„Jeder Anruf ist immer auch ein Hilferuf“

Pastorin Meike Drude übernimmt Leitung der hiesigen Telefonseelsorge

„Jeder Anruf ist immer auch ein Hilferuf“

2020 feierte die hiesige Dienststelle der Telefonseelsorge „runden Geburtstag“: Damals existierte das Angebot im Kirchenkreis Soltau bereits seit 40 Jahren (HK berichtete). In gut vier Jahrzehnten mögen sich die Sorgen der Anrufer zwar in vielen Teilen gewandelt haben, weniger geworden sind sie nicht - im Gegenteil: Gerade in Zeiten von Krieg und Krise plagen immer mehr Menschen zunehmend Ängste und Nöte. Für die hat das Team der Telefonseelsorge auch heute noch ein offenes Ohr. An der Spitze der Einrichtung steht jetzt allerdings eine neue Kraft: Nach dem Wechsel von Pastorin Petra Horn, die die Institution zuvor geführt hatte, in die Krankenhausseelsorge am Diakonieklinikum Rotenburg/Wümme hat nun die Krankenhausseelsorgerin Meike Drude die Leitung der Telefonseelsorge im Kirchenkreis Soltau übernommen. Bei einem Pressegespräch im Gemeindehaus der Lutherkirche der Böhmestadt stellt Pastor Wilko Burgwal seine Kollegin und deren neue Funktion vor.

Für die Pastorin aus Soltau ist die jetzt übernommene Aufgabe zwar ein bisher noch unbekanntes Aufgabenfeld, unerfahren ist sie im Umgang mit Problemen, die an sie herangetragen werden, jedoch keineswegs: Seit gut sechs Jahren ist sie als Seelsorgerin an den Kliniken in der Böhmestadt tätig. Eine Dreiviertelstelle habe sie hierfür bisher in dieser Funktion wahrgenommen, das übrige Viertel sei für unterschiedlichste Aufgaben im Kirchenkreis vorgesehen gewesen: Von Gottesdiensten im Haus Zuflucht bis hin zur Arbeit mit Pilgern - „ich bin der Joker“, schmunzelt die Pastorin über ihre vielfältigen Einsatzgebiete.

Ihre Tätigkeit im Krankenhaus habe sie nun eingeschränkt, um ihrer neuen Aufgabe ausreichend Zeit widmen zu können: „Die Telefonseelsorge ist für mich ein völlig neuer Bereich.“ Bereits zum 1. November hat Drude die Leitung übernommen und die Unterschiede im Vergleich zum direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht natürlich sofort registriert. Denn über die Telefonleitungen laufe es anders: „Alles ist geheim und zum Schutz der Anrufer sowie der Helfer komplett anonym“, so die Pastorin. „Und nur durch einen entsprechenden Abstand können wir den Schutz auch gewährleisten“, fügt Burgwal hinzu. Zu diesem Abstand gehöre auch, dass die Telefonseelsorge nicht etwa wie im Home-office üblich von zu Hause aus geschaltet werde, so der Pastor weiter. Denn die Ehrenamtlichen müssen dafür in eine (geheime) Wohnung im Heidekreis kommen und sich dort ans Telefon setzen. „Für manche bedeutet das eine ziemlich lange Anfahrt“, so Burgwal.

Einen langen Weg im übertragenen Sinne nehmen die Helfer aber bereits auf sich, bevor sie überhaupt den Hörer in der Hand halten: „In vorbereitenden Kursen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Umgang mit schwierigen Anrufern und kritischen Situationen.“ Die könnten laut der Pastorin manchmal auch bis zum Äußersten gehen: „Es kommt durchaus vor, das Leute Selbstmordgedanken oder sogar -absichten haben. Aber jeder Anruf ist immer auch ein Hilferuf – und wir möchten helfen.“

Knapp 50 Ehrenamtliche seien es zur Zeit, die sich der Aufgabe verschrieben hätten - „zu wenige“, bedauert Drude: „Mit der aktuellen Anzahl an Helfern können wir die hiesige Telefonseelsorge nicht an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr besetzen. Dazu bräuchten wir einfach mehr Leute“, so die Pastorin. Sie hofft, dass sich neue Interessierte melden und der Aufgabe stellen: „Jedes Jahr gibt es einen neuen Kurs zur Vorbereitung, immer begleitet durch Supervision. Nach der Ausbildung verpflichten sich die Ehrenamtlichen zu zwölf Stunden Dienst pro Monat.“ Der nächste Kurs solle im kommenden Jahr nach den Sommerferien starten, plant Drude: „Interessierte können sich aber schon im Frühjahr dafür anmelden.“

Melden sollen sich Bewerber natürlich nicht über die Nummern, die für Hilfesuchende unter 0800-1110111 und 0800-1110222 geschaltet sind, sondern unter Telefon (05192) 7550 oder per E-Mail an -telefonseelsorge.soltau@evlka.de.

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