Hoher Spritpreis lässt viele vom Gas gehen

Polizei stellt Verkehrsunfallstatistik 2021 für den Heidekreis vor

Hoher Spritpreis lässt viele vom Gas gehen

Geschwindigkeit, vor allem überhöhte, habe Einfluss auf die Unfallzahlen, so Stefan Sengel. Wenig überraschend - doch der Leiter der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis bemerkt aktuell eine Entwicklung, die Eilige einbremst: die Spritpreise. „Da gehen viele vom Gas, um Benzin zu sparen.“ Dieser aus Sicht der Polizei positive Trend sei aber nicht der Grund für das rückläufige Unfallaufkommen seit 2019: Corona und die damit verbunden Umstände hätten die Zahlen sinken lassen, sind sich Sengel sowie Polizeioberrat Sebastian Pölking, Leiter Einsatz, und Polizeihauptkommissar Detlev Maske, Sachbearbeiter Verkehr, einig. Gemeinsam stellen sie die Verkehrsstatistik des Jahres 2021 vor. Und bei der Präsentation der Verkehrsunfallentwicklung in der vergangenen Woche machen die Beamten deutlich: „Fahruntüchtigkeit und Ablenkung sind immer öfter die Gründe für Unfälle“, so Pölking.

Mit „Ablenkung“ meint der Polizeioberrat natürlich das Smartphone: Ob zu Fuß, auf dem Rad oder am Steuer - „alle sind mit dem Handy unterwegs und wir stellen hierbei oft sehr unschöne Dinge fest.“ In der Stadt gehöre der Blick aufs Display mittlerweile genauso zum Alltag wie auf der Autobahn, so Pölking. Um die Fälle zu dokumentieren, komme neuerdings ein spezieller Action-Camcorder zum Einsatz, eine kleine Kamera, die „Tipper“ und „Telefonierer“ am Steuer filmt: „Wir haben mit dem neuen System schon sehr große Erfolge erzielt - leider“, ist der Leiter Einsatz besorgt, zunehmend Vergehen erfasst zu haben.

Mit Sorge betrachte er aber nicht nur die Ablenkung durch das Smartphone, sondern auch die vielen Fälle von Fahruntüchtigkeit durch Alkohol und immer öfter auch durch Drogen: „Sich berauscht auf den Weg zu machen, ist nie eine gute Idee“, so der Leiter Einsatz. Gerade im Bereich Betäubungsmittel habe die PI im vergangenen Jahr hohe Fallzahlen registriert. Das müsse nicht heißen, dass der Drogenkonsum insgesamt angestiegen sei, er sei eben „nur“ ans Licht gekommen, meint Pölking: „Verkehrssicherheitsarbeit ist ein Schwerpunkt im Heidekreis und es gibt hier zudem viele Kontrollen. Und dabei sind die Beamten in den vergangenen Jahren immer routinierter im Umgang mit den Drogentests geworden.“ Denn Alkohol rieche man, aber ob jemand verbotene Substanzen „intus habe“, lasse sich auf den ersten Blick schwieriger ausmachen: „Die Kollegen sind hierbei mittlerweile einfach gut geschult, können vor Ort gleich erkennen, ob etwas verdächtig erscheint.“ Die Drogentests kommen natürlich auch oft zum Einsatz, wenn es bereits „gekracht“ hat. Und auch hier bestätige sich vielfach der Verdacht: „Wir haben fast eine Verdoppelung bei der Feststellung von Betäubungsmittelkonsum nach Unfällen“, fügt Maske hinzu.

Er präsentiert zudem die nüchternen Zahlen rund um das Verkehrsunfallgeschehen im Bereich der PI Heidekreis: So sei die Entwicklung der Verkehrsunfälle insgesamt nach dem Höchststand in 2019 mit 5.899 in 2020 auf den niedrigsten Stand seit 2012 (damals 4.695) auf 4.769 gefallen. „2021 gab es dann wieder einen leichten Anstieg um 6,3 Prozent auf 5.070“, so der Sachbearbeiter Verkehr. „Die letzten drei Jahre betrachtet, haben die schweren Personenschäden abgenommen.“ So gab es 2019 noch 168 Schwerverletzte bei Unfällen, 121 in 2020 und 103 in 2021. Die Anzahl der leicht verletzten Personen fiel von 994 in 2019 auf 701 in 2020 und stieg dann 2021 wieder um 86 Fälle auf 787. Stark rückläufig ist die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr, nämlich von 18 in 2019 auf acht in 2020 und zehn in 2021. „Zwei Fälle mehr machen hierbei gleich eine Steigerung um 25 Prozent aus“, so Maske. Er und Pölking freuen sich zwar über den Abwärtstrend, „doch jeder Verkehrstote ist einer zuviel“, betont der Polizeioberrat.

Sein Kollege schlüsselt auf, mit welchen Fahrzeugen die zehn getöteten Personen unterwegs waren: „Fünf im Auto, drei mit dem Motorrad und eine Person mit dem Fahrrad - zudem gab es einen Fußgänger, der ums Leben kam.“ Die Altersgruppe der Senioren sei hierbei überproportional beteiligt, so Maske. Ein Trend, der sich auch in der Gesamtbetrachtung zeige: „Die Beteiligung von Senioren an allen Verkehrsunfällen ist von 1.121 in 2019 auf 776 in 2020 gefallen, dann aber 2021 wieder um 45 Fälle auf 821 gestiegen.“ Eine leichte Zunahme also, so der Polizeihauptkommissar, „aber man darf nicht vergessen: Es ist insgesamt eine große Personengruppe.“

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