Naturschutzbund Heidekreis plädiert für Festhalten an Alpha-E-Konzept

Vorsitzender Klaus Todtenhausen: „Zerschneidung und Zerstückelung der Natur- und Kulturlandschaft nicht zielführend“

Naturschutzbund Heidekreis plädiert für Festhalten an Alpha-E-Konzept

Im Heidekreis sorgt für Unmut, dass die Deutsche Bahn bei den Planungen des bedarfsgerechten Ausbaus von Bestandsstrecken im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover erneut den bereits ad acta gelegten Neubau entlang der Autobahn 7 ins Spiel gebracht (HK berichtete). Auch im Naturschutzbund (NABU) Heidekreis ist man verärgert und plädiert dafür, am Alpha-E-Konzept festzuhalten: „Als hätte es den vorangegangenen Dialogprozess nie gegeben, werden nun neue Grobkorridore zur Trassenfindung präsentiert, die aufgrund unüberwindlicher Raumwiderstände zum Scheitern verurteilt sind. So entstehe der Eindruck, dass die Deutsche Bahn und das bundesdeutsche Verkehrsministerium ihre Wunschtrasse ohne Achtung der Schutzgüter Mensch, biologischen Vielfalt, Boden, Wasser, Klima und Landschaft festlegen und die Dialogprozesse lediglich als Feigenblatt dienen“, heißt es in einer Mitteilung.

„Eine solche Vorgehensweise führt unweigerlich zu Konflikten, zerstört das Vertrauen in Dialog- und Beteiligungsprozesse und verringert die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger“, gibt der Vorsitzende des Natur­schutzbundes Heidekreis, Klaus Todtenhausen, zu bedenken. „Nach unserer Auffassung ist die Verbesserung des schienengebundenen Personen- und Güterverkehrs im Zuge der drin­gend notwendigen Verkehrswende unabdingbar, doch müssen die Vorhaben mit dem Natur- und Landschaftsschutz vereinbar sein.“ Da ein Neubau fernab bestehender Trassen zu einem erhöhten CO2-Ausstoß führe und mehr Ressourcen verbrauche als ein Ausbau von Bestands­strecken, würden die Ziele des Klimaschutzes letztlich konterkariert. Auch beim Ausbau von Bahnstrecken gelte es, den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten, da mit jeder für Verkehrs- und Siedlungszwecke in Anspruch genommenen Fläche die Lebensraumfunk­tionen, die Fruchtbarkeit und die Wasserdurchlässigkeit des Bodens beeinträchtigt werden.

Außerdem, so Todtenhausen weiter, hätten lineare Verkehrsinfrastrukturen und die damit einhergehende Fragmentie­rung der Landschaft erhebliche Auswirkungen auf natürliche Lebensräume und die in ihnen vorkommenden Tier- und Pflanzengesellschaften. Zwar verlören vor allem im Straßenver­kehr Jahr für Jahr Millionen von Säugetieren, Vögeln und Amphibien ihr Leben, doch auch der Bahnverkehr gefährde größere Säugetier- und Vogelarten und könne sich negativ auf ihre Bestände auswirken. Je dichter das Verkehrswegenetz, desto stärker schränke die Zerschnei­dung und Zerstückelung der Landschaft Wanderbewegungen und damit auch die Ausbrei­tung und Besiedlung neuer Lebensräume ein.

Laut NABU Heidekreis werden ehedem funktionierende Wanderkorridore und Verbundsysteme unterbrochen, „es kommt zur Isolierung von Teilpopulationen und damit zu genetischer Verarmung und Inzucht und letztlich einem weiteren Verlust an Bio­diversität.“

„Die globale Zwillingskrise aus sich gegenseitig bedingendem Artensterben und Klimawandel lässt sich nicht mit überkommenen Denk- und Handlungsmustern lösen, son­dern erfordert grundlegende Veränderungen unserer Ökonomie, unseres Sozialverhaltens und unserer Wertvorstellungen“, stellt Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg klar. „Es reicht längst nicht mehr aus, fossile Energien durch erneuerbare Energien zu ersetzen und in aller Welt produzierte Konsumgüter auf der Schiene oder mit Elektro-Lkw durch die Gegend zu karren, um sie nach kurzer Gebrauchszeit erneut tausende von Kilometern zwecks Entsor­gung zu transportieren. Wir müssen den Energie- und Ressourcenverbrauch deutlich senken und die Ökosysteme in unsere Lösungsstrategien einbeziehen. Wir brauchen, wie der re­nommierte Soziologe Harald Welzer es ausdrückt, eine Kultur des Aufhörens.“ Bei der weiteren Planung müsse man sich daher von den beiden starren Vorgaben „Fahrzeit“ und „300 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit“ verabschieden, „die einen Neubau zwingend erfor­derlich machen würden“, unterstreicht die Pressesprecherin. Wie ein Gutachten zeige, könne „auch in einem anderen Rhythmus und mit leicht differenzierten Knotenpunkten der Deutschlandtakt im Bahnverkehr als zum innerdeutschen Flugverkehr konkurrierendes Verkehrsmittel trassennah realisiert und somit die weitere Zerschneidung der Natur- und Kulturlandschaft mit allen daraus resultierenden Folgeerscheinungen verhindert werden.“

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