Musikschule: Test-Fest dieses Mal digital

Originelles Format zum Kennenlernen zahlreicher Instrumente gestartet

Musikschule: Test-Fest dieses Mal digital

Homeoffice und Homeschooling haben in der Coronakrise gezeigt: Vieles geht auch digital. Doch Musik sei eben nicht Mathe, meint Jürgen Heusler. Nach mehr als einem Jahr der Internet-Angebote lautet das Resümee des Leiters der Heidekreis-Musikschule: „Im musikalischen Bereich geht es einfach nur von Mensch zu Mensch.“ Der Meinung ist auch sein Stellvertreter Sönke Klegin: „Für den Musikunterricht ist online nur ‚eine Krücke‘.“ Manches funktioniere zwar, doch schon kleine Zeitverzögerungen bei der Übertragung machten das Zusammenspiel schwierig. „Außerdem nimmt es den Spaß am gemeinsamen Musizieren.“ Dennoch startet die Heidekreis-Musikschule jetzt ein weiteres digitales Format, aber ein originelles, das zudem zu einem „Live“-Erlebnis führen soll: Das Test-Fest - eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Einrichtung - läuft dieses Mal am Rechner. Dort können Interessierte verschiedene Instrumente erst „virtuell“ kennenlernen, und diese dann bei einem individuellen Termin ausprobieren - und das „ganz real“. Was es mit dem Test-Fest noch auf sich hat und was im Corona-Jahr durchaus gut gelaufen ist, das erläuterten Heusler und Klegin zusammen mit dem Vorsitzenden des Trägervereins, Hubert Lux, am vergangenen Freitag in den Soltauer Räumlichkeiten der Musikschule.

„Insgesamt gesehen sind wir ganz gut durch die Corona-Krise gekommen“, blickt Lux auf 2020 zurück. Ein einfaches Jahr sei es dennoch nicht gewesen, besonders der Blick auf die Finanzen habe bei einem Betrieb mit „90 Prozent Personalkosten“ große Sorge bereitet: „Es ist zwar ein gemeinnütziges Unternehmen, aber eben auch ein Unternehmen“, so der Vorsitzende des Trägervereins. Immerhin sei für Monate jeglicher Präsenzunterricht unmöglich gewesen, die rund 60 Angestellten der Heidekreis-Musikschule habe man in Kurzarbeit schicken müssen. „Doch durch die Möglichkeit der Kurzarbeit waren unsere Mitarbeiter vergleichsweise noch recht gut gestellt“, so sei das Team soweit über die Runden gekommen. „Wir sind sehr stolz, dass sich das Kollegium so gut geschlagen hat“, lobt Lux.

Das Kompliment gibt Heusler gleich weiter an die Eltern der Musikschüler: „Wir sind sehr dankbar, dass uns die Eltern in der Pandemie beigestanden haben.“ Diese Solidarität habe auch Lux beeindruckt: „Viele Eltern haben die Beiträge einfach weiterbezahlt oder sogar gespendet.“

„Echten“ Musikunterricht habe es in der Corona-Zeit nicht wirklich gegeben, „es war mehr eine ‚Online-Kontaktpflege‘ zu den Schülern“, so Heusler, eine Art alternativer Unterricht, und das kostenfrei. Und das Angebot habe offenbar gewirkt: „Das Verhältnis zwischen Eltern und Schülern und der Musikschule blieb gut“, freut sich Lux. „Wir haben zwar nur ganz wenige Abmeldungen verzeichnet, aber es gab auch kaum Neuanmeldungen“, fasst der Schulleiter zusammen. Aktuell herrsche an der Musikschule ein gewisser Stillstand: „Ich glaube, die Leute sind einfach noch mit anderen Dingen beschäftigt.“

Das Test-Fest soll jetzt wieder neuen Schwung ins Geschehen bringen. Das lief vor Corona in den Räumen der Musikschule ab: Dort durften Kinder und Jugendliche alle verfügbaren Instrumente bestaunen und anfassen sowie natürlich „hineinblasen“, „in die Seiten hauen“ oder „streichen“ und „‘draufschlagen“, um dann den Klängen zu lauschen. Die Lehrkräfte halfen den Besuchern dabei, den Instrumenten die richtigen Töne zu entlocken. Wie Trompete, Gitarre, Geige, Schlagzeug und Co. klingen und wie man sie spielt, das zeigen beim „Digital Test-Fest“ mehr als 20 Videos: Unter www.heidekreis-musikschule.de/test-fest/ sind die Clips ab sofort online. In den jeweils rund zweiminütigen Sequenzen stellen die Musikschullehrerinnen und -lehrer die Instrumente und deren Besonderheiten vor. Viele der Videos seien im Homeoffice entstanden, erläutert Lux. „Die Kollegen fanden die Idee des digitalen Test-Fests sehr gut und waren sofort mit von der Partie“, lobt Klegin. Die Clips seien bewusst kurz gehalten, um kleinere Kinder nicht zu überfordern, ergänzt Heusler. „Denn wir wollen auch die Fünf- bis Sechsjährigen schon ansprechen.“

Natürlich stehen die Videos allen Alterklassen auf der Internetseite der Musikschule offen. Und wer schließlich seine Auswahl getroffen hat und sich ein oder zwei Instrumente einmal näher ansehen und ausprobieren möchte, der kann anschließend gern telefonisch einen Termin für eine „Schnupperstunde“ mit dem Team der Einrichtung vereinbaren. „Zu gewinnen gibt es beim ‚Digital Test-Fest‘ auch etwas: Bei einem Quiz gilt es, fünf kniffelige Fragen zu beantworten. Die richtigen Lösungen müssen die Teilnehmer dann bis zum 9. Juli per E-Mail oder Postkarte an uns senden. Als Preise winken fünf CDs“, lädt Heusler zum Mitmachen ein. Mindestens bis zum Einsendeschluss werden auch die Videos online sein. „Wir hoffen, so neue Schüler motivieren und gewinnen zu können“, so Lux.

Nach den Sommerferien solle dann auch der Unterricht wieder Fahrt aufnehmen - und zwar „live“: „Unser Personal ist bereits fast ‚durchgeimpft‘. Einzeln und in kleinen Gruppen kann der Unterricht dann wieder starten“, hofft der Schulleiter. Größere Ensembles könnten aktuell höchsten im Freien üben: „Deshalb hoffen wir, dass zumindest im Juni das Wetter besser wird“, so Klegin, „damit auch diese Gruppen wieder gemeinsam musizieren können.“

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