive mit bezahlter Ausbildung bei gleichem Qualifikationsniveau und ausreichend Lehrkräfte und Schulplätze.“ Eine Anleitung für praktische Ausbildung müsse gewährleistet sein. Es müssten zudem „Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Anreize bieten, dass Fachkräfte ihre Arbeitszeit von Teilzeit auf Vollzeit aufstocken.“

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