Pendlerprobleme bleiben Dauerthema

Nach wie vor viel Kritik besonders an der Verbindung nach Hamburg

Pendlerprobleme bleiben Dauerthema

Gemeinhin gibt es am Arbeitsplatz Stress genug. Doch der Weg dorthin und wieder nach Hause kann das sogar noch toppen. Berufspendler können ein Lied davon singen - auch im Heidekreis. So etwa Dennis Jäger: Seit gut einem Jahr fährt er fünfmal in der Woche auf der Schiene mit dem Erixx von Schneverdingen nach Buchholz in der Nordheide und von dort mit dem Metronom weiter nach Hamburg, abends dann das ganze umgekehrt. Doch der 32jährige ist genervt: „Es gibt nicht nur zu häufig Verspätungen, sondern auch andere Probleme, die es den Pendlern schwermachen.“

„Der Erixx ist in letzter Zeit häufiger wegen technischer Schwierigkeiten ausgefallen, die Züge sind oft überfüllt. Wer keine Gleitzeit hat und pünktlich bei der Arbeit sein muss, hat dann ein Problem oder sollte zur Sicherheit einen früheren Zug nehmen. Infos über Fahrplanänderungen oder Umstiegsmöglichkeiten kommen oft zu spät oder gar nicht. Und wenn abends der Metronom aus Hamburg zuviel Verspätung hat, hat der Erixx Buchholz oft schon verlassen. Dann muss man eine Stunde warten, hat in Buchholz keinen vernünftigen Unterstand und kommt noch später nach Hause“, so Jäger.

In der Summe sei all dies äußerst lästig und betreffe enorm viele Menschen, die auf diese Weise wertvolle Lebenszeit verschwendeten, meint Jäger. Und die Autobahn sei zu Stoßzeiten erst recht keine Alternative: „Da fragt man sich, ob man dadurch am Ende gezwungen ist, in der Großstadt zu leben, weil dort die Jobs sind. Für mich ist es allerdings nicht vorstellbar und auch zu teuer, in Hamburg zu wohnen. Viele Pendler, deren Jobs in Hamburg sind, haben auch hier in Schneverdingen gebaut und müssen deshalb all dies in Kauf nehmen.“

Was der Schneverdinger hier beschreibt, haben auch andere in ihren Kommentaren auf unserem Internet-Portal heide-kurier.de beklagt: Verspätungen, defekte Bahnwagen und der Umstieg aufs Auto als letzte Möglichkeit, um noch zur Arbeit zu kommen, wurden da genannt. Auch Dietrich Wiedemann, grüner Kreistagsabgeordneter aus Soltau, pendelt mehrfach die Woche mit dem Erixx, allerdings von der Böhmestadt nach Uelzen. Und auch ihm sind diese Probleme nicht fremd: Technisch bedingte Ausfälle und Verspätungen, aber auch fehlende Informationen kennt er nur zu gut. „Das sorgt immer für Ungewissheit, denn man bekommt das Gefühl, nicht zu einer Fahrt, sondern zu einer Expedition aufzubrechen“, meint Wiedemann mit leichtem Sarkasmus. Und weiter, auch mit Blick auf Urlaubsreisende: „Das heißt, normalerweise klappt es, aber bei der entscheidenden Fahrt verpasst man dann den Anschluss - und der Flieger ist weg.“

Welche Gründe für Ausfälle und Verspätungen sorgen, lasse sich nicht pauschal beantworten, meint Björn Pamperin. In letzter Zeit habe es technische Probleme gegeben, räumt der Pressesprecher von Erixx und Metronom ein. So seien bei ­Erixx mehrere Wagen, etwa durch Wild- und Rangierunfälle, beschädigt worden, was eine aufwendige Reparatur erfordere. Die übrigen Fahrzeuge würden deshalb um so intensiver eingesetzt. Das führe aber dazu, dass diese Wagen eher zur vorgeschriebenen Revision in die Werkstatt müssten und dann nicht genutzt werden könnten: „Die Fahrzeugverfügbarkeit war schlecht. Aber unser Fahrzeugbestand ist ohnehin knapp. Wir bekommen nur eine bestimmte Anzahl von der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) zugeteilt. Das erfolgt quasi unter ‚Laborbedingungen‘, doch in der Praxis fallen auch mal Fahrzeuge aus. Und das hat sich in den vergangenen Wochen gehäuft. Weil wir auf eigene Kosten weitere Fahrzeuge angemietet haben, geht es jetzt wieder“, erläutert Pamperin. Und weiter: „Wenn es Verspätungen oder Ausfälle gibt, ist das nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für uns ärgerlich. Denn für jeden Ausfall und jede Verspätung über fünf Minuten müssen wir Strafe an die LNVG zahlen.“ Wie Pamperin betont, gebe es aber weitere Ursachen, die nicht bei Erixx und Metronom lägen, sondern etwa bei der Deutschen Bahn, so beispielsweise Streckenprobleme, aber auch überlastete Infrastruktur im Hamburger Bahnhof oder fehlende Durchsagen an den Bahnhöfen gehörten dazu, um nur einige zu nennen.

Wiedemann jedenfalls hat seine Erfahrungen an den Landtagsabgeordneten Detlev Schulz-Hendel (Grüne), aber auch an Landrat Manfred Ostermann weitergegeben: „Der Landrat hat daraufhin den ­Erixx-Geschäftsführer Dr. Lorenz Kasch in den Landkreis-Wirtschaftsausschuss im November eingeladen, um zu den Problemen Stellung zu nehmen“, berichtet der Kreistagsabgeordnete.

Damit kommen dann auch die Pendlerprobleme bei den Politikern im Heidekreis auf den Tisch. Übrigens nicht zum ersten Mal in diesem Jahr: Bereits im April hatten der Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil und der Landtagsabgeordnete Sebastian Zinke (beide SPD) gemeinsam mit Soltauer Sozialdemokraten nach zahlreichen Pendlerbeschwerden das Gespräch mit der Erixx-Spitze gesucht (HK berichtete).

Ob das allein am Ende ausreicht, um die Probleme nachhaltig zu beseitigen, glauben weder Pamperin noch Wiedemann. Beide sind sich einig, dass sich dazu Erixx/Metronom, LNVG und Deutsche Bahn an einen Tisch setzen müssten, denn, so Wiedemann, „die kommunizieren bisher nicht wirklich.“ Und Pamperin: „Sie haben aber alle dasselbe Interesse, nämlich, dass Pendler pünktlich hin- und zurückkommen. Dazu müssen sie aber an einem Strang ziehen.“

Probleme haben Pendler übrigens nicht nur in hiesigen Gefilden, sondern auch in anderen Regionen. Dort haben sich zum Teil Bürgerinitiativen gebildet, um mit mehr Nachdruck auf Verbesserungen drängen zu können. Vielleicht wäre das ja auch eine Idee für die Pendler im Heidekreis.

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