„Rekordumsatz im Heidekreis“

Grundstücksmarktbericht: Fast 1.000 Verkäufe im vergangenen Jahr

„Rekordumsatz im Heidekreis“

Jahr für Jahr veröffentlicht der Gutachterausschusses für Grundstückswerte (GAG) sein Zahlenwerk mit allen wesentlichen Informationen zu bebauten Grundstücken, Eigentumswohnungen und Mieten. „Es ist quasi die ‚Bibel der Wertermittlung‘ für den Immobilienmarkt“, erklärt Gerd -Ruzyzka-Schwob. Die aktuelle Auflage des Grundstücksmarktberichtes stellte der Vorsitzende des Gutachterausschusses jetzt zusammen mit Heidi Weinberger von der Geschäftsstelle im Katasteramt Soltau vor. „Die Daten für den 273 Seiten starken Grundstücksmarktbericht werden aus beurkundeten Kaufverträgen zum Stichtag 31. Dezember 2019 abgeleitet“, so der Dezernent für Grundstückswertermittlung vom Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen, Regionaldirektion Sulingen-Verden. Er fasst die ermittelten Daten des vergangenen Jahres für die hiesige Region ganz simpel zusammen: „Rekordumsatz im Heidekreis“ - besonders bei Einfamilienhäusern - und mit fast 1.000 verkauften Objekten insgesamt „eine Größenordnung, die es hier so noch nicht gab.“

„Im Landkreis Heidekreis erreicht der Geldumsatz bei den bebauten Grundstücken mit 261 Millionen Euro den höchsten Stand aller Zeiten. Gegenüber dem Vorjahr wächst der Umsatz damit nochmals um 9,4 Prozent. Auch die Zahl der Verkäufe hat mit 998 die Zahlen der Vorjahre 2015 bis 2018 von 886 bis zu 954 Verträgen überschritten. In vielen regionalen Bereichen fehlt es eher an einem ausreichenden Angebot als an der Nachfrage“, so der Experte. Freistehende Einfamilienhäuser machten mit 634 Verträgen dabei den größten Anteil am Umsatz aus, erläutert Gerd Ruzyzka-Schwob: „Die stärksten Umsätze sind in der Gemeinden Schneverdingen mit 101 Verkäufen festzustellen. In Soltau wurden 93 Einfamilienhäuser (Vorjahr 85), in Neuenkirchen und Wietzendorf dagegen nur 21 beziehungsweise 24 Eigentumsübergänge registriert.“ Im südlichen Heidekreis sei Walsrode mit 94 Verkäufen vor Schwarmstedt mit 78 Verkäufen am umsatzstärksten, in Rethem habe es hingegen nur 16 Verkäufe von Einfamilienhäusern gegeben.

Laut des vorgestellten Zahlenwerks betrug der mittlere Preis für ein Einfamilienhaus 2019 im Landkreis 190.000 Euro gegenüber 169.000 Euro im Vorjahr: „Der Landkreis Heidekreis liegt damit im niedersachsenweiten Vergleich der Landkreise und kreisfreien Städte auf Rang 29 von 48. Der mittlere Preis in Niedersachsen beträgt zum Vergleich 212.000 Euro“, rechnet der Vorsitzende des Gutachterausschusses vor.

Die Expertenrunde hat für jede Gemeinde einen Schätzwert für ein typisches Einfamilienhaus mit dem Baujahr 1978, einer Wohnfläche von 135 Quadratmeter und einem Grundstück von 800 Quadratmeter berechnet. Die mittleren Werte reichen von 167.000 Euro in Rethem über 206.000 Euro in Schwarmstedt und Walsrode und bis zu 224.000 Euro in Soltau. „Gegenüber dem Vorjahr sind die Preise von zwei Prozent in Bomlitz und Bad Fallingbostel bis zu 17 Prozent in Hodenhagen gestiegen“, so Ruzyzka-Schwob. Neben der Lage wirkten sich dabei natürlich auch die Eigenschaften des jeweiligen Objektes zum Beispiel das Baujahr und die Wohnfläche auf den Preis aus: „Neue, nach 2017 erbaute Einfamilienhäuser kosten im Mittel 280.000 Euro, Häuser aus den Baujahren 1978 bis 1990 immerhin noch 208.000 Euro und Altbauten von vor 1949 noch 144.000 Euro. In allen Baujahrsgruppen sind sowohl die absoluten Preise als auch die Preise je Quadratmeter Wohnfläche deutlich gestiegen.“ Gegenüber dem Jahr 2010 seien die Preise im Bereich Mittleres Niedersachsen um 62 Prozent gestiegen.

Reihenhäuser und Doppelhaushälften sind laut des aktuellen Berichtes in 142 Kaufverträgen gehandelt worden, insgesamt wurden hierbei 19,8 Millionen Euro umgesetzt. „Auch dies ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung. Reihenhäuser der Baujahre von 1991 bis 2016 kosten 185.000 gegenüber 165.000 Euro im Vorjahr. Vorkriegsbauten sind hier aber im Mittel sogar etwas günstiger veräußert worden.“ Bei Mehrfamilienhäusern, erklärt der GSG-Vorsitzende, sei der Liegenschaftszinssatz als Kennzahl für die Verzinsung der entscheidende Maßstab: „Diese Verzinsung ist weiter auf 3,1 Prozent statt 3,5 Prozent im Vorjahr gesunken. Die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren deutlich schneller gestiegen als die Mieten. Dadurch ist die Rendite für die Eigentümer rückläufig.“

Etwas rückläufig zeige sich der Umsatz an Eigentumswohnungen im Jahr 2019: „Die Anzahl der Weiterverkäufe ist auf 199 gesunken und erreicht nicht mehr das Niveau der Vorjahre. Insgesamt wurden für Eigentumswohnungen nur 24,6 Millionen Euro gezahlt, im Vorjahr waren es noch 31,9 Millionen.“ Neue Eigentumswohnungen kosten laut Bericht im Mittel 222.000 Euro oder - bezogen auf den Quadratmeter Wohnfläche – 3.053 Euro. Wohnungen der Baujahre 1978 bis 1990 kosten im Mittel 85.000 Euro und der Baujahre 1950 bis 1977 nur 50.000 Euro. Gegenüber dem Jahr 2010 sind die Wohnflächenpreise von Eigentumswohnungen im Bereich Mittleres Niedersachsen um rund 57 Prozent gestiegen.

Auch für Mieten und Pachten liefert der Grundstücksmarktbericht wichtige Informationen: Die mittlere Nettokaltmiete für eine 80 Quadratmeter Wohnung aus dem Baujahr um 2005 in mittlerer Lage (Bodenrichtwert bis 80 Euro) liege demnach zurzeit bei 5,80 Euro je Quadratmeter. In guten Lagen sind Mieten von 6,45 Euro je Quadratmeter erzielbar. „Bei Neubauten liegen die Mieten noch darüber. Kleinere Wohnungen sind bezogen auf den Quadratmeterpreis teurer, größere günstiger. Bei etwa 300 im Jahr 2019 registrierten Mieten lag die Spanne von drei bis zu 13,20 Euro je Quadratmeter.“ Bei Mieten und Pachten liege dem Gutachterausschuss allerdings nur eine Teilmenge der abgeschlossenen Verträge vor, da es keine Pflicht zur Übermittlung dieser Daten gibt, hebt Ruzyzka-Schwob hervor.

Den aktuellen Grundstücksmarktbericht erhalten Interessierte unter www.gag.niedersachsen.de zum Download oder in gedruckter Form bei der Geschäftsstelle im Katasteramt Soltau (beides kostenpflichtig). „Eine einzelne Immobilienpreisauskunft ist hier ebenfalls abrufbar“, so Weinberger, und dann günstiger als das gesamte Zahlenwerk.

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