„Sehr moderate“ Gebührenerhöhung

AHK-Vorstand Helmut Schäfer: Kalkulation wird „immer schwieriger“

„Sehr moderate“ Gebührenerhöhung

Beim Pressetermin Ende Oktober vergangenen Jahres war es vorrangig um die Ergebnisse einer Restabfallanalyse und diverse Neuerungen gegangen. Dabei hatten der Vorstand der Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK) Helmut Schäfer und Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Jens Grote bereits durchblicken lassen, dass es ab 2023 eine Erhöhung der Müllgebühren geben werde, die allerdings, so formulierte es damals Grote, „mit Augenmaß“ erfolgen werde. Die neue Gebührenkalkulation der AHK für den Zeitraum von 2023 bis 2025 wurde inzwischen vom Kreistag beschlossen und ist zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten. Tatsächlich müssen Kundinnen und Kunden aus Privathaushalten nur geringfügig tiefer in die Tasche greifen. „Die Gebührenerhöhungen für haushaltsnahe Sammlungen fallen sehr moderat aus“, unterstreicht Schäfer.

So bleibe die Grundgebühr mit 54 Euro pro Haushalt und Jahr auch im neuen Gebührenzeitraum unverändert. Eine „sehr geringe Erhöhung“ gebe es bei der Restmülltonne. Seien für einen Durchschnittshaushalt für die 60-Liter-Tonne jährlich bislang 40,32 Euro Gebühren angefallen, so seien es nun 41,52 Euro, also 1,20 Euro mehr pro Jahr und Einheit. Ein „Musterhaushalt“ mit einer 120 Liter fassenden Restmülltonne und einer 60-Liter-Biotonne zahle lediglich 2,40 Euro mehr pro Jahr, was einer Steigerung von nur 1,51 Prozent entspreche, erklärt der AHK-Vorstand.

Unverändert bleiben die Gebühren für die Gartentonne und die Biotonne. Letztere heißt neuerdings übrigens Bio-Energie-Tonne. „Damit soll noch deutlicher werden, dass wir aus ihrem Bioabfall Strom herstellen und damit nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch der Energiesicherheit dienen“, so Schäfer. Die Bioabfälle landen ausschließlich in der Bioabfallvergärungsanlage im Walsroder Ortsteil Benefeld. Dort entstehen im Gärprozess brennbare Gase, die in einem Blockheizkraftwerk in Strom „verwandelt“ werden. Laut AHK wurde in der Anlage allein im Juli vergangenen Jahres Strom für rund 700 Haushalte produziert.

Neu im „Sortiment“ hat die Abfallwirtschaft Heidekreis 660-Liter-Tonnen, die es bislang lediglich zum Sammeln von Altpapier gab. Jetzt kann diese Größe auch als Restmüllbehälter sowie als Gewerbe-, Garten- und Biotonne geordert werden. Was die Gartentonne angeht, die bislang nur von April bis November geleert wurde, weist Schäfer auf eine flexiblere Gestaltung der Leerungen hin. Ab diesem Jahr können Kunden ihre Gartentonne nämlich auch an den im Abfuhrkalender ausgewiesenen Tagen an die Straße stellen. In den Jahresgebühren sind 16 Leerungen enthalten. Abgerechnet wird quartalsweise. Zusätzliche Leerungen werden gesondert berechnet.

Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, hohe Spritpreise und eine hohe Inflation - Ereignisse und Faktoren, die die Kalkulation der Gebühren nicht gerade erleichtern, im Gegenteil: „Es wird immer schwieriger“, beklagt Schäfer. Hinzu komme, dass dementsprechend auch Dienstleistungen „immer teurer werden“. Auf der Aufwandseite hätten hier „Neuverträge enorm hohe Zusatzkosten verursacht“, erklärt der AHK-Chef: „Das bekommen auch viele andere Unternehmen zu spüren.“

Bei höheren Kosten auf der Ausgabenseite hat die AHK zugleich mit Einbrüchen auf der Ertragsseite zu kämpfen. Der AHK-Vorstand führt hier den dramatischen Preisverfall auf dem Markt für Altpapier an. Die Erträge, die durch den Weiterverkauf des von der AHK kostenlos abgeholten Altpapiers erzielt werden, finden sich letztlich in der Gebührenkalkulation der Anstalt öffentlichen Rechts wieder. Laut Schäfer sammelt die AHK pro Jahr rund 10.000 Tonnen Altpapier. „Der Altpapierpreis ist aber so stark wie nie zuvor eingebrochen. In den vergangenen Monaten sank der Preis je Tonne um 150 Euro“, berichtet Schäfer. Bliebe der Preis auf diesem Niveau, dann wären das für die AHK fehlende Erträge in Höhe von 1,5 Millionen Euro. „Wahnsinn“, bringt es Schäfer auf den Punkt. Um die Gebühren für die Privathaushalte trotzdem auf relativ stabilem Niveau halten zu können, habe die AHK auf knapp 640.000 Euro Überschuss aus dem Gebührenzeitraum von 2018 bis 2020 zurückgegriffen „und als positiven Saldo eingebracht.“

„Wir hoffen, dass sich der Altpapierpreis wieder erhöht. Sollte das nicht der Fall sein, hätten wir ein großes Problem“, so Schäfer weiter. Um die Privathaushalte nicht über Gebühr zu belasten, wird zudem an anderen Stellen an der Preisschraube gedreht. So steigen die Gebühren für die Vorhaltung und Leerungen der 1.100-Liter-Behälter. Auch wer etwas zur Deponie bringt, muss künftig mehr bezahlen. Eine Ausnahme sind hier Kleinmengen bis zu einem Kubikmeter, die weiterhin mit 7,50 Euro je 0,25 Kubikmeter zu Buche schlagen. Doppelt so teuer wie bisher wird die Anlieferung von Grüngut.

Die neuen Gebührenbescheide gehen laut Schäfer Ende dieses Monats raus. Übrigens: Neu ist, dass alle Eigentümerinnen und Eigentümer beziehungsweise Bevollmächtigten mit dem Bescheid 2023 erstmals ihre Zugangsdaten für den neuen Login-Bereich erhalten, der dann auf der Internetseite der Abfallwirtschaft Heidekreis zur Verfügung steht.

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