Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026 | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Nur noch 4.000 Paare in Niedersachsen, wenige Sichtungen im Heidekreis

Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026

Mit einem Stimmanteil von 44,5 Prozent wurde das Rebhuhn in einer öffentlichen Wahl mit deutlichem Vorsprung vor Amsel (26,6 Prozent), Waldohreule (12,7 Prozent), Schleiereule (11,7 Prozent) und Zwergtaucher (4,5 Prozent) zum Vogel des Jahres 2026 gekürt. „Der einstige Charaktervogel offener, strukturreicher Agrarlandschaften ist heute eine selten zu beobachtende Art, die sowohl auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als auch Niedersachsens und Bremens als stark gefährdet eingestuft ist“, so der Naturschutzbund (NABU) Heidekreis in seiner Mitteilung zur Abstimmung.

Rebhühner sind wahrlich rar geworden: „Nachdem die Bestände seit den 80er Jahren um rund 87 Prozent abgenommen haben, gibt es heute deutschlandweit nur noch 35.000 bis 61.000 Revierpaare, von denen circa 4.000 in Niedersachsen leben. Auch im Heidekreis sind die etwa taubengroßen Hühnervögel noch anzutreffen, wie die Jahresberichte der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Soltau-Fallingbostel dokumentieren. So wurden 2024 insgesamt 55 Sichtungen zwischen März und November gemeldet, die schwerpunktmäßig im Allertal und im NSG Lüneburger Heide lagen und erfreulicherweise auch drei Brutnachweise bei Ahlden, Büchten und Düshorn umfassten“, zählt der NABU auf.

Dabei ist es gar nicht so einfach, den scheuen Vertreter aus der Gruppe der Glattfußhühner zu entdecken, denn mit ihrem überwiegend braungrauen Gefieder sind Rebhühner perfekt an ihre Umgebung angepasst und halten sich gerne in nahrungs- und deckungsreichem Gelände wie Brach- und Blühflächen, Wegrainen und Feldsäumen auf, wo sie nicht nur Schutz vor ihren Feinden, sondern auch ein vielfältiges Angebot an Insekten, Grünfutter und Sämereien finden. Nur wenn sich die Tarnungskünstler bei Gefahr nicht wegducken, sondern plötzlich mit lautem Flügelburren und durchdringendem Alarmruf auffliegen, bekommt man den Vogel des Jahres für einen kurzen Moment zu Gesicht: Mit einer Serie rascher, von kurzen Gleitstrecken unterbrochenen Flügelschlägen streift der seltene Feldvogel tief über dem Boden ab und entzieht sich zumeist schnell durch eine Landung in hoher Vegetation unseren Blicken. Die besten Chancen, sich den Standvogel mit seinem kurzen, kräftigen Schnabel und den unbefiederten Füßen ganz in Ruhe anzuschauen, hat man im Winter, wenn sich die Paar- oder Familienverbände zu größeren Gruppen zusammenschließen, die gemeinsam auf abgeernteten Feldern nach Körnern suchen oder nach Hühnerart im Schnee scharren, um Samen von Wildkräutern und Gräsern frei zu legen. Dann kann man auch die rost-rotbraune Kopfzeichnung und den mehr oder weniger stark ausgeprägten dunklen Brustfleck gut erkennen.

Ist der Speiseplan des Rebhuhns im Winter etwas eintönig, so wird er mit dem Beginn der Vegetationsphase immer vielfältiger. Während sich im Frühling zunächst die zarten Spitzen verschiedener Klee- und Knötericharten sowie Hahnenfußgewächse und Luzerne besonderer Beliebtheit erfreuen, kommen später nicht nur verschiedene Getreidekörner, sondern auch Ameisen, Blattläuse, Spinnen, Larven, Schnecken und Regenwürmer hinzu. Wenn im Sommer nach einer Brutdauer von 23 bis 25 Tagen die Küken aus den blass-olivbraunen bis bräunlich-grauen Eiern schlüpfen, ist der Bedarf an tierischer Nahrung besonders groß, da die flaumigen Nestflüchter für ihr Wachstum eiweißreiche Kost benötigen. „Als spezialisierte Mischköstler mit einem breiten, saisonal variierenden Nahrungsspektrum macht den Rebhühnern der hohe Pestizideinsatz in der industriellen Landwirtschaft besonders zu schaffen. Durch die gezielte Bekämpfung konkurrierender Unkräuter kommt es auf intensiv bewirtschafteten Flächen zu einer erheblichen Verarmung in der Zusammensetzung und Häufigkeit von Ackerwildkräutern. Dabei reduziert der dramatische Verlust an Ackerwildkräutern – knapp die Hälfte der Arten gilt inzwischen als gefährdet – nicht nur das Nahrungsangebot für erwachsene Rebhühner, sondern entzieht auch vielen Insekten die Lebensgrundlage, so dass auch für Küken und Jungvögel immer weniger Futter zur Verfügung steht. Werden zusätzlich so genannte Schädlinge durch Insektizide direkt getötet, verschärft sich der Nahrungsmangel und die Sterblichkeit beim Nachwuchs steigt weiter an“, mahnt der NABU.

Der Naturschutzbund gibt auch Tipps, was das Rebhuhn braucht: „Neben einem ausreichenden Angebot an pflanzlicher und tierischer Nahrung benötigt der Vogel des Jahres vor allem unzerschnittene Lebensräume mit Strukturen, die ihm in der offenen Kulturlandschaft Schutz vor Fressfeinden und Störungen bieten. Hierzu zählen Brachen und mehrjährige Blühflächen, breite Säume und Altgrasstreifen sowie Niederhecken, während hohe, dichte Baumhecken und Waldränder von Rebhühnern und anderen Bodenbrütern wegen der eingeschränkten Sicht eher gemieden werden. Für den Bruterfolg ist außerdem entscheidend, dass die Mahdzeiten von Brachen und anderen geeigneten Habitaten von Juli auf Mitte August verschoben werden. Um weiteren Bestandsrückgängen vorzubeugen und Rebhühner zumindest mittelfristig wieder zu einem Charaktervogel landwirtschaftlich genutzter Offenlandschaften zu machen, muss in den monotonen Agrarflächen wieder mehr Vielfalt entstehen.“ Rund zehn Prozent wirksamer Strukturen auf der Gesamtfläche würden laut Naturschutzbund ausreichen, um genügend geeignete Lebensräume für Rebhuhn und Co. zu schaffen. „Eine feldvogelfreundliche Bewirtschaftung ist selbstverständlich durch ein auskömmliches Einkommen und gesamtgesellschaftliche Wertschätzung zu honorieren“, sagt der 1. Vorsitzende des NABU Heidekreis, Klaus Todtenhausen. „Dafür endlich die erforderlichen Weichen zu stellen statt notwendige Reformen zugunsten des Artenschutzes immer wieder aufzuweichen oder zu verschieben, gehört zu den dringendsten Aufgaben der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU.“