„Tag für Tag schreitet der Artenschwund voran, gehen Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Die Ursachen sind komplex, doch spielen vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren hohen Pestizideinsätzen und dem Verlust an kleinräumigen Strukturen wie Hecken, Wegrändern und Feldrainen, die Versiegelung von Freiflächen durch den Bau von Verkehrswegen und die Ausdehnung von Siedlungs- und Gewerbeflächen eine zentrale Rolle“, teilt der Naturschutzbund (NABU) Heidekreis mit. Obwohl öffentlichen und privaten Grünflächen eine steigende Bedeutung für Artenvielfalt und Naturerleben zukomme, sei der Trend zu pflegeleichten Gärten mit Kies- und Schotterflächen, Pflasterungen, sterilen Rasenflächen und fremdländischen Gewächsen ungebrochen.
Gleichzeitig gebe es als Reaktion auf den dramatischen Rückgang an Wildbienen, Hummeln, Wespen, Schwebfliegen und Schmetterlingen dekorative Insektenhotels in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben zu kaufen, „die jedoch aufgrund ihrer Bauweise und der verwendeten Materialien als Lebensraum für Insekten oftmals völlig ungeeignet sind“, heißt es in der Mitteilung des Kreisverbandes: „So mögen Tannenzapfen, Holzwolle oder Samenkapseln zwar hübsch anzuschauen sein, bieten jedoch keinen Mehrwert für Wildbienen und solitäre Wespen, die zum Ablegen ihrer Larven vor allem hohle Bambus- oder Schilfstängel oder in Holz gebohrte Niströhrchen benötigen.“
„Selbst die Anschaffung geeigneter Insektenhotels ist nur sinnvoll, wenn gleichzeitig Lebensgrundlagen für die schlüpfenden Wildbienen und andere Arten geschaffen werden“, unterstreicht Klaus Thiele vom NABU Heidekreis.
Im Mittelpunkt steht dabei eine Vielfalt an heimischen Blütenpflanzen, die den Insekten als Nektar-, Pollen- und Samenquelle dienen. Doch gerade diese wertvollen Wildkräuter wie Löwenzahn, Hornklee, Ehrenpreis, Hahnenfuß oder Kriechender Günsel werden laut NABU von vielen Gartenbesitzern vehement bekämpft, „weil sie die Verunkrautung ihrer Beete befürchten und das Idealbild der in den Hochglanzmagazinen und Werbespots propagierten ‚Grünen Gärten‘ vor Augen haben: Saftig grüne Monokulturen, in denen die Halme einer einzigen Grassorte, akkurat gestutzt, dicht an dicht stehen und die eher an einen samtigen Teppich als an einen natürlichen Lebensraum erinnern. Wenn diese perfekten Golfrasen zudem tagtäglich von einem Mähroboter abrasiert werden, haben nicht nur Wildkräuter, sondern auch Spinnen, Blindschleichen, Eidechsen und Igel und andere kleine Tiere nicht die geringste Chance. Sie werden schlicht überrollt, verstümmelt und verletzt, während ‚Biene Maja‘ und ihre wilden Verwandten hungrig davonbrummen“, heißt es vonseiten des Naturschutzbundes.
Wer seinen artenarmen, monotonen Garten in ein lebendiges, vielfältiges Refugium umwandeln möchte, findet unter www.NABU.de/gartenvielfalt viele Informationen und Tipps zur naturnahen Gartengestaltung. Dabei sei es durchaus ratsam, „schrittweise vorzugehen.“
„Man muss nicht gleich seinen gesamten Garten umkrempeln“, betont Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg vom NABU Heidekreis: „Auch mit wenig Aufwand lassen sich Nahrungsquellen und Lebensräume für bedrohte Arten schaffen.“ So könne man beispielsweise statt Thuja oder Kirschlorbeer heimische Beerensträucher und Gehölze pflanzen, unter der Hecke auf Jäten und Laubharken verzichten, ein Staudenbeet oder eine artenreiche Blumenwiese anlegen, Äste in einer Gartenecke aufschichten oder eine Teilfläche nach dem Motto „Mehr Wildnis wagen“ sich selbst überlassen.