Naturschutzbund Heidekreis begrüßt Klage gegen Wolfsverordnung

1. Vorsitzender des NABU Heidekreis: „Wir sind sehr froh, dass unser Verband gerichtliche Schritte gegen die fachlich und rechtlich völlig unzureichende Wolfsverordnung eingeleitet hat“

Naturschutzbund Heidekreis begrüßt Klage gegen Wolfsverordnung

Wie jüngst bekannt wurde, hat der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen mit finanzieller Unterstützung des Freundeskreises freilebender Wölfe und des WWF Deutschland eine Normenkontrollklage beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg gegen die niedersächsische Wolfsverordnung eingereicht, die trotz heftiger Kritik vonseiten des Natur- und Tierschutzes im November 2020 verabschiedet worden war.

„Wir sind sehr froh, dass unser Verband gerichtliche Schritte gegen die fachlich und rechtlich völlig unzureichende Wolfsverordnung eingeleitet hat“, betont Klaus Todtenhausen, 1. Vorsitzender des NABU Heidekreis. Er weist darauf hin, dass die Verordnung nach Ansicht der Verbände in mehrfacher Hinsicht gegen EU-Recht verstoße. Demnach sollten Wölfe, die sich von Menschen genutzten Gebäuden näherten, auf Antrag getötet werden können. Wie „absurd“ diese Regelung sei, werde deutlich, wenn man sich beispielsweise die Siedlungsstruktur von Dörfern wie Rethem Moor vergegenwärtige, in denen die Höfe weit auseinander lägen. „Dass Wölfe bei ihren nächtlichen Streifzügen durch das Revier gelegentlich in der Nähe eines Wohnhauses oder einer Feldscheune vorbeilaufen, ist völlig normal und muss nach einen Urteil des Europäische Gerichtshofes von Juni 2020 toleriert werden“, erläutert Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg vom NABU Heidekreis.

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt des NABU richtet sich „gegen die mangelhaften Anforderungen an Herdenschutzmaßnahmen an Deichen und in der Rinder- und Pferdehaltung.“ Während Schafe bei der Beweidung von Deichen gemäß Wolfsverordnung nicht geschützt werden müssten, sollten trotz fehlender wissenschaftlicher Belege selbst ausgewachsene Rinder und Pferde unabhängig von Größe, Alter, Gesundheitszustand und Rasse bereits dadurch geschützt sein, dass sie zu zweit auf der Weide stünden. Diese Regelungen kämen laut NABU Heidekreis „einer Absage an den Herdenschutz gleich“ und stünden „in diametralem Gegensatz zu der Verpflichtung, die biologische Vielfalt inklusive des Wolfes zu schützen und vorbeugende Maßnahmen als zentraler Bestandteil einer möglichst konfliktfreien Koexistenz zu ergreifen.“

Wie die EU in dem vor wenigen Monaten erschienen „Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse im Rahmen der FFH-Richtlinie“ betont habe, müssten vorbeugende Maßnahmen individuell gestaltet und an die regionalen Besonderheiten wie Nutztierart, Herdengröße und Topografie angepasst sein. „Dabei hängt die Wirksamkeit der geeigneten Maßnahmen wie Zaunsysteme, Herdenschutzhunde, Behirtung, Nachtpferche und visuelle oder akustische Abschreckungsvorrichtungen vor allem von der korrekten Umsetzung und der Überwachung ihrer Wirksamkeit ab. Außerdem sollten Weidetierhalterinnen und -halter nicht nur bei der Anschaffung, sondern auch bei Instandhaltung der Schutzvorkehrungen und bei der Bewältigung des Zeitaufwandes angemessen unterstützt werden“, heißt es vonseiten des Naturschutzbundes Heidekreis.

„Die auf den Abschuss von Wölfen abzielende niedersächsische Wolfspolitik ist weder EU-rechtskonform, noch hilft sie den Nutztierbetrieben, da die Anzahl der Nutztierrisse eben nicht von der Größe der Wolfspopulation, sondern von der Qualität und Quantität der Herdenschutzmaßnahmen abhängt“, unterstreicht Todtenhausen. Außerdem könne der Erhaltungszustand nicht - wie in der Wolfsverordnung vorgesehen - auf Landesebene beurteilt werden, „da die in Niedersachsen lebenden Wölfe zu der staatenübergreifenden kontinentalen und der atlantischen Population gehören.“

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