Kreisfeuerwehrverband feiert 112. „Geburtstag“: Museum im „Netz“

Kalender, Online-Gottesdienst, Großer Zapfenstreich und mehr

Kreisfeuerwehrverband feiert 112. „Geburtstag“: Museum im „Netz“

112 - diese drei Ziffern bilden eine Telefonnummer, die fast jedes Kind kennt, wird die Notrufnummer doch schon den Klein-sten beigebracht, damit der Nachwuchs verinnerlicht, wie im Falle eines Falles schnell Hilfe gerufen werden kann. Im Landkreis Heidekreis steht die Zahlenkombination in diesem Jahr außerdem für einen besonderen „Geburtstag“, wird der Feuerwehrverband Heidekreis doch stolze 112 Jahre alt. Natürlich kann in Corona-Zeiten mit den damit einhergehenden Einschränkungen bei weitem nicht so umfassend und unbeschwert gefeiert werden, wie vor Ausbruch der Pandemie. Nichtsdestotrotz hat der Kreisfeuerwehrverband um seinen Vorsitzenden, Kreisbrandmeister Thomas Ruß, aus diesem Anlass ein Veranstaltungsprogramm zusammengestellt, das am vergangenen Freitagnachmittag via Zoom-Konferenz über das Internet vorgestellt wurde. Das geschnürte Paket enthält digitale Programmpunkte wie einen Online-Gottesdienst am 11. Februar und ein neues virtuelles Feuerwehr-Museum, das seit Freitag über das Internet besucht werden kann. Zudem ist ein „Geburtstagswochenende“ im Juli geplant, im November dann eine Verbandsversammlung in der Alten Reithalle in Soltau mit großem Zapfenstreich auf dem Vorplatz.

„Wir haben einiges an Vorbereitungen hinter uns“, erklärte Ruß, der zum digitalen Pressegespräch mehrere Gäste begrüßte. Zugeschaltet waren unter anderem Landrat Jens Grote und Karsten Mahler, Leiter des Fachbereichs Ordnung beim Landkreis Heidekreis, sowie vom Landesfeuerwehrverband Niedersachsen Präsident Olaf Kapke und Vizepräsident Uwe Quante (LFV-Bezirk Lüneburg). Ruß bedauerte, dass es wegen der Pandemie Planänderungen geben müsse. So sei der kreisweite Gottesdienst am 11. Februar um 19 Uhr mit Präsenzveranstaltungen in zwölf Städten und Gemeinden und einem zusätzlichen zentralen Gottesdienst in einer großen Kirche angedacht gewesen. „Wegen der Corona-Entwicklungen haben wir diese Idee jedoch verworfen und uns für eine Online-Variante entschieden“, so Ruß. Bei den Kirchenkreisen Soltau und Walsrode mit ihren Superintendenten habe das Organisationsteam des Verbandes offene Türen eingerannt. „Es wurden Arbeitskreise gebildet und aufwendige Filmsequenzen erstellt. Das Ergebnis ist überwältigend. Das wird ein tolles ‚Produkt‘, ein hochwertiger Gottesdienst im Youtube-Format“, versprach der Kreisbrandmeister. Zwar ist die Online-Variante aus der Not heraus geboren, sie habe aber, betonte Ruß, durchaus auch Vorteile: „Auch der Kamerad, der gerade in Australien ist, kann daran teilnehmen.“ Flankierend zu diesem digitalen Angebot werden vom Kirchenkreis Walsrode erstellte Aufkleber verteilt, auf denen neben dem Schriftzug „112 Jahre Kreisfeuerwehrverband Heidekreis e.V.“ auch ein passender Bibelspruch zu lesen ist: „Wenn Du ins Feuer gehst, sollen Flammen Dich nicht versengen: Fürchte Dich nicht!“ (Jes 43, 1-3).

Befürchtungen wegen der Pandemie gibt es in Sachen „Geburtstagswochenende“, das der Verband für den 8. bis 10. Juli geplant hat. „Es war als Präsenzveranstaltung geplant, aber wir sind zurückgerudert. Wir müssen sehen, wie sich die Corona-Lage entwickelt. Wir sind zwar auf die Bremse getreten, halten aber an diesem Wochenende fest und werden gegebenenfalls spontan etwas machen. Die Vorbereitungen sind getroffen“, machte Ruß deutlich. Wilfried von Bostel, der die Organisation dieser Veranstaltung übernommen hat, sprach angesichts der äußeren Umstände von einer „schwierigen Planung“. Angedacht sei, im Rahmen des Wochenendes in und an der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren vorzustellen. In einem Kommersabend solle es einen Rückblick auf die Geschichte des Verbandes geben, weiterhin seien ein Feuerwehrlauf für alle Altersklassen und Wettbewerbe geplant. Eine Ausstellung historischer Löschfahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände sei ebenso vorgesehen wie, in Kooperation mit den Herstellern, eine Präsentation neuester Fahrzeuge und Innovationen, quasi eine kleine „Interschutz“-Messe. „Für Samstagabend hatten wir eine öffentliche Party geplant, wir müssen sehen, ob wir sie pandemiebedingt veranstalten dürfen“, so von Bostel: „Derzeit ist das alles ein Blick in die Glaskugel.“

Keine Wahrsagerei sind die Termine von Geburtstagen und Hochzeitstagen von Familienangehörigen und Freunden. Feuerwehrleute aus dem Heidekreis können diese in diesem Jahr in einem „hauseigenen“ Kalender notieren. Die „Produktion“ des Jahresweisers hatte der Verband im vergangenen Jahr angeschoben. Die Städte- und Gemeindefeuerwehren im Heidekreis wurden dazu aufgerufen, möglichst historische Fotos aus ihrem jeweiligen Fundus auszuwählen und einzureichen. „Die Auswahl war eine schwierige Aufgabe“, so Ruß, die Mühen hätten sich jedoch gelohnt: „Wir haben ein tolles Ergebnis.“ Die Kalender seien bereits an die Wehren verteilt worden, Nachbestellungen möglich. Ein Highlight im Rahmen des besonderen „Geburtstages“ ist die Eröffnung des virtuellen Feuerwehr-Museums, das Ralf Quietmeyer in monatelanger Arbeit „aufgebaut“ hat. Als „Direktor“ des Online-Museums bot er direkt nach der offiziellen Eröffnung durch den Kreisbrandmeister eine „Führung“ an. Unter https://museum.feuerwehr-heidekreis.de finden Interessierte eine Vielzahl interessanter Dokumente und Bilder aus der Historie des Kreisfeuerwehrverbandes.

Zum 100-jährigen Bestehen hatte Quietmeyer bereits die Chronik erstellt und dazu etliche Schätze aus den verschiedensten Archiven geborgen. Viel zu schade, sie in Schränken verschwinden zu lassen, dachte Quietmeyer. Die Idee: Interessierte Bürgerinnen und Bürger sollten die Unterlagen frei zugänglich im Internet finden. Und so ist letztlich das digitale Museum entstanden, in das es rund um die Uhr „freien Eintritt“ gibt.

Im „Eingangsbereich“ finden Interessierte allgemeine und wichtige Informationen zum Museum und zur Feuerwehrgeschichte, in vier Sälen wird die Historie der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis detailliert dargestellt. Bislang ist erst „Saal 1“ geöffnet, in dem es um die Feuerwehr in der Kaiserzeit geht. Drei weitere Säle werden nach und nach geöffnet.

„Das Museum hat nicht den Anspruch, jetzt schon fertig zu sein. Die Ausstellung ist noch lange nicht komplett. Es kommen stetig neue Sachen hinzu, es kann auch etwas herausgenommen werden. Und dafür ist das Internet das richtige Medium. Interessierte sollen immer wieder mal hineinschauen, um zu sehen, was es ‚neues Altes‘ in unserem Museum gibt“, so Quietmeyer.

Einen ausführlichen Bericht über das neue Feuerwehr-Museum „im Netz“ gibt es in einer der kommenden HK-Ausgaben.

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